Papst: Inklusion als Maßstab von Arbeit und Wirtschaft
Anne Preckel – Vatikanstadt
Das Projekt geht auf eine katholische Initiative zurück, die 1995 im süditalienischen Policoro in der Region Basilikata ihren Anfang nahm. Anliegen war es, der vor allem in Süditalien schwerwiegenden Jugendarbeitslosigkeit zu begegnen und ein Netzwerk zu gründen, das die Bereiche Jugend, Arbeit und Evangelisierung verband.
In einer Ansprache an Träger und Nutznießer des Projektes würdigte Papst Leo an diesem Samstag die Früchte, die die Initiative in den letzten 30 Jahren getragen hat. Es war ein Netzwerk entstanden, das über Diözesen nicht nur in Süditalien, sondern auch im Zentrum und Norden des Landes Fuß gefasst hat und das jungen Leuten Zukunftsperspektiven bot.
Hartnäckigkeit statt Perspektivlosigkeit
„Ihr jungen Menschen seid das strahlende Gesicht eines Italiens, das nicht aufgibt, die Ärmel hochkrempelt und immer wieder aufsteht“, wandte sich Papst Leo an die Zuhörenden. „Viele haben ,Nein‘ zu Korruption, Ausbeutung und Ungerechtigkeit gesagt; beschlagnahmte Vermögenswerte der Mafia wurden in soziale Projekte investiert; Genossenschaften wurden gegründet, die Städten und Regionen zu neuem Aufblühen verholfen haben; viele junge Menschen wurden bei der Gründung eigener Unternehmen unterstützt“, zählte er auf.
„Darüber hinaus habt ihr unzählige Stunden in Schulen und Gemeinden verbracht, um Menschen über die Bedeutung von Arbeit und Gerechtigkeit aufzuklären, sie für den Frieden zu rüsten und das Bewusstsein für das Gemeinwohl zu stärken. Ihr habt die Wunden junger Menschen geheilt, die ausgegrenzt, desillusioniert und desinteressiert waren.“
Begleitung, Ermutigung, Inklusion
Angesichts des demografischen Wandels, der Abwanderung und der Entmutigung vieler junger Menschen sei dieses Engagement weiterhin gefragt, machte der Papst klar: „Niemand darf vernachlässigt werden, niemand darf sich verlassen fühlen.“ Wesentlich sei, dass junge Menschen befähigt würden, „zu Gestaltern ihrer eigenen Entwicklung und der Zukunft aller Regionen“ zu werden.
Die Träger und Nutznießer des Projektes rief der Papst dazu auf, sich von Evangelium und Soziallehre als „Kompass“ leiten und von italienischen Heiligen inspirieren zu lassen. Bei der Begleitung junger Menschen in Italien in Arbeit und Gesellschaft brauche es gesunden Realismus, schärfte er ein: man dürfe sich weder von „Schwarzmalern blenden“ lassen noch glauben, alles sei „in Ordnung“.
Gutes Miteinander statt Alphatier-Sein
Als wesentliches Gegengewicht in der heutigen Kultur, die Menschen „als isoliert und konkurrenzorientiert“ betrachte, benannte Leo XIV. Gemeinschaft. Sie sei der eigentliche Maßstab gelingender Arbeit, Wirtschaft, Politik, Kommunikation und auch Kirche:
„Die heutige Kultur neigt dazu, uns als isoliert und konkurrenzorientiert zu betrachten. Doch Arbeit, Wirtschaft, Politik und Kommunikation werden nicht vom Genie einzelner Führungspersönlichkeiten getragen, sondern von Experten für soziale Beziehungen. Wenn das Gemeinschaftsleben wächst, in der Gesellschaft wie in der Kirche, schaffen wir die Voraussetzungen für ein gedeihendes Leben.“
Qualität kommt selten aus schlechten Beziehungen
Intelligenz, Talent, Wissen, soziale Organisation und Fleiß entwickelten sich dank guter Beziehungen, erinnerte der Papst, der dazu aufrief, gemeinsam zu „träumen“ und in „gemeinsame Wege zu investieren“ – auch über Italien hinaus.
„Liebe Freunde, geht gemeinsam vertrauensvoll voran. Italien und Europa brauchen euch und euren Enthusiasmus. Hört niemals auf zu träumen und knüpft Verbindungen zu anderen jungen Menschen aus Europa und anderen Kontinenten, die wie ihr die Kirche lieben und in ihrem Namen in der Gesellschaft wirken. Ich begleite euch voller Hoffnung, schließe euch in meine Gebete ein und sende euch und euren Familien herzlich meinen apostolischen Segen. Danke!“
(vatican news – pr)
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