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Garten im Zentrum Saint Lauren, Kisangani (RD Kongo), Foto: Sr. Francisca Sánchez SMC Garten im Zentrum Saint Lauren, Kisangani (RD Kongo), Foto: Sr. Francisca Sánchez SMC  #SistersProject

DR Kongo: Comboni-Missionsschwestern helfen Waisenkindern

Ordensschwestern teilen das Leben der Straßenkinder in Kisangani in diesem von Krieg und Vernachlässigung gezeichneten afrikanischen Land. Durch das Zentrum Saint Laurent bieten sie Zuflucht, aber vor allem eine Chance auf Zukunft.

Von Sr. Loreta Beccia SMC – Yaoundé (Kamerun)

Sie sind Waisen und von Gewalterfahrungen gezeichnet – es gibt Kinder in der Demokratischen Republik Kongo, die Zuneigung, Nähe und jemanden brauchen, der ihnen mit einem Blick und einem Lächeln vermitteln kann: „Du bist mir wichtig". Das ist das Ziel des Zentrums Saint Laurent in Kisangani in der DR Kongo: diese Kleinen aufzunehmen und auf einem Weg zu begleiten, der ihnen hilft, mit sich selbst und anderen im Reinen zu sein.

Die Gemeinschaft der Postulantinnen der Comboni-Missionsschwestern, besonders die Spanierin Francisca Sánchez mit langjähriger Missionserfahrung in der DR Kongo und in Togo sowie die Kongolesin Nicole Mboma Enzenze mit Erfahrung in Mosambik, sind immer vor Ort und begleiten die Kinder bei verschiedenen Aktivitäten. Unterstützt werden sie dabei von fünf Postulantinnen aus dem Tschad und direkt aus der Demokratischen Republik Kongo.

Sr. Francisca bei einer Unterrichtsstunde mit den Waisen – Foto: Sr. Francisca Sánchez
Sr. Francisca bei einer Unterrichtsstunde mit den Waisen – Foto: Sr. Francisca Sánchez

Gründung und Organisation

Das Zentrum Saint Lauren wurde am 10. August 1999 von dem Dehonianer-Pater Giovanni Pross als Reaktion auf die Folgen des Krieges gegründet, der Kisangani in den Jahren 1996 und 1997 schwer getroffen hatte. Von Anfang an haben die Comboni-Missionsschwestern dort mitgearbeitet. Das Zentrum ist in verschiedene Bereiche gegliedert: Schule, Erziehung, Hygiene und Gesundheit, Küche, Betreuung und Selbstversorgung. Alle arbeiten zusammen, und jeden Samstag findet ein Treffen mit Freiwilligen und Mitarbeitern statt, um die Arbeit zu organisieren. Die aufgenommenen Kinder sind in drei Gruppen unterteilt (Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene), und jede Gruppe hat einen verantwortlichen Erwachsenen, der Tag und Nacht anwesend ist.

Die Arbeit ist nicht einfach. Die erste Kontaktaufnahme erfordert Geduld und großes Feingefühl, um auf die Bedürfnisse von Kindern einzugehen, die tiefe Traumata erlebt haben, gerade durch das Verlassenwerden. Gleichzeitig ist Strenge erforderlich, um zu verhindern, dass das Fehlen klarer Regeln die pädagogische Arbeit zunichte macht. „Anfangs neigen viele Kinder zu Gewalt und haben Schwierigkeiten, sich an die Regeln zu halten. Daher muss man entschlossen sein, aber gleichzeitig mit Güte vorgehen", erklärt Sr. Nicole, die seit Anfang 2024 im Zentrum arbeitet und für das Materiallager für Kleidung, Schuhe und Schulmaterial verantwortlich ist.

Sr. Francisca arbeitet seit 2021 im Zentrum und kümmert sich um die menschliche und intellektuelle Ausbildung, unter anderem durch das Anschauen von Lehrfilmen. Darüber hinaus betreut sie den liturgischen und musikalischen Bereich und hat einen Chor gegründet, der sich auch als Methode zur Traumabehandlung bewährt hat. Die Geschichte von Paulina ist ein Beispiel dafür: Aufgrund eines schweren Traumas war sie verstummt, doch dank des Chorgesangs begann sie, langsam wieder Töne von sich zu geben, und kann nun ihren Namen buchstabieren. Ein großer Erfolg für alle.

