D: Kirchen trauern nach dem Anschlag in Berlin
Eine Frau starb, 29 Menschen wurden teils schwer verletzt. Die Behörden gehen von einem islamistischen Hintergrund aus; der mutmaßliche Täter wurde bei einem anschließenden Polizeieinsatz in Berlin-Spandau getötet.
Zu dem Gedenken versammelten sich mehrere Hundert Menschen, unter ihnen Betroffene, Angehörige und Vertreter verschiedener Religionsgemeinschaften sowie der Politik. In den vorderen Reihen nahmen unter anderem Bundeskanzler Friedrich Merz, Bundesinnenminister Alexander Dobrindt, Bundesfamilienministerin Karin Prien, Bundesjustizministerin Stefanie Hubig, Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner, der Leiter des Katholischen Büros, Karl Jüsten, und Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa Platz. Das katholische Erzbistum beteiligte sich ebenso an der Gestaltung wie Vertreter muslimischer Gemeinden.
Bundeskanzler Merz richtete vor und in der Kirche Worte an die Anwesenden und die queere Gemeinschaft: „Wir werden alles tun, um die Freiheit unseres Landes und unserer Gesellschaft zu schützen, alles!“ Zudem forderte er dazu auf, die Handlungs- und Bewegungsfreiheit derjenigen einzuschränken, die die Freiheit missbrauchten.
Gebet für die Verletzten und Hinterbliebenen
Im Rahmen der Liturgie betete der evangelische Berliner Bischof Christian Stäblein für die Verletzten und Hinterbliebenen. Was immer der Täter habe erreichen wollen, werde er nicht erreichen. Vielfalt lebe im Herzen Gottes.
Auch Vertreter muslimischer Gemeinden äußerten ihre Solidarität. Die Frauenrechtlerin Seyran Ates verwies auf den Koran und wies darauf hin, dass die Tötung eines einzelnen Menschen der Tötung der gesamten Menschheit gleichkomme.
Während des Gottesdienstes zündeten viele Anwesende Kerzen an. Im Anschluss an die Andacht formierte sich vor der Marienkirche ein Trauerzug, der über die Straße Unter den Linden zum Brandenburger Tor zog, wo Blumen und Gedenkschilder niedergelegt wurden.
Erzbischof Bentz fordert waches Gewissen und Schutz der Menschenwürde
Parallel zum Gedenken in Berlin sprach der Paderborner Erzbischof Udo Bentz beim Hochfest des heiligen Liborius über die gesellschaftliche Verantwortung in Zeiten von Polarisierung und Unsicherheit. Ausgehend vom traditionell ertönenden Trompetensignal, dem „Liboritus“, bezeichnete Bentz die Fanfare als Weckruf zur gesellschaftlichen Wachsamkeit.
Wachsein bedeute, ganz da zu sein, nicht schläfrig am Leben vorbeizudämmern und nicht aus sicherer Entfernung ein unbeteiligter Zuschauer zu sein, sondern mit offenen Augen, einem hörenden Herzen und einem wachen Gewissen mittendrin zu stehen. Bentz warnte vor Versuchen, mit einer verwerflichen Strategie aus politischen Polarisierungen und Gleichgültigkeit Ressentiments zu schüren sowie mit der Angst der Menschen zu spielen.
Erzbischof Bentz stellte die Unantastbarkeit der menschlichen Existenz in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Die unverbrüchliche Würde des Menschen sei der kritische Maßstab aller Macht – egal ob politischer, ökonomischer, technologischer oder kirchlicher Macht. Es gelte, Zeugnis für diese Würde abzulegen. Christen seien aufgerufen, nicht jedem Trend hinterherzulaufen oder jedem lauten Versprechen zu glauben, sondern friedensstiftend zu wirken. Freudenboten seien jene, die die Wahrheit sagen, ohne andere zu vernichten, die sich nicht an der eigenen Empörung berauschen, sondern das Verbindende suchen und der Logik von Ausgrenzung widersprechen.
Zugriff in Berlin-Spandau nach Fahndung
Nach der Tat floh der mutmaßliche Angreifer, der als der 21-jährige Abdul B. identifiziert wurde, zunächst vom Tatort. Einsatzkräfte spürten den bereits wegen früherer Delikte polizeibekannten Verdächtigen am Sonntagabend nach einer rund 20-stündigen Fahndung in einer Kleingartenkolonie im Bezirk Berlin-Spandau auf. Als Spezialkräfte den Mann festnehmen wollten, griff dieser die Beamten mit einer Stichwaffe an. Die Einsatzkräfte eröffneten daraufhin das Feuer. Der Tatverdächtige erlitt tödliche Verletzungen und verstarb noch vor Ort.
(kna/domradio - mg)
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