Angelus: Die Katechese im Wortlaut

Wir dokumentieren an dieser Stelle den Wortlaut der Katechese, die Papst Franziskus an diesem Sonntag zum Mittagsgebet gehalten hat. Die offizielle Übersetzung finden Sie wie immer in Kürze auf www.vatican.va.

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Die Liturgie des heutigen Tages verkündet die Seligpreisungen nach dem Matthäus-Evangelium (vgl. Mt 5,1-12). Die erste und grundlegende lautet: „Selig, die arm sind vor Gott, denn ihnen gehört das Himmelreich“ (V. 3).

Wer sind die, die „arm sind vor Gott“? Es sind jene, die wissen, dass sie sich nicht selbst genügen, dass sie sich nicht selbst genügen können, und sie leben als „Bettler Gottes“: Sie wissen, dass sie seiner bedürfen und nehmen das Gute, das von Gott kommt, als Geschenk, als Gnade an. Jene, die arm sind vor Gott, schätzen das, was sie erhalten; und deshalb wünschen sie auch, dass keine Gabe vergeudet wird. Heute möchte ich mich mit diesem typischen Aspekt der Armen vor Gott befassen: nichts verschwenden... Jesus zeigt uns, wie wichtig es ist, nichts zu verschwenden, zum Beispiel nach der Brot- und Fischvermehrung, als er fordert, dass die übrig gebliebenen Speisen eingesammelt werden, damit nichts verdirbt (vgl. Joh 6,12). Nichts zu verschwenden ermöglicht es uns, den eigenen Wert, den Wert von Menschen und Dingen schätzen zu lernen. Doch leider wird dieser Grundsatz häufig missachtet, vor allem in reicheren Gesellschaften, in denen eine Kultur der Verschwendung und des Wegwerfens vorherrscht. Beide sind eine Pest! Ich möchte daher drei Antworten auf diese Wegwerfmentalität vorschlagen.

„Vergeuden wir das Geschenk nicht, das wir selbst sind“

Die erste Antwort: Vergeuden wir das Geschenk nicht, das wir selbst sind. Jeder von uns ist ein Gut, unabhängig von seinen Gaben. Jede Frau, jeder Mann ist nicht nur reich an Talenten, sondern auch an Würde; jeder wird von Gott geliebt und ist wertvoll. Jesus erinnert uns daran, dass wir nicht wegen dem selig sind, was wir haben, sondern wegen dem, was wir sind... Kämpfen wir mit Gottes Hilfe gegen die Versuchung an, uns für unzulänglich, für verkehrt zu halten und in Selbstmitleid zu versinken.

Die zweite Antwort: Verschwenden wir die Gaben nicht, die wir haben... Jedes Jahr wird etwa ein Drittel der gesamten Lebensmittelproduktion der Welt verschwendet. Und das, während so viele Menschen hungern! Die Ressourcen der Schöpfung können nicht auf diese Weise genutzt werden! Die Güter müssen gehütet und geteilt werden, damit niemandem das Notwendige fehlt. Lasst uns nicht verschwenden, was wir haben, sondern eine Ökologie der Gerechtigkeit und der Nächstenliebe verteidigen!

„Lasst uns das Leben immer achten und fördern!“

Und schließlich die dritte Antwort: Grenzen wir andere Menschen nicht aus... Die Wegwerfkultur besagt: Ich benutze dich so lange, wie ich dich brauche; wenn du mich nicht mehr interessierst oder mich behinderst, werfe ich dich weg. Und so werden vor allem die Schwächsten behandelt: ungeborene Kinder, alte Menschen, Bedürftige und Benachteiligte. Aber Menschen kann man nicht wegwerfen! Jeder Mensch ist ein heiliges und einzigartiges Geschenk, in jedem Alter und in jedem Zustand. Lasst uns das Leben immer achten und fördern! Sortieren wir das Leben nicht aus!

Liebe Brüder und Schwestern, wir sollten uns ein paar Fragen stellen, jeder von uns. Zunächst einmal: Wie lebe ich die geistige Armut? Schaffe ich Platz für Gott, glaube ich, dass er mein Gut, mein wahrer und großer Reichtum ist? Glaube ich, dass er mich liebt, oder versinke ich in Trauer und werfe mich weg, vergessend, dass ich ein Geschenk bin? Und weiter: Achte ich darauf, nichts zu verschwenden, gehe ich verantwortungsvoll mit den Dingen, den Gütern um? Bin ich bereit, sie mit anderen zu teilen, oder bin ich egoistisch? Und schließlich: Betrachte ich zerbrechliche Menschen als kostbare Gaben, die Gott mir anvertraut hat? Denke ich an die Armen, an die, denen das Nötigste fehlt?

Maria, Frau der Seligpreisungen, hilf uns, Zeugnis zu geben von der Freude darüber, dass das Leben ein Geschenk ist, und von der Schönheit, die darin liegt, sich selbst zu verschenken.

(vatican news - übersetzung: silvia kritzenberger)

 

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29. Januar 2023, 12:07

Das Angelus ist ein Gebet, dass in Erinnerung an das ewige Geheimnis der Menschwerdung drei Mal am Tag gebetet wird: 6 Uhr morgens, am Mittag und am Abend gegen 18 Uhr, jeweils wenn die Glocken zum Angelusgebet rufen.
Der Name ‚Angelus‘ stammt aus dem ersten Vers der lateinischen Version des Gebets - Angelus Domini nuntiavit Mariae. Es besteht aus der Lesung von drei schlichten Texten, bei denen es um die Menschwerdung Jesu Christi geht, gefolgt jeweils von einem Ave Maria.
Dieses Gebet wird vom Papst auf dem Petersplatz sonntags mittags und an Hochfesten gebetet. Direkt vor dem Gebet legt der Papst kurz die Lesungen des Tages aus. Nach dem Gebet folgen Grüße an die Pilger.
Von Ostern bis Pfingsten wird an Stelle des Angelusgebets das Regina Coeli gebetet, das an die Auferstehung Jesu Christi erinnert. Zum Abschluss dieses Gebets wird das „Ehre sei dem Vater“ drei Mal gesprochen.

Gebet des Angelus / Regina Coeli mit Papst

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