KFBÖ zur Enzyklika: Einladung zur Mitgestaltung annehmen
„Wir sind keine Zuschauerinnen in diesem Prozess. Wir sind Gestalterinnen", betonte die kfbö-Vorsitzende Angelika Ritter-Grepl. Besonders hob die Katholische Frauenbewegung die Auffassung des Papstes hervor, dass die Gestaltung von KI nicht als „Entscheidung von Wenigen, sondern als Aufgabe der gesamten Menschheit" verstanden werden müsse. Dies sei eine ausdrückliche Einladung zur Mitverantwortung. Man wolle „unsere Perspektiven, unsere Erfahrungen und unser christlich-feministisches Erbe in diese Verantwortung einbringen", so die kfbö. Ziel sei das in der Enzyklika als „Stadt Gottes" beschriebene Zukunftsbild einer Gesellschaft, „in der soziale Gerechtigkeit und geschlechterbezogene Gerechtigkeit keine Forderung mehr sind, weil sie Wirklichkeit sind".
Risiken algorithmischer Diskriminierung
Die Warnung der Enzyklika vor ideologisch geprägten KI-Systemen verdiene „eine präzisere Benennung: Algorithmischer Bias ist keine abstrakte ideologische Schieflage. Er ist konkret und er ist oft sexistisch und rassistisch", erklärte die kfbö. Trainingsdaten würden bestehende gesellschaftliche Ungleichheiten reproduzieren und damit strukturelle Benachteiligungen fortschreiben. Was im Code als „neutral" erscheine, trage häufig „die Handschrift überwiegend weißer, männlicher Entwicklungsteams und schreibt strukturelle Benachteiligungen fort, anstatt sie zu überwinden".
Frauen auf allen Ebenen auch in Tech-Welt integrieren
Die Daten, mit denen KI operiert, spiegelten somit „jene Machtverhältnisse wider, unter denen sie erhoben, selektiert und interpretiert wurden". Deshalb müssten Frauen „auf allen Ebenen in diese Tech-Welt integriert werden und mitentscheiden". Eine menschenrechtsbasierte KI-Entwicklung müsse feministische Datenkritik „nicht als nachträgliche Ergänzung, sondern als Grundbedingung" verstehen. Für die kfbö sei klar: „Wir gestalten. Wir haben immer gestaltet. Und wir nehmen die Einladung dieser Enzyklika an."
Ritter-Grepl bezeichnete es zudem als besonders bedeutend, dass Papst Leo XIV. sein Schreiben mit dem Magnifikat abgeschlossen habe, und somit „mit der prophetischen Stimme Marias, die Gerechtigkeit nicht als frommen Wunsch, sondern als Wirklichkeit Gottes singt: Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen." Bei dieser Stimme handle es sich nicht um einen „Frömmigkeitszusatz", sondern vielmehr um ein „Strukturelement der kirchlichen Soziallehre. Wir nehmen sie beim Wort."
(kap - sst)
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