Papst bei Generalaudienz: Die Bibel, Herz und Wegweiser der Kirche
Silvia Kritzenberger - Vatikanstadt
Wegen des anhaltenden Schlechtwetters in Rom wurde die Generalaudienz mit dem Papst auch diesen Mittwoch in die vatikanische Audienzhalle verlegt. Zur großen Freude der Audienzteilnehmer nahm sich Papst Leo wie gewohnt viel Zeit, um die im Eingangsbereich zahlreich versammelten Menschen zu begrüßen und kleine Kinder zu segnen.
Zum Gedenktag Unserer Lieben Frau von Lourdes, den wir an diesem Mittwoch begehen, war deren Statue in der Audienzhalle aufgestellt worden. Bevor er die Generalaudienz einläutete, verharrte Papst Leo dort kurz im stillen Gebet und zündete eine Kerze an.
Die tiefe Verbindung zwischen Kirche und Heiliger Schrift
In seiner fünften Katechese zum Konzilsdokument über die göttliche Offenbarung, Dei Verbum, ging Papst Leo auf die „tiefe und grundlegende Verbindung“ zwischen der Kirche und der Heiligen Schrift ein, die unter Eingebung des Heiligen Geistes inmitten des Volkes Gottes entstanden sei.
„So erinnert das Zweite Vatikanische Konzil ja auch daran, dass „die Kirche die Heiligen Schriften immer verehrt hat wie den Herrenleib selbst…In ihnen zusammen mit der Heiligen Überlieferung sah die Kirche immer und sieht sie die höchste Richtschnur ihres Glaubens“, zitierte Leo XIV. aus der Dogmatischen Konstitution „Dei Verbum“.
Das Lesen und Meditieren der biblischen Texte in der Gemeinschaft der Kirche lasse uns Jesus immer besser kennenlernen – und deshalb höre die Kirche nie auf, „über den Wert der Heiligen Schrift nachzudenken“, so der Pontifex weiter. So habe ja auch Papst Benedikt XVI. im Anschluss an die Bischofssynode 2008 zum Thema „Das Wort Gottes im Leben und in der Sendung der Kirche“ betont, dass „der ursprüngliche Ort der Schriftauslegung das Leben der Kirche ist.“
Gott spricht zu den Menschen wie zu Freunden
Die Heilige Schrift gebe der Kirche Halt und Kraft. Sie rufe alle Gläubigen auf, aus dieser Quelle zu schöpfen – besonders in der Feier der Eucharistie und der Sakramente, stellte Papst Leo fest und verwies auf einen berühmten Kirchenvater:
„Unkenntnis der Schrift ist in der Tat Unkenntnis Christi“: Dieser berühmte Ausspruch des heiligen Hieronymus erinnert uns an den eigentlichen Zweck des Lesens und Meditierens der Heiligen Schrift: Christus kennenzulernen und durch ihn in Beziehung zu Gott zu treten, eine Beziehung, die als Gespräch, als Dialog verstanden werden kann. Die Konstitution Dei Verbum hat uns die Offenbarung als einen solchen Dialog vorgestellt, in dem Gott zu den Menschen spricht wie zu Freunden (vgl. DV, 2). Und das geschieht, wenn wir die Bibel in einer inneren Haltung des Gebets lesen: Dann kommt uns Gott entgegen und spricht zu uns.“
Das Wort Gottes erfülle nicht nur die Kirche selbst, sondern treibe sie auch dazu an, „über sich hinauszugehen“, sich „immer wieder neu für ihre Sendung zu öffnen, die sich an alle Menschen richtet.“
„Denn wir leben umgeben von vielen Worten – doch wie viele davon sind leer! Mitunter hören wir auch kluge Worte, die uns die Antwort nach unserem letzten Ziel aber doch schuldig bleiben,“ gab der Papst zu bedenken. „Das Wort Gottes dagegen stillt unseren Hunger nach dem Sinn und der Wahrheit über unser Leben. Es ist das einzige Wort, das immer neu ist: Indem es uns das Geheimnis Gottes offenbart, ist es unerschöpflich und hört niemals auf, uns seinen Reichtum zu schenken.“
Wer das Wort Gottes also höre und lebe, der erfährt seine Kraft und begegnet Christus – in der Kirche und in der Welt, geleitet von Maria, der Mutter der Kirche.
Abschließend sagte der Papst:
„Christus ist das lebendige Wort des Vaters, das fleischgewordene Wort Gottes. Die ganze Heilige Schrift verkündet seine Person und seine rettende Gegenwart – für jeden von uns und für die ganze Menschheit. Öffnen wir also Herz und Geist, um dieses Geschenk anzunehmen – in der Schule Marias, Mutter der Kirche.“
(vaticannews – skr)
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