Buchtipp: Frankétienne - Eine Aufforderung zum Kampf Buchtipp: Frankétienne - Eine Aufforderung zum Kampf 

Buchtipp: Ein literarisches Mahnmal gegen die Unterdrückung

Der haitianische Autor Frankétienne, der 1936 in Ravine-Sèche geboren wurde und im vergangenen Jahr in Port-au-Prince verstarb, gilt als eine der prägenden Figuren der karibischen Geistesgeschichte. Der Verlag Litradukt legt nun den Roman „Eine Aufforderung zum Kampf“ in der deutschen Übersetzung von Richard Steurer-Boulard vor.

Die Handlung ist im fiktiven Dorf Bois-Neuf angesiedelt, dessen Bewohner in vollständiger Unterwerfung unter den Magier Saintil leben. Dieser hält eine Gruppe von „Zombies“ gefangen – Menschen, denen die Seele geraubt wurde und die ihm als rechtlose Sklaven dienen. Saintil kontrolliert seine Arbeiter durch das strikte Verbot von Salz: „Ein Zombie kann nur fliehen, wenn er Salz zu sich genommen hat“.

Der Wendepunkt der Erzählung tritt ein, als sich Saintils Tochter Sultana in Clodonis verliebt, einen der zwangsweise arbeitenden Männer. Sie bricht das Tabu und reicht ihm Salz, woraufhin Clodonis aus seiner Apathie erwacht. In der Folge erhalten auch die übrigen Gefangenen das Mineral und finden zu ihrem Bewusstsein zurück. Der Roman stellt die Frage, ob es ihnen gemeinsam mit den Dorfbewohnern gelingen wird, die Herrschaft des Zauberers zu beenden.

Als Begründer des „Spiralisme“ vereinte der Autor Disziplinen wie Lyrik, Malerei und Musik in einem Werk, das die New York Times dazu veranlasste, ihn als „Father of Haitian Letters“ zu bezeichnen.

Metapher der Befreiung

Das Werk, dessen französisches Original 1979 unter dem Titel Les affres d'un défi erschien, entstand vor dem Hintergrund der Duvalier-Diktatur. Das Schicksal der Zombies, die im Gänsemarsch zu den Reisfeldern geführt und bei Ungehorsam misshandelt werden, dient als direkte Metapher für die Unterdrückung und den Kampf gegen das Regime. Frankétienne selbst blieb während dieser Ära in Haiti, ohne sich politisch mit den Machthabern zu kompromittieren.

Literarisch zeichnet sich der Text durch eine Verschmelzung verschiedener Gattungen aus. Prosa und Poesie gehen ineinander über, wobei Traumsequenzen und Realismus einander abwechseln. Der Autor beschrieb seinen schöpferischen Prozess gegenüber Radio France Info mit den Worten: „Es gibt eine Einheit zwischen meinem Schreiben und dem Inhalt des Buches. Ich habe keine Ästhetik des Chaos, ich bin Chaos, ich bin Babel.“

Ausstattung der Ausgabe

Die vorliegende deutsche Erstausgabe basiert auf dem 1975 veröffentlichten Dézafi, dem ersten haitianischen Roman in kreolischer Sprache. Während „Eine Aufforderung zum Kampf“ auf Französisch verfasst wurde, bleibt es inhaltlich eng mit dem Vorgänger verknüpft. Zur Unterstützung der Leserschaft enthält der Band ein Glossar, dessen Anmerkungen ursprünglich vom Autor selbst stammen und für die deutschsprachige Ausgabe angepasst wurden.

Bibliographische Angaben

Frankétienne: Eine Aufforderung zum Kampf. Aus dem Französischen von Richard Steurer-Boulard. Erstausgabe. Litradukt, Trier 2026. ISBN: 978-3-940435-51-4

Eine Rezension von Mario Galgano.

(vatican news)

 

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07. April 2026, 14:19