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Buchtipp: Jörg Ernesti - Die Päpste. Von der Antike bis zur Gegenwart Buchtipp: Jörg Ernesti - Die Päpste. Von der Antike bis zur Gegenwart 

Buchtipp: Eine Reise durch zwei Jahrtausende Papstgeschichte

Der renommierte Kirchenhistoriker Jörg Ernesti legt mit seinem neuen Werk „Die Päpste. Von der Antike bis zur Gegenwart“ (C.H. Beck) eine Gesamtdarstellung vor, die den Bogen von den bescheidenen Anfängen des Petrus bis hin zur globalisierten Kirche von heute spannt. Das Ergebnis ist ein beeindruckendes Panorama von Macht, Glaube und politischem Kalkül.

Ernesti, Professor für Kirchengeschichte in Augsburg, gelingt ein Kunststück, an dem viele Historiker scheitern: Er bündelt die Biografien von über 260 Päpsten in einer packenden Erzählung, ohne dabei in eine bloße Auflistung von Namen und Daten zu verfallen. Er zeigt das Papsttum als eine Institution, die sich immer wieder neu erfinden musste, um zu überleben.

Vom Fischer zum Monarchen

Das Buch beginnt in der Dunkelheit der römischen Katakomben. Ernesti zeichnet nach, wie aus dem Bischof von Rom, der zunächst nur einer unter vielen war, der „Vicarius Christi“ wurde, der zeitweise über Könige und Kaiser richtete. Besonders stark sind die Kapitel über das Mittelalter und die Renaissance, in denen die Päpste als Kunstmäzene wie Raffael oder Michelangelo auftraten, aber auch als weltliche Herrscher in kriegerische Konflikte verwickelt waren.

„Die Geschichte der Päpste ist immer auch eine Spiegelung der Weltgeschichte“, so die zentrale These des Buches. Ob die Konfrontation mit Napoleon, die Herausforderungen durch die Aufklärung oder die dunklen Kapitel während der Weltkriege – Ernesti spart die Ambivalenzen des Amtes nicht aus.

Die Moderne und das globale Papsttum

Ein Schwerpunkt des Werkes liegt auf der Entwicklung seit dem 19. Jahrhundert. Ernesti analysiert den Wandel vom „Gefangenen im Vatikan“ nach dem Verlust des Kirchenstaates hin zu den charismatischen Medienpäpsten der Gegenwart. Besonders spannend ist die Einordnung der jüngsten Pontifikate: Von der intellektuellen Strenge eines Benedikt XVI. bis hin zur Reformagenda von Franziskus und den ersten Impulsen seines Nachfolgers Leo XIV.

Fazit: Ein Standardwerk für das 21. Jahrhundert

Ernestis Schreibstil ist präzise, wissenschaftlich fundiert und dennoch für ein breites Publikum zugänglich. Er verzichtet auf effekthascherische Skandalisierung, verheimlicht aber auch nicht die menschlichen Schwächen und institutionellen Krisen.

„Die Päpste“ ist mehr als eine Chronik; es ist eine Analyse darüber, wie eine archaische Institution in einer sich rasant wandelnden Welt Relevanz behält. Für jeden, der die kulturellen und politischen Wurzeln Europas und der katholischen Welt verstehen will, ist dieses Buch eine unverzichtbare Lektüre.

Zum Mitschreiben

Jörg Ernesti: Die Päpste. Von der Antike bis zur Gegenwart, C.H. Beck-Verlag 2026. 128 Seiten, mit 6 Abbildungen und 2 Karten. ISBN 978-3-406-83930-6

Eine Rezension von Mario Galgano.

(vatican news)

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16. März 2026, 11:47