Unser Sonntag: Zeugen der frohen Botschaft
Tobias Ferstl - Regensburg
5. Sonntag im Jahreskreis (A)
Mt 5,13-16
Liebe Hörerinnen und Hörer, trotz aller Kürze fehlt es dem heutigen Evangelium nicht an Tiefgang und Strahlkraft.
Die hoffnungsvollen Seligpreisungen des Evangeliums vom letzten Sonntag spricht Jesus scheinbar ganz allgemein und ohne konkrete Ansprache in die um ihn versammelte Menschenschar. Heute wendet er sich direkt seinen Jüngern zu und spricht sie ganz konkret an.
IHR seid das Salz der Erde
IHR seid das Licht der Welt
So soll EUER Licht vor den Menschen leuchten
Das gilt uns!
Diese konkrete Ansprache galt nicht nur den Jüngern damals, diese konkrete Ansprache gilt auch uns, an diesem heutigen Tag, für die vor uns liegende Woche. „Salz der Erde“ und „Licht der Welt“ sind Worte, die als Überschrift über vielen Schriften und Büchern stehen. Beginnend mit der Dogmatischen Konstitution „Lumen gentium“ (Licht der Völker) des 2. Vatikanischen Konzils, über Joseph Ratzingers Grundlagenwerk „Salz der Erde“, bis hin zum neuen geistlichen Lied, wiebeispielsweise „Du bist das Licht der Welt“. Wenn so wenige Worte für so viele Titel und Überschriften reichen, dürfen wir gewiss sein, dahinter verbirgt sich eine große Botschaft und ein noch größerer Auftrag.
Auftrag für uns als Kirche
Es ist ein Auftrag für uns Christen, draußen in der Welt, und es ist ein Auftrag für jede und jeden von uns, die zusammen „Kirche sind“, das „pilgernde Volk Gottes, unterwegs durch die Zeit“ Wenn uns Jesus heute zuruft: „Ihr seid das Salz der Erde“, erlauben Sie bitte eine vielleicht etwas provokante Frage: Haben Sie schon einmal das Salz in der Suppe gesehen?
Auf die Dosierung kommt es an
Wir alle wissen um die Wirkungsweise von Salz: In keinster Weise geschmacklos und dennoch unsichtbar, wenn es der für das Salz bestimmten Verwendung zugeführt wird. Beim Salz kommt es auf die Dosierung an. Nimmt man zu wenig, entfaltet es keine Wirkung, das Essen schmeckt nicht, es fehlt an Substanz und Würze. Zuviel des Guten kennen wir sehr wohl und schon ist es geschehen, das gute Essen ist ungenießbar. Salz bewahrt, Salz konserviert, Salz hat die Kraft Eis zu schmelzen und ohne Salz ist der menschliche Körper nicht lebensfähig.
So sollen wir als Christen in der Welt leben: Wertvoll und unverzichtbar für die Gesellschaft, lebensbejahend und positiv sollen wir der Welt „Geschmack“ geben, dieser Welt, die in vielfacher Hinsicht durchdrungen ist von „Geschmacklosigkeit“. Und gerade deswegen ist es unser Auftrag, in der Treue zu Gottes Wort die Welt vor der Verderbnis zu bewahren und zu konservieren. Salz macht durstig – wir alle kennen es – und Jesus sagt selbst: „Selig, die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit, denn sie werden gesättigt werden“ - schal gewordenes Salz kann man auch nicht einfach so wieder „geschmackvoll machen“. In der Frage Jesu „womit kann man es wieder salzig machen?“ kann eine kleine Warnung stecken. Wir können unsere Berufung und somit den „Sinn“ verlieren.
Licht und Kerzen haben Tradition
Mit ebenfalls wenigen Worten beschreibt Jesus das Licht - und trotzdem ruft er uns zu: „Ihr seid das Licht der Welt“. Es ist für uns selbstverständlich, dass in unseren Kirchen Kerzen brennen, dass wir zu feierlichen Anlässen eine Kerze am Tisch entzünden, zur Advents- und Weihnachtszeit sich Städte und Häuser „in Licht kleiden“, der Adventskranz zu Hause entzündet wird (es ist schließlich Tradition) und die Osterkerze? Sie fehlt in keinem gut christlichen Haushalt. „Lichtspuren“ finden wir auch schon im Alten Testament, im Buch der Psalmen, und lesen beispielsweise bei Psalm 119: „Dein Wort ist meinem Fuß eine Leuchte, ein Licht für meine Pfade“
Aber ist das alles schon genug „Licht in der Welt? Genug Licht für die Welt“?
