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Bischof Wilmer mit dem Sprecher der Bischofskonferenz, Matthias Kopp, am Vatican Media Stand in Würzburg Bischof Wilmer mit dem Sprecher der Bischofskonferenz, Matthias Kopp, am Vatican Media Stand in Würzburg 

Katholikentag: „Die erste Priorität sind für mich die Menschen“

Bischof Heiner Wilmer von Hildesheim, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, spricht über seinen Wechsel zum Bistum Münster im Juni, über die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen - und wie die Rolle der Kirche dabei aussehen könnte.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, hat bereits „intensive Kontakte nach Rom“. Das sagte er am Samstag in einem Interview am Vatican-Media-Stand auf dem Würzburger Katholikentag. Er habe mit dem Papst und mehreren Kardinälen „über unsere Kirche, über den Synodalen Weg, und wie wir gut weiterkommen“, gesprochen. Wörtlich sagte der künftige Bischof von Münster: „Wir brauchen keine Angst vor Transformationen zu haben.“ Gleichzeitig lebe die Kirche in Deutschland „in dynamischer Treue“ zum Evangelium, „auch in Verbindung mit der Weltkirche“.

Auf dem Katholikentag
Auf dem Katholikentag   (ANSA)

Interview

Sie sind seit Februar Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, im Juni werden Sie als neuer Bischof von Münster eingeführt. Wo sehen Sie gerade Ihre Prioritäten und wie haben Sie sich sortiert?

Bischof Wilmer: Ich sortiere mich im Moment damit, tief durchzuatmen. Ich habe wunderbare Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Team in Hildesheim, im Sekretariat in Bonn, in der Bischofskonferenz und im Katholischen Büro in Berlin. Wir halten jetzt die Kalender übereinander, auch schon mit Münster. Allerdings sehe ich mich schon nach wie vor als Bischof von Hildesheim und will dort meine Arbeit bis Ende Juni ordentlich machen. Und jetzt geht es darum: was ist wichtig, was steht an, was muss ich lassen... Und wo andere übernehmen können, damit es für alle ein guter Übergang wird.

Auf dem Katholikentag: Radio Vatikan interviewt Bischof Heiner Wilmer

Haben Sie denn ganz konkrete Prioritäten, die Sie jetzt trotz der terminlichen Schwierigkeiten voranbringen wollen?

Bischof Wilmer: Die ersten Prioritäten sind für mich die Menschen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Menschen im Bistum. Die Menschen liegen mir am Herzen, viel mehr als alles andere - und ich versuche noch so viele wie möglich zu treffen. Es wird in Hildesheim einen Abschied geben, eine heilige Messe im Dom und anschließend einen Empfang. Ich habe Wert darauf gelegt, dass auch wirklich alle eingeladen worden sind, alle. Es gibt kein überreiches Essen, aber genug für alle. Und ich freue mich auf das Wiedersehen in diesem Bistum Hildesheim, das ja so großflächig ist, das ist für mich eine Priorität.

Bischof Wilmer am Stand der Vatikanmedien über den Katholikentag in Würzburg

Und mit Blick auf Münster: Am 21. Juni ist die Einführung dort. Ich werde fünf Tage vorher pilgern, dezentral, unter fünf Themen, um auch von Anfang an gut ins Bistum hineinzukommen. Damit möchte ich zeigen, dass ich zu und bei den Menschen sein will, auch bei den unterschiedlichen Gruppen.

 

  (ANSA)

„Ich möchte, dass für alle klar ist, dass unsere Kirche immer eine Kirche im Wandel ist“


Sie gelten in gewissen Sinn als Vermittler - in der deutschen Kirche, aber auch gegenüber Rom. Gab es schon Kontakte nach Rom, konnten Sie sich auf Themen einigen?


Bischof Wilmer: Es gab schon intensive Kontakte nach Rom. Denn unmittelbar nach meiner Wahl war ich dort, am Anfang der Karwoche. Dort habe ich den Heiligen Vater getroffen und habe in dem Umfeld am Montag und Dienstag der Karwoche noch acht Kardinäle, die als Präfekten Dikasterien leiten, getroffen, um mit ihnen über die Situation in Deutschland zu sprechen - auch über unsere Kirche, über den Synodalen Weg und wie wir gut gemeinsam weiterkommen, auch mit Blick auf die Weltsynode.

Wo möchten Sie, in Zusammenarbeit mit Rom, dass die Kirche in Deutschland hingeht?

