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Angelus: Die Katechese im Wortlaut

Wir dokumentieren hier die Katechese von Papst Franziskus in einer Arbeitsübersetzung von Radio Vatikan. Die offizielle Übersetzung finden Sie wie immer in Kürze auf www.vatican.va.

Liebe Brüder und Schwestern, guten Morgen!


Heute feiern wir die Heilige Familie von Nazareth. Gott wählte eine bescheidene und einfache Familie, um unter uns zu kommen. Halten wir staunend inne Betrachten wir die Schönheit dieses Geheimnisses, wobei wir auch zwei konkrete Aspekte für unsere Familien hervorheben.


Die erste: Die Familie ist die Geschichte, aus der wir kommen. Jeder von uns hat seine eigene Geschichte, niemand wird auf magische Weise, mit einem Zauberstab geboren, jeder von uns hat eine Geschichte, und die Familie ist die Geschichte, aus der wir kommen. Das Evangelium der heutigen Liturgie erinnert uns daran, dass Jesus auch der Sohn einer Familiengeschichte ist. Wir sehen, wie er mit Maria und Josef zum Passahfest nach Jerusalem reist; dann macht er sich Sorgen um seine Mutter und seinen Vater, die ihn nicht finden können; gefunden kehrt er mit ihnen nach Hause zurück (vgl. Lk 2,41-52).

Es ist schön zu sehen, wie Jesus in das Netz der familiären Zuneigung eingefügt wird, wie er in der Umarmung und Sorge der Seinen geboren wird und wächst. Das ist auch für uns wichtig: Wir stammen aus einer Geschichte, die von Liebesbanden durchwoben ist, und die Person, die wir heute sind, ist nicht so sehr aus den materiellen Gütern entstanden, die wir genossen haben, sondern aus der Liebe, die wir im Schoß der Familie erfahren haben. Wir sind vielleicht nicht in eine außergewöhnliche, problemlose Familie hineingeboren worden, aber es ist unsere Geschichte - jeder muss denken: es ist meine Geschichte - es sind unsere Wurzeln: wenn wir sie abschneiden, trocknet das Leben aus! Gott hat uns nicht geschaffen, um allein zu führen, sondern um gemeinsam zu gehen. Wir wollen ihm danken und für unsere Familien beten. Gott denkt an uns und will, dass wir zusammen sind: dankbar, vereint, fähig, unsere Wurzeln zu bewahren. Und darüber müssen wir nachdenken, über unsere eigene Geschichte.

Der zweite Aspekt: Wir lernen jeden Tag, eine Familie zu sein. Im Evangelium sehen wir, dass auch in der Heiligen Familie nicht alles gut geht: Es gibt unerwartete Probleme, Ängste, Leiden. So etwas wie eine Bilderbuch- Heilige Familie gibt es nicht. Maria und Josef verlieren Jesus und suchen ängstlich nach ihm, bis sie ihn nach drei Tagen finden. Und als er im Tempel unter den Lehrern sitzt und antwortet, er müsse sich um die Angelegenheiten seines Vaters kümmern, verstehen sie das nicht. Sie brauchen Zeit, um ihren Sohn kennen zu lernen.

Das gilt auch für uns: Jeden Tag müssen wir in der Familie lernen, einander zuzuhören und zu verstehen, miteinander zu gehen, Konflikte und Schwierigkeiten zu bewältigen. Das ist die tägliche Herausforderung, und die gewinnt man mit der richtigen Einstellung, mit kleinen Aufmerksamkeiten, mit einfachen Gesten, indem man sich um die Details in unseren Beziehungen kümmert. Und auch das hilft uns sehr, in der Familie zu reden, am Tisch zu reden, der Dialog zwischen Eltern und Kindern, der Dialog zwischen Geschwistern, hilft uns, diese Familienwurzel zu leben, die von den Großeltern kommt. Dialog mit den Großeltern!

