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Die olympischen Ringe am Mailänder Dom Die olympischen Ringe am Mailänder Dom 

Österreichs Olympia-Kaplan: Paralympics als Hoffnungszeichen

Johannes Lackner, Österreichs Olympia-Kaplan, begleitete die Athleten während der olympischen und paralympischen Spiele in Mailand und Cortina. Nach dem Ende der Paralympics am Sonntag zieht der junge Pfarrer aus der Erzdiözese Salzburg ein erstes Resümee und bezeichnet die Spiele im Interview als Hoffnungszeichen für den Frieden.

Radio Vatikan: Kaplan Johannes Lackner, Sie sind österreichischer Olympia-Kaplan und waren in dieser Funktion jetzt bei den Olympischen Winterspielen und bei den Paralympics in Mailand und Cortina d'Ampezzo. Mit welchem Gefühl fahren Sie jetzt nach dem Ende der Spiele heim nach Österreich?

Kaplan Johannes Lackner: „Mit einem sehr positiven Gefühl. Die Paralympics waren nicht nur sportlich erfolgreich für uns Österreicher, sondern es war einfach die Erfahrung eines völkerverbindenden, nationenüberschreitenden Sportfestes. Menschen aus der ganzen Welt sind zusammenkommen und sich begegnet. Das ist für mich, wie auch Papst Leo es geschrieben hat, ein kleiner Beitrag auch für den Frieden in der Welt und ein symbolisches Hoffnungszeichen für den Frieden, wenn Sportler aus der ganzen Welt zusammenkommen und sich friedlich miteinander messen. Das ist einfach etwas Wunderbares und das war in den letzten Tagen hier in Cortina spürbar."

Hier das ganze Interview zum Nachhören

Völkerverbindendes Sportfest

Radio Vatikan: Sie haben das Schreiben des Papstes über die Bedeutung des Sports von Anfang Februar bereits angesprochen. Papst Leo betont darin, dass Sport Frieden stiften kann. Diese Idee des Friedens wurde besonders bei den Paralympics vom Krieg im Nahen Osten erschüttert. Wie hat sich das auf die Spiele ausgewirkt?

Kaplan Lackner: „Die politischen Konflikte waren schon spürbar, besonders auch bei der Eröffnungsfeier. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass doch der Sport bei diesen Spielen im Mittelpunkt gestanden ist und dass das Gemeinsame vor dem Trennenden stand. Das war spürbar bei den Begegnungen im Dorf, wo die Flaggen aller Nationen hingen und sich die Sportler in ihren jeweiligen Nationaldressen begegnet sind. Auch an den Wettkampfstätten war dieses Verbindende spürbar. Ich denke mal, wenn das immer so wäre in der Welt, dass man wie bei den Paralympics ein Miteinander in einem Gegeneinander finden kann, wäre das etwas Wunderbares. Man hat die gemeinsame sportliche Exzellenz, das gemeinsame Streben nach Höchstleistung in den Vordergrund gestellt. Bei den Paralympics kommt natürlich noch der Aspekt der Inklusion hinzu: Menschen mit Behinderung erbringen Höchstleistungen und überwinden Grenzen und Barrieren, dieses Grenzenüberschreitende ist bei den Paralympics noch mehr spürbar als bei den Olympischen Spielen."

„Wenn das immer so wäre in der Welt, dass man wie bei den Paralympics ein Miteinander in einem Gegeneinander finden kann, wäre das etwas Wunderbares.“

Radio Vatikan: Besonders beeindruckend waren für viele die österreichischen Aigner-Geschwister beim Skifahren. Beide sehbehinderte Geschwister, Johannes und Veronika Aigner, wurden von Guides begleitet. Wie bereiteten sich die Sportler darauf vor, und wie hat es bei den beiden Österreichern dann auch geklappt?

Kaplan Lackner: „Es fährt immer ein Guide voraus, der akustische Signale gibt. Guide und Athlet sind über ein Mikrofon und ein Headset miteinander verbunden und können auch unterm Fahren kommunizieren. Diese Leistung hat meine größte Bewunderung. Dabei sieht man, dass körperliche Beeinträchtigungen nicht davon abhalten, Höchstleistungen zu erbringen und die eigenen Talente in die Gesellschaft einzubringen. In Bezug auf die Geschwister Aigner möchte ich in besonderer Weise sagen, dass ich die nicht nur als sportlich top erfahren habe, sondern auch als menschlich sehr zugänglich, sehr herzlich und sehr offen. Sie haben auch einen Gottesdienst mitgefeiert im Olympischen Dorf. Johannes Aigner hat diesen Gottesdienst zum Beispiel auch mit der Ziehharmonika mitgestaltet. Das hat mich sehr gefreut. Sie sind auch sehr offen für den Glauben. Zu dem Gottesdienst ist fast das gesamte österreichische Team gekommen. Wir haben Gott um gute, faire und unfallfreie Wettkämpfe gebeten. Und ich glaube, es hat ganz gut funktioniert. Gott sei Dank hat sich keiner verletzt."

