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Die Delegation aus Berlin gemeinsam mit Kardinal Parolin und Erzbischof Koch Die Delegation aus Berlin gemeinsam mit Kardinal Parolin und Erzbischof Koch 

Vatikan: Kardinalstaatssekretär segnet Duschmobile aus Berlin

Seit 125 Jahren kümmern sich Katholikinnen in Berlin organisiert um Bedürftige und Obdachlose. Nun hat eine Gruppe des Sozialdienstes katholischer Frauen Berlin gemeinsam mit ihrem Erzbischof Heiner Koch zwei Duschmobile sogar nach Rom gebracht: Im Vatikan segnete Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin am Mittwoch diese konkreten Zeugnisse katholischer Nächstenliebe.

 

Nele Maesmanns - Vatikanstadt

Ein ungewohnter Anblick im stattlichen Belvedere-Hof im Vatikan: Dort standen an diesem geradezu sommerlichen Nachmittag im Mai zwei moderne Camper, umgebaut zu Duschmobilen. Eine Gruppe des Sozialdienstes katholischer Frauen e.V. (SkF) aus Berlin ist mit diesen beiden Fürsorge-Fahrzeugen den ganzen Weg nach Rom gefahren. Am Mittwoch, dem 20. Mai, besuchte die Gruppe zunächst die Audienz von Papst Leo XIV. auf dem Petersplatz, und am Nachmittag wurden die Duschmobile von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin – dem zweiten Mann im Vatikan nach dem Papst – gesegnet.

Sichtbarkeit erreichen  

Wohnungslosen Menschen, vor allem Frauen und Jugendlichen, nachhaltig zu helfen, ist ein großes Anliegen des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) Berlin. Dazu gehört es auch, das Thema Obdachlosigkeit mehr ins Bewusstsein zu rücken. Aus diesem Grund wurden die mobilen Duschen auf eine besondere Pilgerfahrt geschickt.

Hier zum Hören:

Die Idee entstand schon vor fünf Jahren, in Berlin. Damals besuchte Erzbischof Heiner Koch gemeinsam mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin den SkF Berlin direkt beim Einsatz am Duschmobil. Mit dem 125. Jubiläum wurde der Besuch in Rom dann Wirklichkeit. Die Reise steht unter dem Motto #roadtorome4home.

Die Route begann für die Gruppe am 15. Mai in Berlin und führte über mehrere Zwischenstopps in den Süden. Halt gemacht wurde beim Katholikentag in Würzburg, auch in Nürnberg und München informierten die Berlinerinnen mit und in den Duschmobilen über ihre Arbeit zugunsten wohnungsloser Frauen und Jugendlicher. „Wir wollen überhaupt erstmal Aufmerksamkeit schaffen für die Unterstützung von obdachlosen Menschen, Mitmenschlichkeit erwecken und auch Spendenbereitschaft fördern. Wir müssen alle zusammen anpacken, um perspektivisch diese Probleme zu lösen“, erzählte uns Rebecca Aust am Rand der Segnung. Sie ist Sozialarbeiterin und Projektkoordinatorin für das Duschmobil der Frauen.

Wie sagt man nochmal „Duschmobil“ auf Italienisch...? Erzbischof Koch informiert Papst Leo
Wie sagt man nochmal „Duschmobil“ auf Italienisch...? Erzbischof Koch informiert Papst Leo

Segnung durch Kardinalstaatssekretär Parolin

Bei der Mittwochs-Generalaudienz mit Papst Leo XIV. wurde die Gruppe namentlich begrüßt, und kurz darauf konnte Erzbischof Koch den Papst direkt über die Aktion ins Bild setzen. Nachmittags durften die Duschmobile dann mit Sondergenehmigung auf dem Belvedere-Hof im Vatikan einfahren. Dort erfolgte die gemeinsame Segnung durch Erzbischof  Koch und Kardinalstaatssekretär Parolin. „Segne diese mobile Dusche und segne die Menschen in Not, denen dieses Angebot zugutekommt", sagte Parolin, „und segne auch diese deine Söhne und Töchter, die sich für den Dienst an ihren Mitmenschen einsetzen."

