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Darstellung der wundersamen Vermehrung von Brot und Fisch auf einem Mosaik Darstellung der wundersamen Vermehrung von Brot und Fisch auf einem Mosaik 

Unser Sonntag: Wovon lebt der Mensch?

Nicht Leistung und Besitz tragen den Menschen, sondern die beständige Liebe Gottes, die als Geschenk empfangen wird. Diesen Gedanken entfaltet Dr. Patrick Körbs in seinen Betrachtungen zum 18. Sonntag im Jahreskreis, wo es um die Frage geht, wovon der Mensch eigentlich wirklich lebt.

Die drei liturgischen Lesungen dieses 18. Sonntages im Jahreskreis kreisen um eine zentrale Frage: Wovon lebt der Mensch wirklich? Und sie alle geben darauf eine klare Antwort: Nicht von dem, was wir kaufen oder leisten können, sondern im Letzten von der Zuwendung Gottes, die uns geschenkt wird. Wir leben sozusagen eine Unverfügbarkeit, Unkontrollierbarkeit – und sind aber gerade darin auch Getragene.

Lassen Sie uns diese drei Texte nun gemeinsam nacheinander betrachten. Der erste Text ist ein Aufruf des Propheten Jesaja (Jes 55, 1-3). Er beginnt mit einer ungewöhnlichen Ansprache:

„Auf, alle Durstigen, kommt zum Wasser! Die ihr kein Geld habt, kommt, kauft Getreide und esst, kommt und kauft ohne Geld und ohne Bezahlung Wein und Milch!“

Hier die Betrachtung zum Nachhören

Der Prophet tritt hier wie ein Marktschreier auf, der lautstark seine Ware anpreist. Aber das Entscheidende ist: Die Ware ist gratis. Es geht nicht um einen Handel, sondern um ein Geschenk. Die Menschen in der babylonischen Gefangenschaft hatten zwar zu essen und zu trinken, aber sie waren fern von dem, was ihr Leben wirklich stärkte – fern von Gott. Deshalb folgt die kritische Frage:

„Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt, und mit dem Lohn eurer Mühen, was euch nicht satt macht?“ (V. 2)

Patrick Körbs am Schreibtisch
Patrick Körbs am Schreibtisch

Frage nach der wahren Nahrung

Der Prophet fragt nach der wahren Nahrung. Nicht das Brot allein macht satt, sondern das, was Gott schenkt. Die Einladung lautet: Hört auf mich, dann bekommt ihr, was euch wirklich nährt. Und wer hört, dem verheißt Gott einen ewigen Bund.

Die Botschaft dieses Textes ist also, dass Gottes Zuwendung ein Geschenk ist, das wir nicht durch Verdienste erwerben oder für teuer Geld kaufen können. Wir sind eingeladen, sie anzunehmen.

„Was kann uns scheiden von der Liebe Christi?“

Der zweite Text führt uns in die Welt des Apostels Paulus (Röm 8, 35.37–39). Er schreibt an die Gemeinde in Rom und stellt eine Frage, die wie ein Bekenntnis klingt:

„Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert?“ (V. 35)

Paulus zählt alles auf, was Menschen bedrohen kann – äußere Not, innere Anfechtung, ja sogar der Tod. Seine Antwort ist eindeutig:

„Doch in alldem tragen wir einen glänzenden Sieg davon durch den, der uns geliebt hat.“ (V. 37)

Und dann folgt einer der kraftvollsten Sätze:

„Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges noch Gewalten, weder Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“ (V. 38-39)

Keine Macht der Welt, kein Leid, keine Schuld, kein Tod kann die Verbindung zu Gott zerreißen – das wird uns hier zugesagt. Diese Liebe ist stärker als alles, was uns begegnet. Sie ist beständig.

Die wundersame Brotvermehrung

Der dritte Text ist eine Erzählung aus dem Leben Jesu (Mt 14, 13–21). Sie beginnt mit einem Schatten: Jesus erfährt, dass Johannes der Täufer enthauptet wurde. Er zieht sich zurück, um allein zu sein – doch die Menschen folgen ihm.

„Als er ausstieg, sah er die vielen Menschen und hatte Mitleid mit ihnen und heilte ihre Kranken.“ (V. 14)

Jesus selbst ist traurig, doch er sieht die Not der Menschen und reagiert mit Mitgefühl. Als es Abend wird, wollen die Jünger die Menge wegschicken. Aber Jesus sagt:

„Sie brauchen nicht wegzugehen. Gebt ihr ihnen zu essen!“(V. 16)

Die Jünger protestieren: „Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische bei uns.“ (V. 17). Aus menschlicher Perspektive ist das lächerlich wenig. Doch Jesus nimmt das Wenige, dankt Gott, bricht es und gibt es weiter – und alle werden satt. Zwölf volle Körbe bleiben übrig.

