Tag für Pressefreiheit: Gegen den zunehmenden Druck
Das katholische Hilfswerk missio Aachen verwies zum Internationalen Tag für Pressefreiheit am 3. Mai auf den Zusammenhang von Religionsfreiheit und einer freien Presse. Christliche Journalistinnen, Journalisten und Medien gerieten in vielen Ländern unter Druck, wenn sie über den Glauben, die Situation religiöser Minderheiten oder Verletzungen der Religionsfreiheit und anderer Menschenrechte berichteten, so missio in einer Aussendung.
Religionsfreiheit und Pressefreiheit hängen zusammen
„Pressefreiheit und Religionsfreiheit gehören untrennbar zusammen. Wo Menschen nicht frei ihren Glauben leben und darüber sprechen können, steht es auch um die Pressefreiheit schlecht“, erinnerte Pfarrer Dirk Bingener, der Präsident von missio Aachen. „Christliche Journalistinnen und Journalisten zahlen heute in vielen Ländern für ihre Arbeit einen hohen Preis.“ Die Einschränkungen reichten von Zensur und Einschüchterung über gesellschaftliche Gewalt bis hin zu Haft, Berufsverboten und der Schließung kirchlicher Medien.
„Wer christliche Medien und Journalisten mundtot macht und Pressefreiheit aus religiösen Gründen einschränkt, trifft nicht nur eine bestimmte Religionsgemeinschaft. Er greift letztlich die gesamte Gesellschaft an“, so Bingener. Das Hilfswerk rief dazu auf, Verletzungen der Pressefreiheit christlicher Medien und Medienschaffender als solche öffentlich zu benennen und bedrohte Journalistinnen und Journalisten besser zu schützen. „Pressefreiheit darf nicht allein säkular verstanden werden. Sie gilt auch für kirchliche und religiöse Stimmen.“
Demokratie braucht eine freie Presse
Der Vorsitzende der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, verwies anlässlich des Motto-Tages auf den Zusammenhang zwischen freiem Journalismus und Demokratie. „Der Welttag der Pressefreiheit macht deutlich: Freie und unabhängige Berichterstattung ist unverzichtbar für unsere Demokratie. Journalistinnen und Journalisten decken Missstände auf, ordnen Entwicklungen ein und schaffen die Grundlage für öffentliche Meinungsbildung.“
Auch Marx verwies auf die Bedrohung von Medienschaffenden weltweit, viele riskierten ihr Leben und lebten in Ländern, wo freie und kritische Berichterstattung gezielt unterdrückt werde. Die Enzwicklungen der letzten Jahre zeigten eine Verschlechterung der Lage, so Marx, auch im Kontext von Kriegen und bewaffneten Konflikten. Doch auch in demokratischen Gesellschaften gerate die Pressefreiheit unter Druck – „oft weniger sichtbar, aber nicht weniger wirksam“ – etwa durch politische Einflussnahme, wirtschaftliche Abhängigkeiten und technologische Herausforderungen.
Digitale Transformation: neue Gefahren und Verantwortungen
Im Zusammenhang mit der digitalen Transformation wandte sich Marx an Unternehmen, die digitale Plattformen betreiben. Diese seien zu zentralen Vermittlerinnen von Informationen geworden und beeinflussten maßgeblich, welche Themen präsent seien. „Damit wächst auch die Verantwortung der dahinterstehenden Unternehmen, wirksam gegen Desinformation, manipulative Verkürzungen und Hassrede vorzugehen und zugleich Transparenz über ihre Entscheidungen herzustellen“, so Kardinal Marx, der die wachsende Konzentration von Macht im Digitalen als „drängendes Problem“ bezeichnete. „Ein Großteil der globalen Informationskanäle und Plattformen befindet sich im Besitz weniger globaler Akteure.“ Diese Entwicklung stellten eine ernsthafte Herausforderung für Meinungsvielfalt und freie Meinungsbildung dar.
KI braucht Kontrolle und Unterscheidungsvermögen
Mit Blick auf die rasanten Fortschritte im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) verwies der Kardinal auf die Gefahr des Missbrauchs von KI etwa für politisch motivierte Desinformationskampagnen. Die Dynamik und die Masse von Informationen ließen einem gründlich arbeitenden Qualitätsjournalismus kaum Zeit, kursierende Inhalte zu prüfen und einzuordnen, und erschwerten das Unterscheiden von verlässlichen und manipulierten Inhalten. Technologische Entwicklungen bräuchten „Regeln und verantwortliche Gestaltung, und Menschen müssen zu einem souveränen Umgang mit ihnen befähigt werden“, so der Kardinal.
Pressefreiheit dient dem Weltgemeinwohl
Die Bedeutung einer freien und vielfältigen Presse- und Medienlandschaft müsse vor diesem Hintergrund immer wieder betont werden, so Marx. „Denn sie ist eine zentrale Voraussetzung für individuelle Meinungsfreiheit ebenso wie für das Funktionieren demokratischer Prozesse.“ Eine freie und unabhängige Presse diene dem Weltgemeinwohl und wurzele im christlichen Menschenbild – deshalb sei auch der Einsatz der katholischen Kirche für die Pressefreiheit „nicht nur geboten, sondern geradezu unerlässlich“. Marx dankte allen Journalistinnen und Journalisten weltweit.
„Ihr Einsatz für Wahrheit, Transparenz und öffentliche Verantwortung ist unverzichtbar! Eine freie Presse ist kein Gegenüber, das es zu fürchten gilt, sondern ein notwendiger Bestandteil einer demokratischen Gesellschaft.“
(pm - pr)
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