Kinder lernen im Zentrum das Schuhmacherhandwerk von einem Meister – Foto: Sr. Francisca Sánchez
Kinder lernen im Zentrum das Schuhmacherhandwerk von einem Meister – Foto: Sr. Francisca Sánchez

Geschichten von Leben und Neugeburt

Es gibt viele Geschichten unter den aufgenommenen Kindern, die einen tiefen Eindruck hinterlassen. Wie die eines etwa vierjährigen Jungen, der nach einer langen Zeit der Einsamkeit im Wald gefunden wurde, was bei ihm zu schweren Beziehungs- und Kommunikationsschwierigkeiten geführt hatte. Dank der ständigen und liebevollen Zuwendung der Ordensschwestern und Erzieher begann er langsam, Vertrauen zu fassen, zu sprechen und von seinen Erlebnissen zu erzählen. Die Eingliederung in den Kindergarten förderte seine Entwicklung weiter und verwandelte anfangs konfliktreiche Beziehungen in harmonische Bindungen. Sr. Nicole erinnert sich, dass ihre erste Begegnung schwierig war: Nachdem sie ihn zurechtweisen musste, sprach der Junge eine Woche lang nicht mehr mit ihr. Sie war es, die den ersten Schritt machte, und mit einem Lächeln und freundlichen Worten auf ihn zuging. Diese kleinen Gesten der Nähe haben das anfängliche Misstrauen abgebaut, und heute, so erzählt die Schwester, „sind wir beste Freunde: Jedes Mal, wenn er mich kommen sieht, rennt er mir entgegen, um mich zu umarmen und mir alles zu erzählen, was er in der Schule gemacht und gelernt hat."

Auch Sr. Francisca erzählt eine Geschichte, die sie tief geprägt hat: die eines siebenjährigen Mädchens mit einer Fußfehlstellung, das nach Goma gebracht wurde, um operiert zu werden, was glückte. Nach der Rückkehr nach Kisangani, wo sie in einem Familienwohnheim aufgenommen wurde, besuchte es die Schwestern und bat sie, die im Zentrum erlernten handwerklichen Fähigkeiten einsetzen zu dürfen, um der Pflegemutter bei der Bezahlung der Schulgebühren zu helfen. Die Eigeninitiative des Mädchens beeindruckte die Schwestern sehr: Es ist ein konkretes Zeichen dafür, wie sehr ein Weg des Wachstums möglich ist, wenn man sich aufgenommen, gehört und wertgeschätzt fühlt.

Sr. Nicole bei der Mittagsessenausgabe an die kleinen Gäste des Zentrums – Foto: Mboma Enenze Nicole
Sr. Nicole bei der Mittagsessenausgabe an die kleinen Gäste des Zentrums – Foto: Mboma Enenze Nicole

Eine Erfahrung, die verwandelt

Die Postulantinnen leisten wichtige Hilfsdienste in der Bibliothek und bei der schulischen Betreuung. Sie berichten, wie schon der kleinste Fortschritt bei einem Kind, das lesen lernt, einen Tag, der schlecht begonnen hat, zum Guten wenden kann. Manche entdecken, dass es in Momenten der Erschöpfung genügt, auf ein Kind zuzugehen, um neue Energie zu tanken. Alle beschreiben die Bibliothek als einen Ort der Begegnung, an dem die Kinder keine Angst haben, um Hilfe zu bitten, gehört zu werden und tröstende Worte zu finden. Sie kommen zu dem Schluss, dass ihr Gründer, der heilige Daniele Comboni, wenn er heute noch leben würde, auch bei diesen Kindern sein würde. Er hatte nämlich eine besondere Vorliebe für die Kleinen, für die Verlassenen, für die Letzten der Geschichte. Denn jedes Kind, das heute aufgenommen wird, ist eine Chance auf Frieden morgen.

#sistersproject

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10. April 2026, 14:52