Pöttering: „Die europäische Einigung ist ein Werk der Versöhnung und des Friedens”
Christine Seuss - Vatikanstadt
„Die Persönlichkeit von Papst Leo hat mich sehr beeindruckt. Einmal sehr als Mensch, aber auch im Hinblick auf seine Äußerungen. Und ich glaube, dass wir mit ihm einen Papst haben, der eine starke Botschaft hat für die Welt, nicht nur für die Katholiken, sondern für die Welt, nämlich dass der Mensch im Mittelpunkt steht. Und das ist sehr, sehr überzeugend“, berichtete uns Hans-Gert Pöttering im Anschluss an die Begegnung sichtlich begeistert. An der Ansprache des Papstes habe ihm am meisten gefallen, dass er dabei Themen angesprochen habe, die „auch in der Privataudienz eine Rolle spielten“, so der Politik-Veteran weiter.
Vorbilder für den eigenen Einsatz
„Und dass er die Namen Robert Schuman, Alcide De Gasperi und Konrad Adenauer erwähnt hat, die Gründerväter der Europäischen Union. Auch, dass er das Beispiel dieser Persönlichkeiten als Herausforderung, als etwas, was uns auch für die Zukunft Mut geben soll, dargestellt hat. Denn auch heute stehen wir in der europäischen Einigung vor großen Herausforderungen. Und dieses Commitment, diese eigene Verpflichtung des Heiligen Vaters zur europäischen Einigung, hat mich nicht nur beeindruckt, sondern natürlich auch als ehemaligem Europaabgeordneten sehr gefreut.“
Sowohl für Robert Schuman als auch Alcide De Gasperi laufen Seligsprechungsverfahren, erst jüngst wurde die diözesane Phase des Seligsprechungsprozesses für De Gasperi abgeschlossen. Für Robert Schuman wurde 2021 der heroische Tugendgrad bestätigt, eine wichtige Vorstufe auf dem Weg zur Ehre der Altäre.
Rolle der Kirche
Die Kirche könne für das europäische Einigungsprojekt jedenfalls sicher weiterhin eine wichtige Rolle spielen, so der ehemalige EU-Politiker.
„Die europäische Einigung ist ein Werk der Versöhnung und des Friedens. Die Europäische Union wurde nicht, wie der amerikanische Präsident glaubt, in Konkurrenz zu den Vereinigten Staaten geschaffen. Das ist ein absoluter Unsinn. Und ich glaube, dass die katholische Kirche dazu beitragen kann, den Versöhnungscharakter und den Friedensgedanken, den Freiheitsgedanken der europäischen Einigung zu unterstreichen und damit den Menschen auch die europäische Einigung näher zu bringen. Es ist mein sehr starker Eindruck, dass Papst Leo XIV. dies auch tun wird. Das hat er durch seine Worte gesagt und auch durch das Beispiel, das er uns allen gibt.“
Verpflichtung zur Europäischen Einigung als Friedens- und Freiheitswerk
Er selbst habe mit dem heutigen Tag schon vier Päpste erlebt, angefangen mit Johannes Paul II. bis hin zu Papst Leo XIV., plaudert der 80-jährige EU-Veteran weiter. Alle Kirchenoberhäupter hätten „auf ihre sehr unterschiedliche Weise“ stets das Bekenntnis zum Menschen betont und die europäische Einigung unterstützt, würdigt Pöttering.
„Johannes Paul II. war ja die große Gestalt im Wandel des Kommunismus. Seine Rolle kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Benedikt XVI. hat es schon durch die Namensgebung zum Ausdruck gebracht, dass er für die europäische Einigung ist - Benedikt von Nursia ist ja einer der europäischen Heiligen. Papst Franziskus hat eine Sonderausgabe des Karlspreises bekommen, ich war damals dabei, auch Johannes Paul II. hatte ihn bekommen. Und nun das Commitment auch von Papst Leo XIV. zur europäischen Einigung zeigt doch, unabhängig davon, wer gerade Papst ist, die Verpflichtung zur europäischen Einigung als ein Friedenswerk und als ein Freiheitswerk. Und darüber bin ich als ehemaliger Politiker und auch als Mensch, als Christ wirklich glücklich.“
(vatican news)
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