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Jesus und die Frau am Jakobsbrunnen Jesus und die Frau am Jakobsbrunnen 

Unser Sonntag: Das Wasser, das ich geben werde

Markus Hofmann verdeutlicht in dieser Betrachtung, dass Jesus viele tiefe Wahrheiten mit Hilfe des Wassers erläutert hat. Jesus stillt den seelischen Durst - und öffnet auch den Horizont in die Ewigkeit.

Dr. Markus Hofmann, Bonn

3. Fastensonntag A 8.3.2026

Joh 4, 5–42

Liebe Schwestern und Brüder,

am heutigen Sonntag spricht Jesus in diesem bemerkenswerten Evangelium zu uns durch das vertrauteste, für unser natürliches Leben notwendigste und zugleich alltäglichste seiner Geschöpfe: das Wasser.

Hier zum Nachhören

Jesus hat viele tiefe Wahrheiten mit Hilfe des Wassers erläutert. Er hat beispielsweise gesagt: „Wer Durst hat, der komme zu mir und trinke, und aus seinem Innern werden Ströme lebendigen Wassers fließen.“

Am Kreuz war es neben dem Blut aus der Seitenwunde das wässrige Wundsekret, das der bereits verstorbene Christus als letzte Gabe für uns vergoss. In diesem Blut und Wasser aus der Seite des Gekreuzigten erblickt der Evangelist Johannes und mit ihm die ganze Kirche seit den ersten Jahrhunderten die Symbole der Taufe und der heiligen Eucharistie - die Grundquellen allen Lebens in der Kirche.

Christus wollte, dass die Erlösung durch die Jahrhunderte hindurch zu allen Menschen gelangen könne - gleichsam über die Welle des Taufwassers, indem er anordnete: „Geht und tauft alle Völker ...“

Der Fisch als Erkennungszeichen der Christen

Die Christen der ersten Jahrhunderte liebten es, sich in den ersten Werken christlicher Kunst - den Fresken in den Katakomben - als Fische darzustellen. Der Fisch wurde zum Erkennungszeichen der Christen untereinander - was etwa auch in dem bekannten Film „Quo vadis?“ aufgegriffen wird. Die Anfangsbuchstaben des griechischen Wortes „ichtys“ wurden als kurzes Glaubensbekenntnis gelesen: „Jesus Christus ist Gottes Sohn und der Erlöser.“ Unser Vorfahren im Glauben wussten: Wie die Fische im und aus dem Wasser leben, so sind wir als Christen im Wasser der Taufe geboren und können nicht leben, ohne im Wasser, also in der Taufgnade, in der Treue zu Jesus Christus zu bleiben.

Natürliches und übernatürliches Wasser

Außerhalb dieses Wassers wartet die Trockenheit, der Tod auf uns - ähnlich wie es den Fischen ergeht, die an den Strand gespült werden. Auf all diese Zusammenhänge mit dem Geheimnis unserer Taufe spielt die heutige Liturgie an, wenn sie uns in der ersten Lesung die Szene vom Wüstenzug der Israeliten mit dem Wasser aus dem Felsen vorlegt und im Evangelium die Begegnung am Jakobsbrunnen, wo sowohl vom natürlichen als auch von übernatürlichem Wasser die Rede ist.

Erneuerung des Taufversprechens

Lange Zeit hindurch war die Fastenzeit ja zugleich die Zeit der Vorbereitung auf die Taufe für die erwachsenen Taufbewerber, über die in der Osternacht dann das Wasser der Gnade floß. Auch heute will die Kirche uns durch die ausgewählten Lesungen an den Fastensonntagen vorbereiten auf die Erneuerung unseres Taufversprechens in der Osternacht. Die erste Grundwahrheit, die Jesus an das Symbol des Wassers knüpft ist: das Wasser reinigt. Das kennen wir aus der Natur, vom der Klarheit und der Frische eines Himmels, der durch einen frischen Regenguss gereinigt wurde - wenn die Luft von der Schwüle und vom Staub befreit worden ist und wir wieder tief durchatmen können.

„Vergebung Gottes im Sakrament der Beichte: es reinigt“

Das fühlen wir in uns selbst, wenn wir am Morgen den ersten Kontakt mit klarem Wasser haben oder nach einer anstrengenden Arbeit, den Schweiß und Schmutz von uns abwaschen. Ähnlich wirkt auf geistliche Weise das Wasser der Taufe und das Wasser der Vergebung Gottes im Sakrament der Beichte: es reinigt, das heißt, es löst die schmutzigen Flecken der Sünde, es spült sie aus der Seele heraus, die wieder sauber und strahlend wird in den Augen Gottes, gereinigt und würdig, seine Umarmung der Liebe und der Freundschaft zu empfangen.

