Papst Leo XIV. stellt das „Zuhören“ ins Zentrum der Fastenzeit
Mario Galgano - Vatikanstadt
Für den Papst beginnt der Weg der christlichen Umkehr nicht mit Aktionismus, sondern mit Stille. Das Zuhören sei das erste Anzeichen für den Wunsch, mit anderen in Beziehung zu treten. Leo XIV. zieht dabei eine Parallele zur biblischen Exoduserzählung: So wie Gott das Elend seines Volkes in Ägypten hörte, müsse auch die Kirche heute lernen, die Stimmen derer wahrzunehmen, die unter Ungerechtigkeit leiden.
„Die Lebenssituation der Armen ist ein Schrei“
Der Papst findet deutliche Worte für die soziale Verantwortung der Gläubigen. „Die Lebenssituation der Armen ist ein Schrei, der in der Geschichte der Menschheit unser eigenes Leben, unsere Gesellschaften, die politischen und wirtschaftlichen Systeme und nicht zuletzt auch die Kirche beständig hinterfragt“, schreibt der Pontifex. Das Hören auf Gottes Wort in der Liturgie müsse die Menschen dazu befähigen, in der Kakofonie des Alltags jene Stimmen zu erkennen, die aus Not hervorgehen.
Fasten als Schule der Sehnsucht
Beim Thema Fasten greift Leo XIV. auf die Gedanken des heiligen Augustinus zurück. Der Verzicht auf Nahrung sei kein Selbstzweck, sondern eine asketische Übung, um die eigenen „Appetite“ zu ordnen. Er helfe dabei, den „Hunger nach Gerechtigkeit“ wachzuhalten. „Wer sich nicht mit dem Wort Gottes nährt, fastet nicht wirklich“, stellt der Papst klar. Nur eine authentische Askese mache das christliche Leben stark.
Aufruf gegen verbale Gewalt
Ein besonderer Akzent der Botschaft liegt auf der Kommunikation im digitalen und politischen Raum. Leo XIV. lädt zu einer „wenig geschätzten Form des Verzichts“ ein: dem Verzicht auf verletzende Worte.
„Beginnen wir damit, unsere Sprache zu entwaffnen, indem wir auf scharfe Worte, voreilige Urteile, schlechtes Reden über Abwesende (...) und Verleumdungen verzichten“, appelliert der Papst. Dieser Verzicht solle alle Lebensbereiche durchdringen – von der Familie über den Arbeitsplatz bis hin zu den sozialen Medien und politischen Debatten. Ziel sei es, dass „Worte des Hasses Worten der Hoffnung und des Friedens weichen“.
Gemeinsamer Weg statt individueller Leistung
Abschließend betont der Papst die gemeinschaftliche Dimension der Fastenzeit. Umkehr betreffe nicht nur das individuelle Gewissen, sondern den Stil der Beziehungen und die Qualität des Dialogs in der gesamten Menschheit. Er schließt mit dem Gebet um eine Fastenzeit, die „unser Ohr aufmerksamer macht für Gott und die Geringsten“.
(vatican news)
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