Gespräch am Rand der Segensfeier der Duschmobile
Gespräch am Rand der Segensfeier der Duschmobile

„Einfach zu merken, wir werden gesehen, wir werden unterstützt und wir werden auch spirituell unterstützt“

Der Kardinalstaatssekretär ging auch darauf ein, dass die beiden umgebauten Camper speziell für Jugendliche und Frauen bestimmt sind: „Neben der Möglichkeit zur Körperpflege stellen sie für kurze Zeit einen geschützten Raum für diese Menschen dar“, äußerte Parolin wertschätzend. Für Rebecca Aust war die Segnung ein tolles Zeichen: „Einfach zu merken, wir werden gesehen, wir werden unterstützt und wir werden auch spirituell unterstützt. Es geht ein großes Signal aus dieser großen Community hinaus in die Welt, aber auch zu uns und unserer Zielgruppe.“

Unmittelbare Unterstützung  

Es gibt insgesamt zwei Duschmobile des SkF, die seit 2019, beziehungsweise 2025 im Einsatz sind. „Es ist schon ein sehr spezielles Projekt. Wir waren das erste [Hygienemobil] überhaupt in Deutschland. Beide Projekte sind relativ klein, haben wenige Mitarbeiterinnen“, erzählt die Sozialarbeiterin weiter. Das Projekt steht für eine aufsuchende, niedrigschwellige Sozialarbeit mit unmittelbarer Unterstützung. Das Duschmobil für Frauen läuft unter der Offenen Sozialarbeit, während die sogenannte „Seifenbüchse " ein Angebot der Jugendhilfe des Vereins ist.

Frauen und Jugendliche sind, wie Rebecca Aust sagt, „Personengruppen auf der Straße, die besonders vulnerabel sind. Die wenig Gehör finden - weniger Raum haben. Viele Frauen trauen sich nicht in die hauptsächlich von Männern genutzten Einrichtungen. Sie haben Angst, haben teilweise schlechte Erfahrungen gemacht mit Männern unter Drogeneinfluss oder mit schlechter Impulskontrolle, von denen sie belästigt wurden, bis hin zu den schlimmsten Erfahrungen.“

Duschmobile der SkF im Belvedere-Hof
Duschmobile der SkF im Belvedere-Hof

Der Kardinalstaatsekretär besichtigte nach der Segnung auch das neuere Duschmobil „Seifenbüchse" für Jugendliche von innen, das er noch nicht kannte. Jeannine Hennicke, Sozialpädagogin in der „Seifenbüchse", beschreibt, was sie nach der Rom-Reise mit nach Deutschland nimmt: „Dass wir schon ein Stück weit Rückenwind mitbekommen haben und auf jeden Fall mehr Sichtbarkeit. Wir sind ja das jüngere Projekt, wir stecken noch in den Kinderschuhen. Und die Kraft und Energie aus Rom können wir jetzt mit nach Hause nehmen.“

Unverzichtbare kirchliche Sozialarbeit  

Der Sozialdienst katholischer Frauen e. V. Berlin (SkF) ist ein Frauenverein, der Kinder, Jugendliche, Frauen und Familien in Notsituationen und in besonderen Lebenslagen unterstützt. In Berlin engagieren sich mehr als 400 ehrenamtliche und hauptberufliche Mitarbeitende für dieses Anliegen. Sie gelten als unverzichtbarer Bestandteil der kirchlichen Sozialarbeit und als selbstständiger und kritisch-konstruktiver Frauenfachverband innerhalb des Caritasverbandes der Erzdiözese Berlin.

Im Jahr 1901 gründeten die Joseph-Schwestern den Fürsorgeverein für Frauen, Mädchen und Kinder in Berlin. 1924 schloss sich daran der Katholische Fürsorgeverein für Mädchen, Frauen und Kinder an, der seitdem deutschlandweit aktiv ist.

(vatican news)

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21. Mai 2026, 13:01