Wasser löscht Durst

Der Apostel Paulus drückt das, was für jeden einzelnen Christen gilt im Blick auf die Gemeinschaft aller so aus: „Christus hat die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben, um sie im Wasser und durch das Wort rein und heilig zu machen. So will er die Kirche herrlich vor sich erscheinen lassen, ohne Flecken oder andere Fehler; heilig soll sie sein und makellos.“ Eine zweite Wirkung des Wassers ist für unsere Erfahrung noch wichtiger: es löscht den Durst. Auf diese Eigenschaft bezieht sich vor allem das Gespräch Jesu mit der Samariterin. Der Auftakt ist sehr natürlich: Jesus hat Durst. Es ist Mittag, die Hitze ist drückend und der Herr hat lange Wege unter der Sonne Palästinas zurückgelegt.

Jesus stillt seelischen Durst

„Frau, gib mir zu trinken!“

Von hier, dem natürlichen Durst, geht Jesus aus, um mit dieser Frau über einen anderen Durst zu sprechen und über ein anderes Wasser, das allein diese Art des Durstes stillen kann: Jeder, der von diesem Wasser (des Brunnens) trinkt wird erneut Durst haben; wer aber von dem Wasser trinkt, das Jesus gibt, dessen seelischer Durst wird endgültig gestillt sein und der wird selbst zu einer sprudelnden Quelle dieses Wassers werden, das ewiges Leben, wahre Erfüllung und Stillung des Durstes schenkt.

„Heiliger Augustinus: Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir“

Das Herz des Menschen dürstet nach Leben und nach Glück, weil Gott es so geschaffen hat. Von ihm her haben wir eine angeborene Sehnsucht, einen tiefen Durst in uns. Das Herz des Menschen ist unruhig, so dass es keine Ruhe findet - hat der heilige Augustinus in unvergesslicher Weise gesagt. Es gibt nun zwei Weisen, auf die versucht wird, diesen Durst zu stillen. Die erste besteht darin, am Wasser der Geschöpfe zu trinken, die Freude in den Dingen zu suchen (manchmal geradezu verzweifelt) - im Besitz, in teurer Kleidung und kostbarem Schmuck, im Ansehen und Prestige - oder in einem anderen Geschöpf (im Ehepartner, im Geliebten, im Kind oder im Haustier).

Mehr als innerweltliche Erfüllung erwarten

Innerhalb der von Gott - zum Wohl des Menschen gesetzten Grenzen - ist das keine Sünde: sondern entspricht unserer Natur.

Aber Gott lässt uns immer wieder erfahren: das alles ist nur ein Vorgeschmack. Dieses Wasser der natürlichen Freuden stillt den Durst unserer Seele nur provisorisch, oft auch nur illusorisch und enttäuschend.

Wie der übermäßige Genuss einer Speise kann das maßlose Genießen solcher Freuden entweder nur einen Kater oder auch eine für das Leben der Seele gefährliche Vergiftung hervorrufen. In jedem Fall kommt der Augenblick, in dem man von diesem vergänglichen Wasser nicht mehr trinken kann. Wer das nicht rechtzeitig erkennt, sondern dennoch alle Erfüllung innerweltlich erwartet - ist ein armer Mensch.

Jesu Liebe ist voller Hingabe und Treue

Christus bietet uns dagegen sein lebendiges Wasser an, das jede Trockenheit und jedes Verlangen des menschlichen Herzens stillt; er bietet uns seine Wahrheit, seine Liebe, seine Freundschaft.

Eine Liebe, die nicht vom Keim des Egoismus oder der Begehrlichkeit verwundet ist, sondern voller Hingabe und Treue; ein Glück, das allein jede andere gerechtfertigte Freude ausrichten und mit Sinn erfüllen kann.

Christus bietet uns eine innere Erfüllung, deren Horizont nicht auf den engen Rahmen der Jugend oder des menschlichen Lebens insgesamt eingeschränkt ist. Was sind denn letztlich 70, 80 oder auch 100 oder 110 Jahre? Sagen wir nicht alle, dass die Zeit mit zunehmendem Alter immer schneller zu vergehen scheint? Nein, der Horizont, den Christus uns bietet, öffnet sich bis hin zur Ewigkeit: „Das Wasser, das ich geben werde, wird zur sprudelnden Quelle für das ewige Leben.“

Sein Horizont öffnet sich bis zur Ewigkeit

Jetzt, nachdem wir diese Wirklichkeit - das Wasser Christi - bedacht haben, können wir abschließend noch einmal einen Blick auf das alttestamentliche Vorbild - das Wasser des Felsens in der Wüste - werfen:

In diesem tiefschichtigen Ereignis der Geschichte Gottes mit seinem Volk können wir uns selbst vorgebildet sehen.
Wir sind doch, als Mitglieder der Kirche, das neue auserwählte Volk, das unterwegs ist in der Wüste hin zum verheißenen Land.
Wir sind es, die Durst leiden und auf den neuen Mose angewiesen sind, damit er uns aus dem Felsen Wasser fließen lasse.
Wir wissen jetzt, welches der Felsen ist, auf den wir schauen müssen: er wurde geöffnet am Kreuz durch die Lanze des Soldaten.

„Herr“ - so können wir heute mit der Samariterin beten - „gib mir von deinem lebendigen Wasser, damit ich nicht mehr durstig sein muss.“

Amen.

(Radio Vatikan - Redaktion Claudia Kaminski)

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07. März 2026, 11:08