Bischof Wilmer: Ich möchte auf jeden Fall, dass für alle klar ist, dass unsere Kirche immer eine Kirche im Wandel ist. Eine Kirche, die versucht, den Geist der Zeit zu erkennen, und das schon seit 2.000 Jahren. Das ist keine neue Sache. Insofern brauchen wir keine Angst vor Transformationen zu haben. Gleichzeitig leben wir in dynamischer Treue unser Charisma, das Evangelium, und sind gewillt, mit Energie und auch in Verbindung mit der Weltkirche nach guten Wegen zu suchen, so dass es für uns alle ein guter Weg wird. In aller Bescheidenheit und in aller Frische!

 

Bischof Wilmer mit Christine Seuss
Bischof Wilmer mit Christine Seuss

„Bei den gesellschaftlichen Fragen sollten wir als Kirche Anwältin der Menschen bleiben“

 

Sie sind in der Deutschen Bischofskonferenz zuständig für gesellschaftliche und soziale Fragen. Wo kann die Kirche bei den Herausforderungen konkret helfen?

Bischof Wilmer: Bei den gesellschaftlichen Fragen glaube ich, dass es sehr wichtig ist, dass wir als Kirche Anwältin der Menschen bleiben. Dass wir ein gutes Ohr haben, dass wir das Ohr an und bei den Menschen haben. Beispielweise bei allen, die prekär leben. Bei Menschen, die sich schwertun, in den Beruf zu kommen, bei jungen Menschen. Das wird für uns zunehmend eine Herausforderung in Deutschland. Als weiteren Hauptschwerpunkt der katholischen Kirche und der Kirchen in Deutschland sehe ich auch Kinderarmut. Vor kurzem habe ich die neuesten Zahlen gelesen und finde das schrecklich und bedenklich, dass in so einem Wohlstandsland so viele junge Menschen unterhalb der Armutsgrenze leben.

Sie haben in Ihrem Vortrag zum Auftakt des Katholikentags vor Spaltungen in Europa, in Deutschland gewarnt. Wie sehen Sie hier die Rolle der Kirche, und wo kann die Kirche zusammenführen, Spaltungen kitten?

Bischof Wilmer: Für mich ist die Kirche Anwältin, und das muss ich auch sein, von ihrem Charisma und ihrem Auftrag her. Eine Anwältin, um Brücken zu bauen. Die Welt ist so komplex und wir sind eher in Zentrifugalkräften unterwegs. Wir verlieren uns so schnell - auch in unseren menschlichen Beziehungen, die manchmal prekär sind. Und es ist gar nicht so leicht, wieder zusammenzukommen. Ich sehe unsere maßgebliche Aufgabe darin, beieinanderzubleiben, wie in einer sehr großen Familie mit unterschiedlichen Vorlieben, Geschmäckern, Traditionen, vielleicht auch Einstellungen zum Leben, auch zu persönlichen, intimen Sachen. Aber so, dass wir sagen können: Wir gehören alle zusammen, alle sind willkommen, und jeder und jede ist ein geliebtes Kind Gottes.

„Ich erwarte mir von diesem Katholikentag, dass wir in der bundesrepublikanischen Gesellschaft den Mut haben, den Rücken gerade zu machen, gerade dann, wenn Menschen bedrängt sind und in Not“

Was sollte denn von diesem 104. Katholikentag in Würzburg jetzt in die Kirche, in die Gesellschaft gehen, und was nehmen Sie persönlich mit?

Bischof Wilmer: Der Katholikentag in Würzburg hat das Thema Hab Mut. Steh auf! Zunächst habe ich einmal ein ganz, ganz großes Dankeschön an alle, die für die Veranstaltung zuständig waren, die Sorge dafür tragen, dass Menschen so gastfreundlich aufgenommen worden sind. Es ist großartig, hier zu sein! Die Atmosphäre ist wunderbar, die Stimmung ist klasse, trotz Regen. Die Leute sind wie in einem großen Familientreffen unterwegs.

Ich erwarte mir von diesem Katholikentag, dass wir in der bundesrepublikanischen Gesellschaft den Mut haben, den Rücken gerade zu machen, gerade dann, wenn Menschen bedrängt sind und in Not. Dass wir ein gastfreundliches Land bleiben. Und ich erwarte mir, dass wir als Kirche immer dann die prophetische Stimme erheben, wenn Ungerechtigkeit am Platz ist. Dass wir prophetisch sind, um Missstände anzuprangern, und dass wir im Namen Gottes unterwegs sind, auf dass die Menschen spirituelle Menschen sind, dass sie eine Tiefe haben, eine Erdung und eine Verwurzelung im Höchsten, und auf die Überraschungen des Heiligen Geistes vertrauen.

Mit Bischof Wilmer sprach Christine Seuss.

(vatican news) 

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16. Mai 2026, 13:35