Österreich: Caritas fordert fairen Onlinehandel
Hintergrund ist die wachsende Zahl von Kleinsendungen aus Drittstaaten: 2025 wurden nach Angaben des Bündnisses 5,9 Milliarden E-Commerce-Sendungen mit einem Warenwert von weniger als 150 Euro in die EU eingeführt. Zoll- und Marktüberwachungsbehörden könnten davon nur einen Bruchteil kontrollieren, so die Kritik von der Caritas der Erzdiözese Wien, Clean Clothes Campaign, Fairtrade Österreich, Global 2000, dem Handelsverband und Südwind.
Handelsriesen wie „Temu, Shein und Co." seien etwa mittlerweile „gigantische Müllmaschinen", so das Bündnis, das soziale, steuerliche wie ökologische Verantwortung einforderte. „Während österreichische Betriebe umfassende Vorgaben zu Produktsicherheit, Konsumentenschutz, Steuern, Umweltstandards und Arbeitsrechten erfüllen müssen, gelangen Produkte aus Drittstaaten vielfach ohne ausreichende Kontrollen auf den europäischen Markt", heißt es in dem offenen Brief, in dem das Bündnis mehr personelle und technische Ressourcen für die heimischen Kontrollbehörden fordern. Zugleich solle sich die Bundesregierung auf EU-Ebene für eine stärkere Verantwortung von Online-Plattformen einsetzen.
Faire Regeln und Kontrollen nötig
Konkret fordert das Bündnis einen rascheren Aufbau des geplanten europäischen Zolldatenzentrums, um Sendungs- und Risikodaten besser auszutauschen und verdächtige Waren gezielter zu kontrollieren. Zudem sollen Plattformen aus Drittstaaten stärker haften, wenn über sie Produkte ohne verantwortlichen Wirtschaftsakteur in der EU angeboten werden. Bei wiederholten Verstößen werden auch abschreckende Sanktionen bis zu zeitweisen Sperren gefordert.
„Fairer Handel braucht verbindliche Regeln, wirksame Kontrollen und gleiche Bedingungen für alle Marktteilnehmer:innen. Unternehmen, die Verantwortung entlang ihrer Lieferketten übernehmen, dürfen gegenüber jenen, die europäische Standards umgehen, nicht benachteiligt werden", so Hartwig Kirner, Geschäftsführer von Fairtrade Österreich. Auch der Wiener Caritasdirektor Klaus Schwertner stellte klar, dass ein fairer Markt weder die Würde der Menschen noch den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen aushebeln dürfe. „Wenn internationale Plattformen sich ihrer sozialen, steuerlichen und ökologischen Verantwortung entziehen, geraten jene unter Druck, die nachhaltig und verantwortungsvoll wirtschaften", betonte Schwertner.
(kap - sst)
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