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Die Skulptur im Passauer Dom Die Skulptur im Passauer Dom  (Bistum Passau))

D: Passauer Dom erhält Mahnmal als Erinnerung an Missbrauch in Kirche

Im Passauer Dom steht seit Sonntag ein Mahnmal gegen das Vergessen von sexuellem, gewalttätigem und geistlichem Missbrauch. Im Rahmen eines Gottesdienstes enthüllte Bischof Stefan Oster die vom bayerischen Künstler Andreas Kuhnlein geschaffene Holzfigur.

Die Skulptur trägt den Titel „Lichtblick" und zeigt eine schwangere Frau, die den Blick nach vorne richtet. Auf Anregung des Betroffenenbeirats hatte die Diözese das Werk erstanden. Dieses soll nach Abschluss der noch laufenden Renovierungsarbeiten im Dom dauerhaft beim Marienaltar installiert werden.

Die anschließende Gedenkminute nach dem Segnungsakt lud zu Stille, einem Wirken-lassen und In-sich-gehen ein, wie es auf der Internetseite von Bischof Oster heißt. Die Idee zu dem Mahnmal kam den Angaben zufolge vom Betroffenenbeirat. Sie sei vor rund drei Jahren entstanden, im Zusammenhang mit der Freundschaft zu dem aus Unterwössen im Chiemgau stammenden Holzbildhauer Kuhnlein, erklärte Siegfried Lang, Sprecher des Gremiums. Der Schwerpunkt bei dem Werk liege auf der Nachhaltigkeit. Denn: „Die große Gefahr ist bei diesen Aufarbeitungsthemen, die durch die Presse gehen: Man hört es, man sieht es, und damit ist das Thema dann aber auch wieder erledigt.“

Die Enthüllung des Mahnmals
Die Enthüllung des Mahnmals   (Bistum Passau))

Über Sexualität nachdenken

In seiner Predigt lud Bischof Oster dazu ein, über Sexualität nachzudenken, die Ausdruck von Liebe, Hingabe, Intimität und Vereinigung sei. Zunächst eine „wunderbare Erfindung unseres Schöpfers“, bei der aber auch die reine Triebbefriedigung im Vordergrund stehen könne. Dabei stellte er die Frage: „Sind wir nicht gerade in dem, wo es in unserem Inneren um die Fähigkeit geht, wirklich lieben zu lernen mit Leib und Seele, zugleich tief anfällig? Anfällig, selbst verwundet zu werden oder zu verwunden?“

Der Bischof dankte den Betroffenen für die Bereitschaft, dieses Mahnmal im Dom zu enthüllen. Dieses sei ein Zeichen dafür, „dass auch ihre Hoffnung nicht erloschen ist. Und dass sie Glauben haben, dass die Kirche, in der sie Schlimmes erlebt haben, zugleich der Ort sein kann, an dem sie Jesus neu begegnen können.“

,Heart' in Münchner Liebfrauenkirche

Passau ist in Bayern das zweite Bistum nach der Erzdiözese München und Freising, das im Dom dauerhaft ein Mahnmal gegen Missbrauch aufstellt. Im Februar 2025 war in der Münchner Liebfrauenkirche das 60 Zentimeter hohe Werk „Heart“ des Münchner Künstlers Michael Pendry enthüllt worden. Bis Ostern stand es am Hauptaltar, inzwischen hat es seinen Platz auf einer Stele in der Krypta des Gotteshauses gefunden.

Die im vergangenen Dezember veröffentlichte Missbrauchsstudie für das Bistum Passau hatte ergeben, dass fast 700 Kinder und Jugendliche seit 1945 von katholischen Priestern des Bistums sexuell missbraucht oder körperlich misshandelt worden sind. Ein Team der Hochschule unter Leitung des Historikers Marc von Knorring hatte diese im Auftrag der Unabhängigen Aufarbeitungskommission erarbeitet. Allerdings dürfte von einer nicht näher quantifizierbaren Dunkelziffer auszugehen sein, heißt es im Fazit.

(kna - cs)

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08. März 2026, 16:36