Es ist mehr als eine Brotvermehrung. Es zeigt: Mit Gott wird das Wenige, das wir haben, zum Überfluss. Es ist eine Vorwegnahme des messianischen Festmahls, bei dem Gott alle sättigt. Die zwölf Körbe stehen für die Fülle, die Gott schenkt – eine Erfüllung der Verheißung aus Jesaja: Kommt, esst, ohne zu bezahlen. Wahre Erfüllung erwächst nicht aus der Fülle der Güter, sondern durch das Vertrauen auf Gott.

Jesus, so wird es hier deutlich, handelt nicht aus Berechnung, sondern aus Erbarmen. Er nimmt das Wenige, das wir geben können, und macht daraus mehr, als wir uns vorstellen können.

Die Beständigkeit der Benediktiner

Mehrmals haben wir hier nun schon das Wort „beständig“ gehört. Mir kommt da das Prinzip der Beständigkeit aus der benediktinischen Spiritualität in den Sinn.

Wie können wir in einer Welt des ständigen Wandels und der Flucht vor dem Leid festen Boden unter den Füßen bekommen? Der heilige Benedikt von Nursia prägte in seiner Klosterregel den Gedanken der Beständigkeit. Benedikt hat mit seiner Regel eine Lebensform geschaffen, die genau das einübt, was die Texte dieses Sonntags verkünden.

Benedikt lebte in einer Zeit großer politischer und sozialer Umbrüche – dem Ende der Antike und dem Beginn des Mittelalters, geprägt von Völkerwanderungen und dem Zerfall römischer Strukturen. In diese „Unruhe und Auflösungstendenzen“ brachte er ein Prinzip ein, das dem Zeitgeist völlig widersprach: die Beständigkeit (Stabilitas). Während viele umherzogen, verpflichteten sich seine Mönche auf Lebenszeit an ein konkretes Kloster. Das Kloster ist mehr als nur ein Aufenthaltsort.

Drei Gelübde

Benediktiner legen bei ihrer Profess nicht explizit die klassischen Gelübde der Armut, Keuschheit und des Gehorsams ab, sondern geloben drei andere Dinge, die diese mitumfassen: Beständigkeit (Stabilitas loci), klösterlichen Lebenswandel (Conversatio morum) und Gehorsam (Oboedientia).

Die Stabilitas loci ist die dauerhafte Bindung an ein bestimmtes Kloster. Der Mönch oder die Nonne erklärt: „Hier möchte ich Mönch werden, hier möchte ich auch eines Tages beerdigt sein“. Es ist ein Liebesbekenntnis zu einem konkreten Ort und einer konkreten Gemeinschaft. Dies schafft eine tiefe Verwurzelung.

Die Verbindung zu unseren drei Texten sehe ich konkret in drei Aspekten:

Bei Jesaja heißt es: „Auf, alle Durstigen, kommt zum Wasser!“: Die Einladung zum „Wasser“ ist ein Ruf, sich auf Gott einzulassen – in der ganzen Tiefe einer wirklichen Beziehung. Benedikt würde sagen: Diese Einladung braucht einen Ort, an dem sie konkret wird. Die Stabilitas loci bietet den Rahmen, um dieser Einladung im Alltag, im Gebet und in der Gemeinschaft nachzugehen. Sie verhindert, dass wir nach dem ersten Durst wieder weiterziehen.

Paulus bezeugt, dass nichts uns von Gottes Liebe trennen kann. Diese Beständigkeit, die Gott uns schenkt, ist ein Vertrauensvorschuss auf diese Wahrheit. Der Heilige Benedikt ermutigt die Mönche dazu, auszuharren, wenn die Gemeinschaft schwierig wird oder der eigene Glaube angefochten ist – denn die Liebe Gottes hält, die eigene Gefühlslage nicht immer.

Das Wunder der Brotvermehrung geschieht, weil Jesus das Wenige nimmt und es teilt. In einem Kloster, aber genauso auch im Leben einer Familie oder Gemeinschaft, das auf Beständigkeit ausgerichtet ist, entsteht eine Kultur des Teilens und der Gastfreundschaft. Die Stabilitas ermöglicht es, dass über Generationen hinweg ein Ort der Ruhe und Harmonie entsteht – ein Ort, an dem Menschen, wie die Fünftausend, geistlich und leiblich satt werden können.

Vertrauen darauf, dass Gott uns reich macht

Die Beständigkeit in der Beziehung zu Gott schenkt uns etwas, das wir ebenso zum Leben brauchen, wie gesunde Mahlzeiten und vieles andere auch. Unser Glaube verwandelt uns nicht in materiell bedürfnislose Wesen. Aber er gibt uns die Kraft, auch im Wenigen die Fülle – Erfüllung – zu finden. Vielleicht könnte man eine Antwort auf die Eingangsfrage, wovon der Mensch wirklich lebt, so zusammenfassen: Er lebt auch von dem Vertrauen, dass Gott uns reich macht. Ihnen allen einen gesegneten Sonntag!

(vatican news - ck/cs)

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01. August 2026, 10:00