Suche

Heilige Messe - Pfingsten 2025 Heilige Messe - Pfingsten 2025  (@Vatican Media)

Unser Sonntag: Softskills für den Alltag

Das heutige Evangelium, so Gabriele Rohardt-Bellè, lädt uns ein, die Sendung des Heiligen Geistes neu zu betrachten: als Gabe des Friedens, als Kraft zur Sendung und als sogenannte Softskills für unser Leben im Alltag. Lassen wir uns darauf ein, dem Wirken des Geistes Raum zu geben. Frohe Pfingsten!

Gabriele Rohardt-Bellè, Verona

Pfingstsonntag – 24. Mai
Evangelium Joh 20, 19–23

Liebe Hörerinnen und Hörer…
Frohe Pfingsten!
Mit dem heutigen Fest schließt die Kirche die Osterzeit ab und feiert die Ausgießung des Heiligen Geistes. Bevor wir aber das Johannesevangelium näher betrachten, möchte ich kurz auf die Etymologie des Wortes „Pfingsten“ und die Geschichte dieses Festes eingehen. Ich glaube wir alle haben des Öfteren feststellen müssen, dass die Leute grundsätzlich nicht wissen, was das Wort „Pfingsten“ tatsächlich bedeutet. Man feiert zwar „Pfingsten“ und man hat auch „Pfingstferien“, aber das war’s dann auch schon. Hier in Italien ist es etwas leichter, weil das dem Italienischen zugrundeliegende Latein das Wort aus dem Griechischen übernommen hat, darum heißt der heutige Tag hier „Pentecoste“ – eigentlich eine griechische Ordinalzahl, übersetzt: „der fünfzigste“, gemeint ist natürlich der fünfzigste Tag der Osterzeit bzw. der 49. nach Ostersonntag.

Hier zum Nachhören

Die Bezeichnung war im Deutschen ursprünglich ein Dativ Plural „an den Pfingsten“, dann Nominativ Plural „die Pfingsten“, schließlich Nominativ Singular „das Pfingsten“ , das Wort, das wir heute benutzen. In der Schweiz ist weiterhin „die Pfingsten“ als Plural üblich. Soweit der Sprachgebrauch.

Das Pfingstwunder in der Apostelgeschichte

Wenn wir nun die Lesungen des heutigen Festes betrachten, beeindruckt uns die Erzählung aus der Apostelgeschichte doch ein bisschen mehr als das Evangelium selbst. Dort wird von hefigem Sturm, von Brausen und Getöse, von Zungen wie Feuer und von wunderhaften Sprachkenntnissen der Apostel gesprochen. Der Fachterminus für das Geschehen heißt somit „Pfingstwunder“. Auch die Zeitangabe in der Apostelgeschichte ist präzise: Als der Tag des Pfingstfestes gekommen war. Dazu sollten wir wissen, dass es im hellenistischen Judentum, das vorwiegend Griechisch sprach, schon ein „Pfingstfest“ – Pentekoste – gab: es war ein Wochenfest, eine Art „Erntedankfest“, und zwar genau 50 Tage nach dem Fest der ungesäuerten Brote, zu dem die Jünger nach dem Tod Jesu nach Jerusalem zurückgekehrt waren; und eben auf dieses jüdische Fest bezieht sich die Apostelgeschichte.

Der Heilige Geist im Johannesevangelium

Im Johannesevangelium dagegen geht alles viel unspektakulärer zu: Sturm und Getöse sind hier nur ein „göttlicher Hauch“ und der Zeitpunkt ist noch am selben Abend des Ostertages, also sofort nach der Auferstehung des Herrn. Aus diesem Grund wurde Pfingsten in den ersten Jahrhunderten der Kirche nicht als eigenes Fest gefeiert, denn nach dem Zeugnis des Neuen Testaments war und ist Geistsendung ein Aspekt von Ostern . Erst um das Jahr 400 setzte sich dann allgemein durch, den 50. Tag der Osterzeit als Fest der Geistausgießung zu begehen.
Für uns ist wichtig zu wissen, dass es sich zwar um zwei unterschiedliche Momente der Geistaussendung handelt – eine in der Apostelgeschichte, der andere im Johannesevangelium –, dass der Geist Gottes aber immer derselbe ist.

Zwei Bilder – ein Geist

Bei Johannes steht der Hauch für eine intime, persönliche Neuschöpfung, ähnlich wie Gott dem Adam den Lebensodem eingehaucht hat; in der Apostelgeschichte stehen Sturm und Feuer für die kraftvolle, sichtbare Aussendung der Apostel in die Welt, also die Initialzündung, die Geburt der Kirche. Das neutestamentliche Sprachenwunder steht hier übrigens in enger Verbindung mit der alttestamentlichen Sprachverwirrung beim Turmbau zu Babel (Gen 11,1-9).