Ich möchte sie einladen, gedanklich mit mir nach Sankt Paul vor den Mauern zu kommen. Vielen von uns ist die Basilika vertraut, fehlt sie doch auf keiner Rom-Reise und somit darf ich voraussetzen, dass Sie alle den monumentalen Osterleuchter von Pietro Vassalletto kennen. Was für ein Meisterwerk aus dem 13. Jahrhundert.
Wenn wir uns nun vorstellen, dass wir alleine in völliger Dunkelheit in diesem imposanten Raum stehen, werden wir merken, dass uns die Dunkelheit komplett umhüllt. Es ist eine Dunkelheit, die durchaus sinnbildlich für die Dunkelheit der Welt stehen kann. Stellen wir gedanklich die Osterkerze – Sinnbild für Christus, das Licht der Welt, der den Tod und die Dunkelheit des Grabes hinter sich gelassen hat – nun auf den großen Leuchter und wir werden sehen, dass das Licht einer einzigen Kerze die Finsternis durchbrechen kann.
Der Morgenstern
Das Exsultet, der große Lobgesang auf die Osterkerze, endet mit verheissungsvollen, zuversichtlichen Worten: „Sie leuchte, bis der Morgenstern erscheint, jeder wahre Morgenstern, der in Ewigkeit nicht untergeht: dein Sohn, unser Herr Jesus Christus, der von den Toten erstand, der den Menschen erstrahlt im österlichen Licht, der mit dir lebt und herrscht in Ewigkeit.
Das Licht Christi empfangen
Und heute ruft uns Jesus zu: Ihr seid das Licht der Welt! Und wir dürfen uns fragen, was hat dieser Osterleuchter, diese Osterkerze, dieser Gesang mit uns und unserem Leben zu tun? Bei unserer Taufe sind wir nicht nur aufgenommen worden in die Kirche. Wir haben bei unserer Taufe von jenem Osterleuchter – wissend darum, dass es nicht der Leuchter von St. Paul war – das „Licht Christi“ empfangen. Unsere Taufkerze wurde an der Osterkerze entzündet und der Priester oder Diakon sprach „empfange das Licht Christi“.
Unser Tauftag
Ich wurde in der Osternacht des Jahres 1979 getauft, es war der 14. April. Natürlich habe ich davon erst Jahre später erfahren und kann mich an meine eigene Taufe nicht erinnern. Kennen Sie Ihren Tauftag? Ich möchte Sie einladen, gerade die heutigen Gedanken zum Sonntagsevangelium zum Anlass zu nehmen, nach Ihrem persönlichen Tauftag zu suchen, wie es auch Papst Franziskus immer wieder getan hat (u.a. bei der Generalaudienz am 9. Januar 2019). Es ist jener Tag, an dem wir alle „Christus – das Licht“ empfangen haben und jener Tag, der für uns Befähigung und Auftrag ist, Zeugnis abzulegen für das Licht, so wie wir bei Johannes im Evangelium des 25. Dezember hören.
Christsein im Alltag leben
„Ein Mensch traf auf, von Gott gesandt; sein Name war Johannes. Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen. Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht.“ So dürfen wir auch das heutige Evangelium und den Ruf Jesu „Ihr seid das Licht der Welt“ verstehen. Wir sollen unser „Christ sein“ im Alltag leben, wir sollen als „leuchtendes Beispiel leben“ und eben jenes Zeugnis ablegen: ich bin Christ. Beispiele und Wegweisungen gab und gibt uns Jesus mit auf den Weg. Papst Benedikt XVI. sagte dazu: „Vereint mit ihm können die Christen mitten in der Finsternis der Gleichgültigkeit und des Egoismus das Licht der Liebe Gottes verbreiten, die wahre Weisheit, die dem Dasein und Handeln der Menschen Sinn verleiht. (Benedikt XVI., aus der Ansprache beim Angelus vom 06.02.2011)"
Leuchtkraft nicht verbergen
Wir alle verwenden Jesu Worte als Redewendung „Stelle Dein Licht nicht unter den Scheffel“. Wir sagen es zu Menschen, die etwas besonders gut können, die sich aber zurücknehmen und nicht prahlen ob Ihres Talents und ihrer Leistung. Wenn wir unsere „Leuchtkraft“ als Christen verbergen und nicht nach außen tragen, wird unser Licht keine Bedeutung haben. Wie beim Salz gilt beim Licht: das rechte Maß halten: Wir sollen nicht tönend und laut voranschreiten und unseren Glauben und unser Christsein auf dem Präsentierteller „vor uns hertragen“ und vor allem niemanden blenden. Aber wir sollen „Licht sein“.