Zwei norwegische Sportler bei der Abschlusszeremonie
Zwei norwegische Sportler bei der Abschlusszeremonie

Sich von Gott behütet wissen

Radio Vatikan: Es geht eben nicht nur um den Körper, sondern auch um den Geist. Sie sind auch für die Seelsorge zuständig. Wie viele Stoßgebete haben Sie und die Sportler während dieser Paralympics nach oben geschickt?

Kaplan Lackner: „Schon einige. Natürlich habe ich jeden Tag laufend für die Athleten gebetet. Ich bete aber nicht darum, dass jemand eine Medaille gewinnt. Wenn wir eine Medaille gewinnen, dann freut es mich natürlich sehr. Aber das ist nicht das, wofür ich bete. Sondern ich bete, dass alles eben gesund über die Bühne geht. Dass es keine schweren Stürze gibt, keine Verletzungen. Dass jeder irgendwie das Bestmögliche aus sich herausholen kann. Und dass jeder sich auch von Gott behütet weiß, unabhängig von der Leistung. Meine Botschaft als Seelsorger an die Athleten ist: Du bist von Gott geliebt, unabhängig von dem, was du leistest. Im Sport und auch bei den Paralympics geht es um so viel mehr noch als die sportliche Leistung. Es geht wirklich um Höchstleistungen. Die größten Siege für mich bei den Paralympics sind oft nicht die Gold-, Silber- und Bronzemedaillen, sondern es gibt gerade bei den Paralympics großartige menschliche Erfolge.

Mir fällt zum Beispiel ein, unser Snowboarder, Markus Schmidhofer, der vor fünf Jahren einen Schlagenfall erlitten hat. Als er im Krankenhaus noch nicht einmal wieder sprechen konnte, hat er auf einem Blatt Papier ein Snowboard aufgezeichnet. Er wollte wieder Snowboard fahren. Jetzt bei den Paralympics war er am Start. Er hatte 45 Sekunden Rückstand auf die Bestzeit. Aber er war, glaube ich, genauso glücklich wie der Sieger, dass er es ohne Sturz ins Ziel geschafft hat und bei den Paralympics dabei sein durfte. Vor fünf Jahren war er noch im Krankenhaus und hat sich nicht so ausgeschaut, wie das jemals möglich wäre. Und auch dafür bete ich, dass jeder einfach diesen Geist der Paralympics mitbekommen kann und dass es faire Spiele sind im Geiste der Völkerfreundschaft, wie es auch Papst Leo gesagt hat. Und ich glaube, die Gebete sind erhört worden, weil es wirklich sehr schöne Spiele waren."

Abschlusszeremonie der Paralympics
Abschlusszeremonie der Paralympics

Kleines symbolisches Hoffnungszeichen

Radio Vatikan: Sie haben jetzt nochmal das Schreiben des Papstes erwähnt. Papst Leo hatte darin auch zu einer olympischen Waffenruhe aufgerufen, was es ja auch schon mal gegeben hat. Leider ist dieser Appell nicht gehört worden. Im Gegenteil, gerade auch während der Paralympics hat sich die Lage ja nochmal verschärft. Warum scheint es, dass die Worte des Papstes so wenig Gehör finden?

Kaplan Lackner: „Die aktuelle Weltsituation ist für mich auch sehr bedrückend. Papst Leo betont in diesem Schreiben über den Sport auch, dass Gewalt, Aggression und Krieg immer eine Niederlage sind für die Menschheit und gerade der Sport auch eine Rolle hat für die Förderung des Friedens. Ich glaube, dass die Paralympics und die Olympischen Spiele die Konflikte in dieser Welt zwar nicht lösen können, aber dass sie doch ein kleines symbolisches Hoffnungszeichen waren, wie ein Miteinander funktionieren kann, auch im sportlichen Gegeneinander. Der Papst hat da schon eine gewichtige Stimme. Ich glaube, dass seine Worte auch nicht ungehört bleiben, sondern dass viele Menschen auf der ganzen Welt sehr wohl auf diesen Appell des Friedens hören. Und natürlich sieht es derzeit so aus, als wäre der Krieg sehr beherrschend, aber ich glaube, der Friede beginnt auch in erster Linie einmal in unseren Herzen.

Wenn jeder von uns sich bemüht, ein friedfertiger Mensch zu sein, dann kann Friede auch bei uns beginnen. Deswegen verstehe ich diese Worte des Papstes nicht nur an die Politiker dieser Welt gerichtet, sondern an jeden Einzelnen von uns. Und gerade auch die Paralympics waren auch ein kleiner symbolischer Beitrag zu diesem Frieden. Das denke ich auf jeden Fall. Und genauso waren es auch die Olympischen Spiele vorher. Ich würde mir wirklich wünschen, dass das Verbindende, das der Sport haben kann, auch in der Gesellschaft spürbar wird. Und dass wir gemeinsam Wege beschreiten zur Völkerfreundschaft und zum Frieden. Und ich wünsche, dass der Geist der Paralympics, auch der Geist der Inklusion, der Geist des Friedens auf der ganzen Welt spürbar wird." 

„Ich würde mir wirklich wünschen, dass das Verbindende, das der Sport haben kann, auch in der Gesellschaft spürbar wird.“

Die Fragen stellte Stefanie Stahlhofen, Bearbeitung durch Charlotte Forst.

(vatican news)

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16. März 2026, 11:43