Papst Leo XIV. sagte letztes Jahr in seiner Pfingstpredigt: „An Pfingsten sprechen die Apostel die Sprachen derer, denen sie begegnen, und das babylonische Gewirr wird endlich durch die vom Geist geschaffene Harmonie überwunden. Wenn der göttliche Hauch unsere Herzen vereint und uns im anderen das Antlitz eines Bruders erblicken lässt, werden Unterschiede nicht zu Anlass für Spaltung und Konflikt, sondern zu einem gemeinsamen Erbe, aus dem wir alle schöpfen können und das uns alle miteinander auf den Weg der Geschwisterlichkeit führt.“
Und wieder einmal erkennen wir: Wo der Herr nahe ist, weicht das Chaos, und Harmonie und Ordnung kehren ein.

Die Jünger hinter verschlossenen Türen

Zurück zum heutige Evangelium: der Text bietet uns zwar eine genaue Zeitangabe „am Abend dieses ersten Tages der Woche“, so lautet der Bibeltext, aber keine klare Ortsangabe. Die Atmosphäre, in der sich die Jünger befinden ist von Lähmung und Beklommenheit gekennzeichnet. Die Jünger hatten »aus Furcht« (V. 19) ihre Türen verschlossen. Der Tod Jesu hatte ihnen jegliche Hoffnung genommen und so boten sie ein jämmerliches Bild existentieller Angst vor Verfolgung und Tod. Sicherlich zurecht nach der brutalen Hinrichtung ihres Meisters. Wie gut können wir dieses rein menschliche Verhalten verstehen!

„Papst Franziskus: Wie oft schließen auch wir uns in uns selbst ein?“

Papst Franziskus sagte dazu Folgendes: „Wie oft schließen auch wir uns in uns selbst ein? Wie oft riskieren wir angesichts einer schwierigen Situation, wegen eines persönlichen oder familiären Problems, aufgrund des Leids, das uns gezeichnet hat oder wegen des Bösen, das wir um uns herum atmen, langsam in die Hoffnungslosigkeit abzudriften, und haben nicht mehr den Mut, weiterzumachen?“

Der Auferstandene tritt in ihre Mitte

Plötzlich tritt Jesus jedoch in ihre Mitte; für ihn spielt der Ort gar keine Rolle, deswegen brauchen wir keine präzise Ortsangabe, denn in seiner Auferstehungswirklichkeit ist er völlig frei von örtlicher Gebundenheit, er kommt nicht trotz der verschlossenen Türen, sondern gerade durch sie hindurch. Kein Hindernis kann ihn aufhalten – auch nicht unsere Angst oder unser Unglaube.
Jetzt folgt der Gruß „Friede sei mit euch!“, dieses sind besonders wichtige Worte. Es ist der Friede der Versöhnung mit Gott, den Christus durch sein Leiden und seine Auferstehung erwirkt hat.

Die Gabe des Friedens

Aber die Jünger freuen sich erst richtig, als sie die Identität ihres Meisers an den Wundmalen erkennen: „Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen.“ – so der Bibeltext.
Ja, so sind wir Menschen halt: wie die Jünger damals, so brauchen auch wir heute handfeste Beweise. Noch einmal wiederholt der Herr: „Friede sei mit euch!“ Ich erlaube mir jetzt einen etwas ‚saloppen‘ Ausdruck, den wir im deutschen Sprachgebrauch gern benutzen: doppelt gemoppelt hält besser! Ja, dem Herrn liegt der Friede sehr am Herzen – damals wie heute. Der Friede Gottes bedeutet nicht nur Abwesenheit von Krieg und Katastrohen, sondern Ganzheit und Versöhnung zwischen Gott und Mensch.

Und hier empfiehlt uns ist die Heilige Teresa von Ávila Folgendes: „Lass dich durch nichts beunruhigen, durch nichts erschrecken, denn alles ist vergänglich, Gott aber ist unveränderlich. Geduld führt zum Ziel; wer Gott hat, dem fehlt es an nichts: Gott allein genügt”.

Sendung und Geistempfang

Die wichtigste Gabe des Auferstandenen ist also der Friede, deshalb wird er in diesem Evangelium zweimal zugesprochen! Der Herr verbindet diesen Gruß aber mit einer Sendung: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch“. Hier wird die Kirche geboren als eine Gemeinschaft mit einem Auftrag: das Evangelium zu verkünden. „Wie ich…so ihr.“ Die Kirche ist also kein Selbstzweck. Sie ist die Fortsetzung der Mission Christi in der Welt. Deshalb können wir sie auch scherzhaft als „GmbH“ bezeichnen, also eine „Gemeinschaft mit besonderer Hoffnung“! Besondere Hoffnung, weil wir nicht allein gelassen werden: Jesus haucht seine Jünger an und sagt: „Empfangt den Heiligen Geist!“

Der Heilige Geist im heutigen Leben

Heutzutage ist es sehr schwierig vom Heiligen Geist zu sprechen. In einer hochindustrialisierten und technologisch total „durchtrainierten“ Welt ist kein Platz für etwas, was man weder sehen und noch messen kann.
Manchmal müssen wir Kindern oder Menschen, die vom Glauben weit entfernt leben, erklären, dass der Heilige Geist nicht als eine Art „Gespenst“ interpretiert werden kann. Wir sagen Geist zu ihm, weil wir ihn nicht sehen können. So wie wir Gedanken nicht sehen können, aber trotzdem sind sie da.

