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Kardinal Blase Joseph Cupich Kardinal Blase Joseph Cupich 

Kardinal Cupich: Synodalität ist die Kirche, die Tanzen lernt

Der Erzbischof von Chicago, Kardinal Blase Joseph Cupich, hat diesen Donnerstag die Synodalität „durch die Linse des Tanzes“ betrachtet. Diese Anschauungsweise befreie „dieses ungewohnte Wort und Konzept aus dem Bereich trockener Bürokratie, Ausschüsse und Papierkram“. Synodalität stelle einen dynamischen, freudvollen und tiefen inkarnatorischen Weg dar, so der Erzbischof in einem Gastbeitrag für die Vatikanzeitung „L'Osservatore Romano“.

 „Synodalität“: dieses Wort habe für Kardinal Cupich anfangs fremd geklungen. Das 2018 von der Internationalen Theologischen Kommission veröffentlichte Dokument „Synodalität im Leben und in der Sendung der Kirche“ sei nach wie vor für das Verständnis hilfreich, doch seine Kindheitserfahrungen zum kroatischen Volkstanz „Kolo“ würden zum Verständnis der Synodalität beitragen. „Denn im Kern bedeutet Synodalität, abgeleitet vom griechischen Wort „synodos“, „gemeinsam gehen“ oder „denselben Weg beschreiten“.

Tempo, Stimmung und Rhythmus verinnerlichen

Cupich stellt einzelne Elemente des Kolo-Tanzes der Synodalität gegenüber. Er beginnt mit dem Element der Musik, denn vor der ersten Bewegung des Tänzers sei eine achtsame Stille zu kultivieren, um Tempo, Stimmung und Rhythmus des Stückes zu verinnerlichen. „Synodalität funktioniert genau auf derselben Frequenz.“ Wenn ein Tänzer die Musik ignoriert, verliere er den Anschluss an das Ensemble. Dementsprechend würden Mitglieder einer Gemeinschaft durch nicht zuhören aufhören, synodal zu handeln.

Der Kolo-Tanz zeichne sich durch eine komplexe Choreografie mit klar definierten Rollen aus. Die Führungskraft nutzt diese Rolle nicht aus, sondern gäbe Orientierung und schaffte einen sicheren Raum in dem sich die anderen sicher bewegen können. Dem Kardinal zufolge gleiche die Synodalität die Unterschiede in Hierarchien und Rollen innerhalb der Kirche nicht aus, „sondern verwebt sie vielmehr wie ein Meisterchoreograf miteinander“.

Reise ins unbekannte Terrain

Kreativität und Anpassungsfähigkeit stellen für Kardinal Cupich ein weiteres gemeinsames Merkmal der Synodalität und des kroatischen Volkstanzes dar, in dem man sich auf Fehltritte anpasse und einstelle. „Synodalität erfordert die Bereitschaft, die Tanzfläche zu betreten, ohne ein starres, vorab festgelegtes Ergebnis zu haben.“ Sie fordere die Gemeinschaft bei Spannungen und Meinungsverschiedenheiten auf, sich neu auszurichten, anzupassen und gemeinsam nach einem neuen Weg zu suchen.

Wie im Tanz, so müsse auch in der Syndalität das räumliche Bewusstsein Platz für alle gewährleisten, indem festgelegte Flächen akzeptierte werden müssten. Der synodale Weg fordere nach Kardinal Cupich die Gemeinschaft auf, Personen außerhalb der der Tanzfläche aktiv einzuladen. Aber auch, „dass diejenigen, die es gewohnt sind, im Mittelpunkt zu stehen, einen Schritt zurückzutreten, um sicherzustellen, dass der Rhythmus der Gemeinschaft dem Tempo und den Schritten aller gerecht wird.“

Lebendige Kette der Erinnerung

An eine Bemerkung eines Mitbruders im Kardinalskollegium erinnernd, sei neben einem synchronen Ansatz der Synodalität auch ein diachroner notwendig. „Ein synchroner Ansatz fragt: ´Wie tanzen wir mit denen, die heute im Raum sind?´ […] Ein diachroner Ansatz fügt jedoch hinzu: ´Wie ehrt unser Tanz den ursprünglichen Choreografen, und wie gibt er die Choreografie getreu der nächsten Generation weiter?´“

Synodalität sei nach Kardinal Cupich abschließend eine fortwährende Übung die göttliche Musik zu hören, die Einzigartigkeit jedes einzelnen zu würdigen und in einem abgestimmten Zeugnis für die Welt voranzuschreiten. Die als Tanz verstandene Synodalität öffne darüber hinaus ein tieferes Verständnis zum Geheimnis der Dreifaltigkeit. „Und so spiegelt die Kirche das trinitarische Geheimnis umso wirkungsvoller wieder, je mehr sie sich auf den Tanz der Synodalität einlässt.“

(l'osservatore romano - sc)

 

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09. Juli 2026, 12:51