Aber wie soll das gehen? Und wie machen wir das? Schauen wir uns Maria an, die im heutigen Evangelium zu Jesus sagt: "Dein Vater und ich haben dich gesucht" (V. 48). Dein Vater und ich, es heißt nicht ich und dein Vater: Vor dem Ich steht das Du! Lernen wir dies: Vor dem Ich gibt es das Du. In meiner Sprache gibt es ein Adjektiv für Menschen, die erst "ich" und dann "du" sagen: "Ich, ich, und mit mir, und für mich, und zu meinem Vorteil". Menschen, die so sind, erst ich, dann du. Nein, in der Heiligen Familie ist es zuerst das Du und dann das Ich.

Um die Harmonie in der Familie zu bewahren, müssen wir die Diktatur des Ichs bekämpfen, wenn das Ich sich aufbläht. Es ist gefährlich, wenn wir, anstatt einander zuzuhören, uns gegenseitig die Schuld für unsere Fehler geben; wenn wir, anstatt uns um andere zu kümmern, auf unsere eigenen Bedürfnisse fixiert sind; wenn wir, anstatt miteinander zu reden, uns mit unseren Mobiltelefonen isolieren - es ist traurig, eine Familie beim Mittagessen zu sehen, jeder mit seinem eigenen Mobiltelefon, ohne miteinander zu sprechen, jeder mit seinem Mobiltelefon; wenn wir uns gegenseitig beschuldigen, die gleichen alten Phrasen wiederholen, ein Theaterstück inszenieren, das wir schon gesehen haben, bei dem jeder Recht haben will und am Ende ein kaltes Schweigen herrscht. Dieses scharfe, kalte Schweigen nach einer Familiendiskussion, das ist hässlich, sehr hässlich!

Ich wiederhole einen Ratschlag: Abends, nach allem, Frieden schließen, immer. Gehen Sie nie schlafen, ohne Frieden geschlossen zu haben, sonst gibt es am nächsten Tag einen "kalten Krieg"! Und das ist gefährlich, weil es eine Geschichte von Vorwürfen, eine Geschichte von Ressentiments auslösen wird. Wie oft entstehen und wachsen Konflikte leider aus zu langem Schweigen und unbeachtetem Egoismus innerhalb der Familie! Manchmal kommt es sogar zu physischer und moralischer Gewalt. Das zerreißt die Harmonie und tötet die Familie. Lassen Sie uns vom "Ich" zum "Du" übergehen. Was in der Familie noch wichtiger sein muss, ist das Du. Und bitte beten Sie jeden Tag ein wenig gemeinsam, wenn Sie sich die Mühe machen können, um Gott um die Gabe des Friedens in der Familie zu bitten. Und verpflichten wir uns alle - Eltern, Kinder, Kirche, Zivilgesellschaft -, die Familie, die unser Schatz ist, zu unterstützen, zu verteidigen und zu bewahren!


Möge die Jungfrau Maria, die Frau Josefs und Mutter Jesu, unsere Familien beschützen.

(vaticannews - skr/pr)

 


 

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26. Dezember 2021, 12:21

Das Angelus ist ein Gebet, dass in Erinnerung an das ewige Geheimnis der Menschwerdung drei Mal am Tag gebetet wird: 6 Uhr morgens, am Mittag und am Abend gegen 18 Uhr, jeweils wenn die Glocken zum Angelusgebet rufen.
Der Name ‚Angelus‘ stammt aus dem ersten Vers der lateinischen Version des Gebets - Angelus Domini nuntiavit Mariae. Es besteht aus der Lesung von drei schlichten Texten, bei denen es um die Menschwerdung Jesu Christi geht, gefolgt jeweils von einem Ave Maria.
Dieses Gebet wird vom Papst auf dem Petersplatz sonntags mittags und an Hochfesten gebetet. Direkt vor dem Gebet legt der Papst kurz die Lesungen des Tages aus. Nach dem Gebet folgen Grüße an die Pilger.
Von Ostern bis Pfingsten wird an Stelle des Angelusgebets das Regina Coeli gebetet, das an die Auferstehung Jesu Christi erinnert. Zum Abschluss dieses Gebets wird das „Ehre sei dem Vater“ drei Mal gesprochen.

Gebet des Angelus / Regina Coeli mit Papst

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