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Papst Leo und sein Privatsekretär bei der Generalaudienz an diesem Mittwoch Papst Leo und sein Privatsekretär bei der Generalaudienz an diesem Mittwoch

Papst: Bei Schriftauslegung Fundamentalismus vermeiden

Bei seiner Generalaudienz hat Papst Leo vor „fundamentalistischen oder spiritualistischen Lesarten“ der Heiligen Schrift gewarnt und die Sendung der Kirche bekräftigt, das Wort Gottes in einer Sprache zu verkünden, die die Herzen der Menschen erreicht. „Wenn die Verkündigung den Kontakt zur Realität verliert, wenn sie eine unverständliche, wenig kommunikative oder anachronistische Sprache verwendet, ist sie wirkungslos,“ betonte das Kirchenoberhaupt in seiner Katechese an diesem Mittwoch.

Silvia Kritzenberger - Vatikanstadt

„Die biblischen Texte wurden nicht in einer himmlischen oder übermenschlichen Sprache verfasst. Wie uns auch die tägliche Realität lehrt, können sich zwei Menschen, die verschiedene Sprachen sprechen, nicht verständigen, nicht miteinander ins Gespräch kommen, keine Beziehung aufbauen. In manchen Fällen ist es ein erster Akt der Liebe, sich dem anderen verständlich zu machen. Deshalb entscheidet sich Gott dafür, in menschlichen Sprachen zu sprechen, und so haben verschiedene Autoren, inspiriert vom Heiligen Geist, die Texte der Heiligen Schrift verfasst.“ Das gab der Papst in seiner fortlaufenden Katechese zur Dogmatischen Konstitution Dei Verbum zu bedenken.

Das Dokument des Zweiten Vatikanischen Konzils über die göttliche Offenbarung erinnere also daran, dass sich Gott in menschlicher Sprache mitteile – und dass genau darin die Herausforderung für die Auslegung und Verkündigung heute liege.

„Wenn also die Heilige Schrift das Wort Gottes in menschlichen Worten ist, ist jeder Ansatz, der eine dieser beiden Dimensionen vernachlässigt oder leugnet, unvollständig“

„Wenn also die Heilige Schrift das Wort Gottes in menschlichen Worten ist, ist jeder Ansatz, der eine dieser beiden Dimensionen vernachlässigt oder leugnet, unvollständig,“ spann der Papst den Faden weiter. „Daraus folgt, dass eine korrekte Auslegung der heiligen Texte nicht das historische Umfeld, in dem sie entstanden sind, und die verwendeten literarischen Formen außer Acht lassen darf; vielmehr birgt der Verzicht auf das Studium der menschlichen Worte, derer sich Gott bedient hat, die Gefahr, zu fundamentalistischen oder spiritualistischen Lesarten der Schrift zu führen, die ihre Bedeutung verfälschen.“

Blick in die Audienzhalle
Blick in die Audienzhalle   (@VATICAN MEDIA)

Das Wort Gottes in einer Sprache verkünden, die die Herzen der Menschen erreicht

Und dasselbe gelte auch für die Verkündigung des Wortes Gottes: Eine Sprache, die den Kontakt zur Lebenswirklichkeit der Menschen – ihren Hoffnungen, Sorgen und Leiden – verliere oder unverständlich bleibe, verfehle ihren Auftrag, so der Papst weiter. Daher sei die Kirche auch in jeder Epoche gerufen, das Wort Gottes in einer Sprache zu verkünden, die die Herzen erreichen kann. Die Bibel sei also kein „Buch der Vergangenheit“, sondern wolle – besonders in der Liturgie – das Leben der Gläubigen unserer Zeit ansprechen und Orientierung geben.

Hier zum Nachhören

Wörtlich sagte der Papst:

„Die Heilige Schrift will, vor allem wenn sie im Rahmen der Liturgie verkündet wird, zu den Gläubigen von heute sprechen, ihr gegenwärtiges Leben mit seinen Problemen berühren, die zu unternehmenden Schritte und die zu treffenden Entscheidungen erhellen. Dies wird nur möglich, wenn der Gläubige die heiligen Texte unter der Führung desselben Geistes liest und auslegt, der sie inspiriert hat.“

Papst Leo an diesem Mittwoch
Papst Leo an diesem Mittwoch   (@VATICAN MEDIA)

Heilige Schrift: Im historischen Kontext lesen, im Glauben auslegen, im Alltag fruchtbar machen

Die Heilige Schrift wolle also nicht nur ausgelegt, sondern gelebt werden, schlussfolgerte Papst Leo. Sie spreche nur dann wirklich zu den Menschen von heute, wenn sie im historischen Kontext gelesen, im Glauben ausgelegt und im Alltag der Gläubigen fruchtbar werde.

Die Generalaudienz am 4. Februar
Die Generalaudienz am 4. Februar   (@Vatican Media)

Abschließend gab der Pontifex seinen Zuhörern noch folgenden Denkanstoß mit auf den Weg:

„Der göttliche Ursprung der Heiligen Schrift erinnert uns auch daran, dass das Evangelium, das dem Zeugnis der Getauften anvertraut ist, zwar alle Dimensionen des Lebens und der Wirklichkeit umfasst, diese aber auch übersteigt: Es lässt sich nicht auf eine rein philanthropische oder soziale Botschaft reduzieren; es ist vielmehr die freudige Verheißung des ewigen Lebens, des Lebens in Fülle, das Gott uns in Jesus geschenkt hat.“ 

(vaticannews – skr)

 

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04. Februar 2026, 11:18