Vom Bergmann zum ehrenamtlichen Beerdigungsleiter
Ann-Christin Ladermann* und Stefanie Stahlhofen - Duisburg-Walsum/Vatikanstadt
Jahrzehntelang arbeitete Wolfgang Traud im Steinkohlenbergbau, später übernahm er Führungsverantwortung und wurde schließlich Bergwerksdirektor. Heute begleitet der Duisburger Menschen auf ihrem letzten Weg: Ehrenamtlich leitet er Beerdigungen in seiner Gemeinde. Über seinen Lebensweg und seine Sicht auf das Thema Arbeit spricht er in „kannste glauben“, dem Podcast des Bistums Münster, zum 1. Mai, dem „Tag der Arbeit“:
„Ob Führungskraft oder Arbeiter an irgendeiner Stelle, jeder guckt auf den anderen. Das ist vielleicht was Besonderes in der Situation unter Tage. Arbeit bedeutet auch so was wie Freiheit und Sicherheit: Lohn und Gehalt spielen eine Rolle, und das ist, glaube ich ganz wichtig, da dann auch noch mal innezuhalten und an die Dinge zu denken und zu erinnern: Wenn man dann nach der Schicht, erfüllt von der Arbeit vielleicht, wieder ans Tageslicht kommt, ist das ein besonderer Moment, wenn man aus dem Dunklen herausfährt ins Helle."
Was gute Arbeit ausmacht
Die Arbeit unter Tage sei eine ganz eigene Welt gewesen, erzählt Traud. Dunkelheit, Hitze und lange Schichten gehörten zum Alltag. Doch entscheidend sei etwas anderes gewesen: der Zusammenhalt. „Bergmannsarbeit ist Teamarbeit – keiner arbeitet allein“. Im Laufe der Jahre wuchs die Verantwortung. Als Führungskraft und später als Direktor musste Traud Entscheidungen treffen und für viele Menschen Verantwortung übernehmen. Gute Arbeit bedeutet für ihn mehr als nur Leistung. „Ich muss zufrieden sein – ich muss ein gutes Gefühl haben bei dem, was ich tue“, sagt er.
Neue Aufgabe: ehrenamtlicher Beerdigungsleiter
Nach dem Ende seines Berufslebens ergab sich eine neue Aufgabe. Ein Pfarrer fragte ihn, ob er sich vorstellen könne, ehrenamtlich Beerdigungen zu begleiten. Zunächst zögerte er, doch dann sagte er zu. Heute begleitet er Angehörige in einer der schwersten Phasen ihres Lebens.
Dabei geht es für ihn vor allem um Vertrauen. „Die Menschen vertrauen darauf, dass ich eine Begleitung übernehme, die ihnen Trost spendet“, sagt Traud. Zuhören sei dabei eine der wichtigsten Fähigkeiten. „Mit einem hörenden Herz den Menschen zuzuhören – das ist ja auch schon Glaube.“
* Ann-Christin Ladermann ist Moderatorin des Podcasts „kannste glauben“ des Bistums Münster. Die ganze Folge hier. Redaktionelle Bearbeitung für Radio Vatikan: Stefanie Stahlhofen
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