Start der Fußball-WM: Menschenrechte geraten ins Abseits
Die Präsidentin der Organisation, Dagmar Pruin, weist darauf hin, dass die Weltmeisterschaft den Gastgeberländern zwar eine Plattform zur Selbstdarstellung biete, die reale Situation vor Ort jedoch Fragen aufwerfe. Nach Angaben des Entwicklungswerks zeigten sich die Auswirkungen der US-amerikanischen Migrationspolitik unter anderem in Einreiseverboten, die das Turnier direkt beeinflussen. Zudem führten Befürchtungen vor Abschiebungen und Maßnahmen der US-Polizei- und Zollbehörde ICE dazu, dass Migranten in den USA den öffentlichen Raum mieden. Berichte von Partnerorganisationen vor Ort verweisen auf die Konsequenzen dieser Abschiebepraxis, in deren Folge betroffene Personen in Mexiko und Zentralamerika unter Bedingungen ohne Außenkontakt in Hafteinrichtungen untergebracht werden.
Auswirkungen auf die Transitregionen
Die restriktiven gesetzlichen Vorgaben der USA führten laut der Organisation dazu, dass Schutzsuchende auf ihrem Weg in Mexiko festsitzen. In diesen Regionen sind die Betroffenen den Aktivitäten der organisierten Kriminalität ausgesetzt, wobei Entführungen, Erpressungen, interne Vertreibungen und Folter dokumentiert sind. Lokale Partnerorganisationen versuchen, in diesem Umfeld psychosoziale, rechtliche und praktische Unterstützung anzubieten.
Über die Migrationsfrage hinaus bleibt die allgemeine Lage in Mexiko ein zentraler Gegenstand der Kritik. Nach offiziellen Statistiken gelten in dem Land über 133.000 Menschen als gewaltsam verschwunden. Menschenrechtsorganisationen und Angehörige der Opfer planen, die mediale Präsenz des Turniers zu nutzen, um auf diese Schicksale aufmerksam zu machen. Dem stehen behördliche Bestrebungen gegenüber, Proteste einzuschränken, um das äußere Erscheinungsbild der Sportveranstaltung zu wahren.
Forderung an die internationale Politik
Vor diesem Hintergrund sieht Brot für die Welt die deutsche Bundesregierung und weitere internationale Staatsgäste in der Pflicht. Die politische Aufmerksamkeit im Rahmen des Turniers solle genutzt werden, um sich öffentlich für den Menschenrechtsschutz einzusetzen und lokale zivilgesellschaftliche Akteure zu stärken. Eine einseitige Fokussierung der deutschen Delegationen auf wirtschaftliche Kooperationen greife zu kurz. Es gelte zu verhindern, dass mit dem Turnierbeginn die Debatte über grundlegende Rechte in den Hintergrund gedrängt wird.
(pm - mg)
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