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Kloster in Ohanavan (Armenien) Kloster in Ohanavan (Armenien)  (AFP or licensors)

D: Caritas-Spitze und Bischof ziehen Bilanz nach Besuch in Armenien

Die Vertretung der deutschen Caritas hat nach einer mehrtägigen Reise durch Armenien die dortigen sozialen und humanitären Projekte bewertet. Da die katholische Kirche in Armenien mit einem Bevölkerungsanteil von zirka einem Prozent eine Minderheit bildet, kooperiert die Caritas Armenien seit 30 Jahren mit Partnern aus Deutschland, um soziale Strukturen im Land zu unterstützen.

Der Besuch der Delegation erfolgte zeitnah nach den nationalen Parlamentswahlen, aus denen der bisherige Regierungschef Nikol Paschinjan als Sieger hervorging.

Integration von Vertriebenen und soziale Gerechtigkeit

Ein Schwerpunkt der Reise lag auf der Besichtigung von Hilfsmaßnahmen für die Menschen, die im Jahr 2023 nach dem Konflikt mit Aserbaidschan fliehen mussten. Caritas-Bischof Stephan Burger erklärte, dass die bisherige Unterstützung der Vertriebenen beim Aufbau von Existenzen stabilisierend wirke, jedoch weiterhin Bedarf an der Schaffung von dauerhaftem Wohnraum bestehe. Eva Maria Welskop-Deffaa, Präsidentin des Deutschen Caritasverbands, betonte in diesem Zusammenhang, dass die Hilfsprogramme bewusst auch für die armenische Aufnahmegesellschaft geöffnet sind. Durch diesen Ansatz soll verhindert werden, dass in der Bevölkerung der Eindruck einer Bevorzugung von Geflüchteten gegenüber der ansässigen Struktur entsteht.

Herausforderungen im Pflegesektor und demografischer Wandel

Während der Begleitung eines ambulanten Pflegedienstes bei Hausbesuchen erörterte die Delegation Parallelen zwischen den gesellschaftlichen Entwicklungen in Armenien und Deutschland. Beide Länder verzeichnen einen demografischen Wandel, der durch einen steigenden Anteil älterer Menschen und eine sinkende Zahl jüngerer Generationen geprägt ist. Welskop-Deffaa wies darauf hin, dass die Bewältigung dieser Aufgaben ausreichende finanzielle Spielräume erfordert, um pflegerische Arbeit angemessen zu vergüten. Versuche, den Herausforderungen im Pflegesektor ausschließlich durch Sparvorgaben zu begegnen, seien strukturell nicht zielführend. Die Motivation der lokalen Angestellten und Pflegehelfer leite sich dabei maßgeblich aus dem christlichen Glauben ab, was von den Betroffenen als stabilisierender Faktor im Alltag benannt wurde. Bezugnehmend auf das erste Lehrschreiben von Papst Leo ordnete die Caritas-Präsidentin das Engagement der Helfenden als Umsetzung des Aufrufs ein, „Weber der Hoffnung“ zu sein.

Politische Neutralität und der Wunsch nach Frieden

Bezüglich der politischen Lage nach den Wahlen verwies Burger auf die Neutralität der katholischen Minderheit und der Caritas. Diese Haltung sei notwendig, um den humanitären Auftrag unabhängig von der politischen Positionierung des Landes zwischen westlichen Staaten und Russland zu erfüllen. Welskop-Deffaa merkte an, dass der Wahlsieger Paschinjan im Wahlkampf den Verzicht auf eine Rückforderung von Gebieten thematisierte, um weitere Konflikte mit Aserbaidschan zu vermeiden. Die Reiseeindrücke signalisieren, dass ein Teil der Bevölkerung den Kurs des wirtschaftlichen Ausgleichs sowie die Perspektive auf eine dauerhafte Sicherung des Friedens unterstützt.

Verbindung von Klimaschutz und Gesundheitsschutz

Obwohl die Arbeit der Caritas in Armenien primär im sozialen Bereich verortet ist, bildeten auch ökologische Projekte einen Teil der Bilanz. So wurden Unterkünfte für Vertriebene mit Solarmodulen ausgestattet. Zuvor nutzten die Bewohner in den Räumen Öfen, in denen unter anderem Plastikmüll verbrannt wurde, was zu Umweltbelastungen und gesundheitlichen Risiken führte. Die Caritas-Präsidentin leitete aus diesem Beispiel ab, dass Maßnahmen zum Klimaschutz insbesondere für vulnerable Gruppen direkt mit dem Gesundheitsschutz verknüpft sind.

(kna/pm - mg)

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13. Juni 2026, 10:46