Papst: Es braucht Kurswechsel bei der Verkündigung

Bei einer Begegnung mit dem Klerus des Bistums Rom hat Papst Leo XIV. die Verkündigung des Evangeliums als pastorale Priorität bezeichnet. Angesichts einer „zunehmenden Erosion der religiösen Praxis“ brauche es neue Formen. Gleichzeitig rief der Bischof von Rom zu mehr Zusammenarbeit zwischen den Pfarreien auf und verlangte eine stärkere Nähe zu Jugendlichen.

Birgit Pottler – Vatikanstadt

Das Feuer des Glaubens müsse neu entfacht werden, es brauche „eine klare Kurskorrektur“. Die gewohnte Pfarrpastoral sei oft so angelegt, dass sie vor allem die Spendung der Sakramente sicherstelle, so der Papst. Dies setze jedoch voraus, „dass der Glaube … vom Umfeld, von der Gesellschaft wie vom familiären Milieu her weitergegeben wird“. Das sei durch kulturelle und gesellschaftliche Veränderungen vielerorts nicht mehr der Fall.

„Das ist die Priorität“

Leo XIV. formulierte daher: „Es ist daher dringend notwendig, wieder zur Verkündigung des Evangeliums zurückzukehren: Das ist die Priorität.“ Er warnte zugleich – in Anlehnung an das Apostlische Schreiben Evangelii gaudium – vor einer „Sakramentalisierung ohne andere Formen der Evangelisierung“.

Für die Großstadt Rom, geprägt von Mobilität und veränderten Lebensformen, müsse die Pastoral Wege finden, „die den Menschen helfen, neu mit der Verheißung Jesu in Berührung zu kommen“. Es gelte,  „neue Formen der Glaubensweitergabe zu erproben – auch außerhalb der klassischen Wege –, um Kinder, Jugendliche und Familien neu einzubeziehen“.

Kooperation statt „Selbstbezogenheit“

Über Pfarreigrenzen hinweg rief Leo XIV. zu mehr Zusammenarbeit auf. Das Territorium einer Pfarrei entspreche nicht mehr den modernen Lebensgewohnheiten. „Um der Evangelisierung … den Vorrang zu geben, können wir nicht isoliert denken und handeln“, sagte er. Die einzelne Pfarrei reiche in vielen Fällen nicht mehr aus, um Menschen zu erreichen, die kaum am Gemeindeleben teilnehmen.

Bei der Begegnung mit dem Klerus in der Audienzhalle
Bei der Begegnung mit dem Klerus in der Audienzhalle   (@Vatican Media)

Leo XIV. – in seiner Zeit als Bischof und Augustiner-Oberer viel unterwegs und auf Zusammenarbeit mit anderen angewiesen – rief dazu auf, die „Versuchung der Selbstbezogenheit, die zu Überlastung und Zerstreuung führt“, zu überwinden. Er plädierte für gemeinsame Planung, das Teilen von Charismen und Ressourcen sowie bessere Abstimmung – besonders zwischen benachbarten Pfarreien. Eine stärkere Koordination sei nicht nur ein organisatorisches Instrument, sondern Ausdruck priesterlicher Gemeinschaft.

Nähe zu Jugendlichen

Mit Blick auf junge Menschen stellte der Papst fest, viele von ihnen lebten „ohne jeden Bezug zu Gott und zur Kirche“. Er nannte Orientierungslosigkeit, existenzielles Unbehagen, die Prägung durch virtuelle Lebenswelten sowie Anzeichen von Aggressivität. „Wir haben keine einfachen Lösungen, die sofortige Ergebnisse garantieren. Aber wir können – soweit möglich – den Jugendlichen zuhören, ihnen nahe sein, sie aufnehmen und ein Stück ihres Lebens teilen.” Zudem sollten Pfarreien die Zusammenarbeit mit Schulen und Fachleuten aus Pädagogik und Humanwissenschaften suchen.

„Niemals in euch selbst verschließen“

Ein eigenes Wort richtete Leo XIV. an jüngere Priester. In einem schwierigeren kirchlichen wie gesellschaftlichen Umfeld, bestehe „die Gefahr, die eigenen Kräfte rasch zu erschöpfen, Frustration anzusammeln und in Einsamkeit zu geraten“. „Niemals in euch selbst verschließen“, warnte der Papst, und ermunterte: „Habt keine Angst, euch auszutauschen – auch über eure Müdigkeit und eure Krisen.“ Priesterliche Brüderlichkeit müsse konkret werden: „Begleiten und unterstützen wir einander.“ Berufung und Treue seien kein rein individueller Weg, sondern verpflichteten dazu, „füreinander Sorge zu tragen“.

(vatican news)

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19. Februar 2026, 12:49