Wir können ihn aber als formidablen Mitarbeiter oder – ganz modern gesagt - sogar als „Life-coach“ betiteln, der uns in jedem Moment unseres täglichen Lebens zur Hilfe kommt, und zwar dann, wenn wir ihm in unserem Inneren genügend Platz schaffen. Dafür kann er uns eine Menge „Softskills“ vermitteln.

Die sieben Gaben des Heiligen Geistes

Der Ausdruck „Softskill“ kommt aus dem Personalwesen und steht für überfachliche Kompetenzen, Persönlichkeitsmerkmale und soziale Fähigkeiten, die grundsätzlich schwer messbar sind, die man aber an unserem Verhalten erkennen kann. Im beruflichen, privaten sowie sozialen Bereich sind sie außerordentlich wertvoll. Welche sind also diese „Softskills“, die uns der Heilige Geist vermittelt?

„„Frömmigkeit“ meint hier keine äußerliche Religiosität, sondern eine lebendige Beziehung zu Gott, die das ganze Leben prägt.“

Es sind Weisheit, Einsicht, Rat, Stärke, Erkenntnis, Frömmigkeit und Gottesfurcht, also die sieben Gaben des Heiligen Geistes. Wir sollten dabei aber zwei etwas ‚altmodische‘ Wörter in moderneres Deutsch übersetzen: „Frömmigkeit“ meint hier keine äußerliche Religiosität, sondern eine lebendige Beziehung zu Gott, die das ganze Leben prägt. Es ist vielmehr eine innere Freude, eine heitere Gelassenheit, die von anderen Personen im alltäglichen Umfeld als positive Ausstrahlung empfunden wird.
Auch das Wort „Gottesfurcht“ sollte nicht als Angst vor Gott interpretiert werden, sondern eher als Respekt und Liebe gegenüber dem Herrn und seinen Geboten. Es sind genau diese Gaben, die uns zu wertvollen Mitmenschen in unserer Gesellschaft machen. Heute sprich man gern von Teamfähigkeit, Kommunikationsstärke, Problemlösungskompetenz und Stressresistenz. Ja, er Heilige Geist befähigt uns genau zu diesen Fähigkeiten.

Sündenvergebung und Bußsakrament

Kommen wir jetzt zum Ende unseres heutigen Evangeliums; es geht hier um einen weiteren wichtigen Punkt; Jesus sagt: Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten. Aus katholischer Sicht liegt hier die Einsetzung des Bußsakraments begründet. Offensichtlich gibt es einen engen Zusammenhang zwischen Geistempfang und Sündenvergebung.
Um den Geist zu empfangen, der uns in Liebe zum dreifaltigen Gott verbindet, brauchen wir alle die Sündenvergebung. Dazu überträgt Christus den Aposteln (und damit ihren Nachfolgern, den Bischöfen und Priestern) seine eigene göttliche Vollmacht.

Eine Herausforderung unserer Zeit

Das Bußsakrament ist heutzutage ein heikles Thema, auch für einen Christen. Papst Benedikt XVI. sagt dazu Folgendes: „Wir leben in einem kulturellen Umfeld, das von der hedonistischen und relativistischen Mentalität geprägt ist, die dazu neigt, Gott aus dem Horizont des Lebens zu entfernen, den Erwerb eines klaren Rahmens von Bezugswerten nicht fördert und die nicht dabei hilft, Gutes von Bösem zu unterscheiden und ein rechtes Sündenbewußtsein heranreifen zu lassen“.

Dazu wäre noch einiges zu sagen; wir wollen uns aber Folgendes merken: Das „Behalten“ der Sünden ist kein Akt der Willkür, sondern ein Aufruf zur ehrlichen Umkehr. Ohne Reue kann die Vergebung nicht wirksam werden.

Dazu möchte ich einen Gedanken des heiligen Pfarrers von Ars zitieren und der geht so: „Der gute Gott weiß alles. Schon bevor ihr beichtet, weiß er, dass ihr wieder sündigen werdet, und vergibt euch dennoch. Wie groß ist die Liebe unseres Gottes, die sogar aus freiem Willen die Zukunft vergisst, um uns zu vergeben.“

Zusammenfassung: Vom Verschlossenen zur Sendung

Zusammenfassend können wir sagen, dass uns das heutige Johannesevangelium den Übergang von Angst zu Freude, von Verschlossenheit zur Sendung und von Schuld zur Vergebung zeigt. Der auferstandene Christus bringt Frieden, schenkt den Heiligen Geist und vertraut der Kirche seine Sendung an.

Wir schließen nun unsere Betrachtung mit folgendem Satz von Papst Franziskus: „Wenn wir als Kirche die Versöhnung leben und die Sakramente feiern, atmet Christus durch uns in diese Welt hinein.“

Mit Maria durch die Pfingstzeit

Ich wünsche Ihnen von Herzen schöne Pfingsttage und auch heute vertrauen wir uns der Mutter Gottes an: Kelch des Heiligen Geistes, bitte für uns.

 

(Radio Vatikan - Redaktion Claudia Kaminski)
 

Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen.

23. Mai 2026, 08:29