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Papst Leo mit den Legionären Christi Papst Leo mit den Legionären Christi  (@VATICAN MEDIA)

Papst Leo an Legionäre Christi: Nicht Herren, sondern Hüter des Charismas

Aus Anlass ihres Generalkapitels in Rom hat Papst Leo die Ordensgemeinschaft der Legionäre Christi in Audienz empfangen. Bei der Begegnung schrieb er ihnen ins Stammbuch, dass Autorität im Ordensleben nicht bedeute, die Mitglieder zu dominieren. Die Vielfalt der Ausdrucksformen des eigenen Charismas schwäche die Einheit nicht, sondern bereichere sie, so das Kirchenoberhaupt.

Christine Seuss - Vatikanstadt

Er traf die Mitglieder der 1941 in Mexiko gegründeten Kongregation am Donnerstag im Vatikan. In seiner Ansprache zeigte sich Papst Leo überzeugt, dass das Generalkapitel für die Mitglieder eine Zeit der Gnade im gemeinschaftlichen Hören auf den Heiligen Geist und eine Gelegenheit zur Erneuerung der Treue zum eigenen Charisma darstelle.

„Es ist außerdem für euch eine Gelegenheit, euch als Erben eines Charismas zu erkennen, das durch verschiedene Wege und historische Ausdrucksformen – mitunter schmerzhaft und nicht frei von Krisen – die Kongregation der Legionäre Christi hervorgebracht hat, geeint durch dieselbe geistliche Wurzel und eine gemeinsame apostolische Leidenschaft“, so der Papst, der die Ordensgemeinschaft dazu aufrief, ihre eigene Geschichte im Gedächtnis zu behalten – wobei es nicht darum gehe, auf die Vergangenheit zu blicken, sondern sich einer „ständigen Erneuerung in der Gegenwart“ zu öffnen, „in Treue zum Evangelium“.

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Die Gemeinschaft musste insbesondere im Zug der Aufarbeitung um Missbrauchsvorwürfe gegen ihren Gründer Marcial Maciel einen schmerzhaften Erneuerungsprozess durchmachen.

„Das Charisma ist ein Geschenk des Heiligen Geistes”, so Papst Leo weiter. „Jedes Institut und jedes seiner Mitglieder“ sei berufen, es „persönlich und gemeinschaftlich zu verkörpern“, in einem „fortwährenden Prozess der Vertiefung der eigenen Identität, der sie innerhalb der Kirche und der Gesellschaft verortet und definiert“:

„Dieser Weg stellt zugleich einen wertvollen Beitrag für die Kirche als Ganzes und besonders für die geistliche Familie des Regnum Christi dar.“

Bei der Audienz
Bei der Audienz   (@VATICAN MEDIA)

Vielfalt keine Schwächung der Einheit

Und doch stelle die „Vielfalt von Formen, Stilen und Akzenten“ im Leben des empfangenen Charismas keine Schwächung der Einheit dar, sondern bereichere sie, unterstrich der Papst.

„Deshalb soll man die Vielfalt nicht fürchten, sondern sie annehmen und unterscheiden, und ihr erlauben, sich auszudrücken, um transparenter und treuer auf den Ruf Gottes zu antworten.“

Sie dürften sich allerdings nicht als Eigentümer des durch den Heiligen Geist empfangenen Charismas sehen, vielmehr seien sie seine „Hüter und Diener“, so Papst Leo weiter: „Ihr seid gerufen, euer Leben hinzugeben, damit dieses Geschenk weiterhin fruchtbar in Kirche und Welt wirkt.“

„Autorität im Ordensleben bedeutet nicht Herrschaft, sondern geistlichen und brüderlichen Dienst an jenen, die dieselbe Berufung teilen“

Das Generalkapitel sei auch ein Moment, „um den zurückgelegten Weg zu prüfen und mit Hilfe des Heiligen Geistes den zukünftigen Weg zu unterscheiden“, fuhr Papst Leo fort. Die Ausübung von Leitung und Autorität im Institut sei deshalb als „zentrales Thema“ betrachtet worden. Doch der Papst hatte auch eine Mahnung im Gepäck: „Autorität im Ordensleben bedeutet nicht Herrschaft, sondern geistlichen und brüderlichen Dienst an jenen, die dieselbe Berufung teilen.“ Dabei müsse „jede Form von Kontrolle“ vermieden werden, die die „Würde und Freiheit der Personen“ nicht respektiere.

Leiter in Ordensgemeinschaften müssten einen Leitungsstil pflegen, der „vom gegenseitigen Zuhören, Mitverantwortung, Transparenz, brüderlicher Nähe und gemeinschaftlicher Unterscheidung geprägt“ sei, betonte Papst Leo: „Eine gute Leitung konzentriert nicht alles auf sich selbst, sondern fördert Subsidiarität und die verantwortliche Beteiligung aller Mitglieder der Gemeinschaft.“

Differenzen als Reichtum annehmen

Missionarische Einheit bedeute allerdings nicht „Uniformität“ und die „Beseitigung von Unterschieden“, sondern vielmehr die „Vielfalt zum Wohl aller zu harmonisieren, Differenzen als Reichtum anzunehmen und gemeinsam die Wege zu unterscheiden, die der Herr uns zeigt“, so der Rat des Kirchenoberhauptes.

Gebet, Demut und innere Freiheit seien notwendig, um gemeinsam den Willen Gottes zu erkennen. Dabei gelte es nicht, Partikular- oder regionale Interessen zu verfolgen oder bloß organisatorische Lösungen für Probleme zu suchen, sondern treu auf den Ruf Gottes zu antworten. Abschließend ermutigte Papst Leo die Ordensmitglieder, mit Hoffnung in die Zukunft zu gehen und ihre Mission im Dienst der Kirche fortzuführen, unter dem Schutz der Muttergottes von Guadalupe.

(vatican news)

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19. Februar 2026, 09:21