10 Jahre „Amoris laetitia“: Schönborn würdigt „Durchbruch“ in der Seelsorge
Papst Franziskus hatte in dem Dokument festgelegt, dass geschiedene Wiederverheiratete nicht mehr kategorisch von den Sakramenten Beichte und Kommunion ausgeschlossen sein müssen. Stattdessen erhielten Seelsorger die Möglichkeit, in Einzelfallprüfungen über den Zugang zu entscheiden. Schönborn wies den Vorwurf zurück, damit sei die kirchliche Lehre relativiert worden. Vielmehr spreche das Dokument „vom Leben“ und nehme die „Heldenhaftigkeit“ jener Menschen in den Blick, die unter schwierigsten Bedingungen versuchen, Familie zu leben.
„Diese Menschen darf man nicht knebeln und nach rigorosen Kriterien bemessen“, so der emeritierte Wiener Erzbischof. Besonders die Passage, in der der Papst dazu aufruft, Kinder niemals in „Geiselhaft“ für die persönlichen Konflikte der Eltern zu nehmen, hob Schönborn als zentral hervor. Er betonte zudem, dass das Dokument keine „Sakramente zum Nulltarif“ eingeführt habe, sondern zu einer tiefgehenden Gewissenserforschung aufrufe.
Kontinuität statt Bruch
Schönborn widersprach der Ansicht, „Amoris laetitia“ stehe im Widerspruch zu früheren Dokumenten wie „Familiaris consortio“ (1981) von Papst Johannes Paul II. Er sehe darin vielmehr eine organische Fortentwicklung. Während Johannes Paul II. das Fundament und die Unauflöslichkeit der Ehe gesichert habe, biete das Schreiben von Franziskus nun den notwendigen „Lektüre-Schlüssel“, um die konkreten Lebensumstände der Gläubigen miteinzubeziehen.
Die oft kritisierte Fußnote Nr. 351, die den Kommunionempfang für Wiederverheiratete unter bestimmten Voraussetzungen ermöglicht, müsse laut Schönborn im Gesamtkontext des Dokuments gelesen werden. Es gehe nicht um neue Normen oder eine neue Lehre, sondern um „genaueres Hinschauen und Unterscheiden“.
Papst Leo XIV. setzt den Reformkurs fort
Die Debatte um die Ausrichtung der Familienpastoral wird im Herbst 2026 eine neue Stufe erreichen. Papst Leo XIV. hat angekündigt, im Oktober 2026 mit den Vorsitzenden aller weltweiten Bischofskonferenzen über die Inhalte von „Amoris laetitia“ zu beraten. Solche Treffen des Papstes mit allen Konferenzvorsitzenden gelten als seltene und kirchenpolitisch bedeutsame Ereignisse.
In einer aktuellen Botschaft unterstrich Papst Leo XIV., dass er den Ansatz seines Vorgängers vertiefen wolle. Die Kirche sei aufgerufen, „die Zerbrechlichkeit zu begleiten, zu unterscheiden und einzugliedern“. Ziel sei es, ein verkürztes Verständnis von Normen zu überwinden und die biblische Hoffnung auch in Krisensituationen erfahrbar zu machen.
(kap - mg)
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