Im vergangenen Advent gab es bei katholisch.de einen „digitalen Adventskalender“ Das 5. Türchen stand unter der Überschrift „Leuchten auf der Arbeit“ und ich finde den „Inhalt“ dieses Türchens sehr passend zum heutigen Evangelium. So war z.B. zu lesen, was unter „Leuchten auf der Arbeit“ gemeint sein kann:
• Koch deinem Kollegen einen Tee
• Bring einen Adventskalender mit
• Dekoriere deinen Arbeitsplatz
• Lass frische Luft herein
• Sprich ein Gebet in der Pause
Beim Lesen des heutigen Evangeliums denke ich an eine Predigt, die der Salzburger Erzbischof Franz Lackner am 08.12.2023 zum Hochfest „Mariä Empfängnis“ im Dom zu Salzburg gehalten hat. „Als getaufte, gefirmte gläubige Menschen dürfen, ja sollen wir innig glauben: Der Herr ist mit uns! Aber was ist die Botschaft, auf die wir uns vorbereiten? Eine Botschaft, die Hoffnung spendet! Eine Botschaft, die Freude schenkt, der Herr ist mit uns! Wir sind nicht allein! Auf diesem Wege sind wir auch Begnadete, Begnadete in der Gegenwart Gottes. Leider Gottes – und ich sage das zu mir selbst – leider Gottes merkt man uns das nicht an. Ich bin einmal in Rom mit einem Mitbruder durch die Stadt gegangen und da ist uns ein Ordensmensch entgegengekommen, der hat wirklich griesgrämig dreingeschaut und da sagt mein Mitbruder zu mir ,Wenn das die frohe Botschaft ist, dann möchte ich die schlechte nicht kennen!' Nietzsche hat einmal gesagt: ,Wenn die Christen an eine Erlösung glauben, dann müssten sie erlöster drein schauen!'“ Soweit ein Zitat aus der Predigt von Erzbischof Lackner.
Verkündigung statt Strukturdiskussionen
Auch wenn diese Predigt nicht in Bezug zum heutigen Evangelium steht, sind die Worte doch sehr passend. Statt griesgrämig zu schauen, soll uns die Freude ins Gesicht geschrieben sein und statt sich in ewigen Strukturdiskussionen zu verlieren, sollen wir das Evangelium, die „frohe Botschaft“ hinaustragen in die Welt und Zeugnis davon ablegen. Im Beruf, im Alltag, in der Familie, im Freundeskreis.
Es gibt unzählige Beispiele, das heutige Evangelium im Alltag mit Leben zu füllen. Oft bedarf dies keiner großen Vorbereitung und nicht einmal großer Anstrengung und wir werden merken, wie schnell unsere Mitmenschen davon berührt werden. An einer brennenden Kerze können wir viele weitere Kerzen entzünden, und keine dieser Kerzen wird an Strahlkraft verlieren, nur weil sie das Licht teilt.
Das bereits zitierte Exsultet der Osternacht, beschreibt genau dies mit folgenden wunderschönen Worten: „Wenn auch ihr Licht sich in die Runde verteilt hat, so verlor es doch nichts von der Kraft seines Glanzes“. Im heutigen Evangelium spricht Jesus – man könnte schon fast sagen beiläufig – von einer Stadt, die auf dem Berg liegt und nicht im Verborgenen bleiben kann.
Das Leben Jesu ist untrennbar mit der Stadt Jerusalem verbunden. Wer von Ihnen schon einmal in Jerusalem war, wird sich an die hügelige Stadtlage erinnern und auch im Psalm 122 lesen wir: „Dorthin ziehen die Stämme hinauf“. Wir dürfen es wörtlich nehmen mit der Stadt auf dem Berg. Wenn wir als Gemeinde Eucharistie, das zentrale Geheimnis unseres christlichen Glaubens, feiern, dürfen wir in dieser Feier ein Abbild des „himmlischen Jerusalems“ sehen. Und so ist das heutige Evangelium auch ein Auftrag, als feiernde Gemeinde, als Kirche, als „Leib Christi“ eben nicht verborgen zu bleiben. Jesus will zusammen mit uns das Reich Gottes auf Erden neu errichten, diese himmlische Stadt neu mit uns bauen, hier und heute, zusammen mit allen Menschen.
IHR seid das Salz der Erde
IHR seid das Licht der Welt
Unser Auftrag als Christen ist, mit unserem eigenen Leben, unserem Reden und unserem Handeln Zeuginnen und Zeugen der Frohen Botschaft zu sein und so Anteil zu haben am Priestertum aller Getauften. Dazu wünsche ich Ihnen gute Gedanken und einen gesegneten Sonntag.
(Radio Vatikan - Redaktion Claudia Kaminski)
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