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Papst Leo trägt beim Weltjugendtag von Rom im Sommer 2025 das Kreuz des Heiligen Jahres Papst Leo trägt beim Weltjugendtag von Rom im Sommer 2025 das Kreuz des Heiligen Jahres  (ANSA)

Radio-Akademie (2): Kar- und Ostergedanken von Papst Leo

Es sind seine bisher persönlichsten, geistlichsten Texte: Schon kurz nach seiner Wahl im Mai letzten Jahres hat Leo XIV. damit begonnen, sich eingehend mit dem Leiden und der Auferweckung Jesu zu beschäftigen.

Diese Texte stellen wir in unserer Radio-Akademie zur Fastenzeit 2026 vor – eine gute Gelegenheit, zusammen mit dem neuen Papst zu beten und zu meditieren. Wobei sich schnell eine geistliche Methode herausschält, die Leo XIV. bei der Betrachtung der Heiligen Schrift anwendet: Er lässt sich nämlich gern von kleinen Beobachtungen am Rand ansprechen. Von scheinbar geringfügigen Details, die aber doch das große Ganze in ein ganz neues Licht tauchen.

Die kleinen Details am Rande

Ein solches Detail ist das Jesuswort aus dem Johannesevangelium „Mich dürstet“. Gesprochen in einem Moment, in dem Jesus längst der Prozess gemacht ist: Er hängt am Kreuz und stirbt unter entsetzlichen Qualen. Papst Leo weist darauf hin, dass der Sterbende einfach um etwas bettelt, das er sich selbst nicht geben kann.

„Der Durst des Gekreuzigten ist nicht nur das physiologische Bedürfnis eines geschundenen Leibes. Er ist auch und vor allem Ausdruck einer tiefen Sehnsucht: nach Liebe, nach Beziehung, nach Gemeinschaft. Er ist der stumme Schrei eines Gottes, der alle Aspekte unseres menschlichen Lebens mit uns teilen will und sich auch von diesem Durst erfüllen lässt. Eines Gottes, der sich nicht schämt, um einen Schluck zu Trinken zu betteln, denn mit dieser Geste sagt er uns, dass die Liebe, um wahr zu sein, auch lernen muss zu bitten und nicht nur zu geben.“

„Die Liebe ist bedürftig geworden, und gerade deshalb hat sie ihr Werk vollendet“

Papst Leo: Betrachtungen zu Tod und Auferstehung Jesu - Radio-Akademie von Radio Vatikan (Auszug)


„Mich dürstet“ ist somit in der Deutung des Papstes ein Satz, der etwas zutiefst Menschliches offenbart. Nämlich dass jeder von uns auf andere angewiesen ist. „Das Leben ist nicht dann ‚vollbracht‘, wenn wir stark sind, sondern wenn wir lernen zu empfangen. Und genau in jenem Augenblick, nachdem er von fremden Händen einen mit Essig getränkten Schwamm erhalten hat, verkündet Jesus: ‚Es ist vollbracht‘. Die Liebe ist bedürftig geworden, und gerade deshalb hat sie ihr Werk vollendet.“

Das ist das „christliche Paradoxon“, so wie Papst Leo es sieht: „Gott rettet nicht, indem er etwas tut, sondern indem er etwas mit sich tun lässt. Nicht, indem er das Böse mit Gewalt besiegt, sondern indem er die Schwachheit der Liebe ganz annimmt. Die Vollendung unserer menschlichen Natur im Plan Gottes ist kein Kraftakt, sondern eine Geste des Vertrauens“ und der Bitte.


Jesu Durst am Kreuz ist auch unser Durst

„Diese scheinbar so einfache Wahrheit ist nur schwer zu akzeptieren. Wir leben in einer Zeit, die Selbstgenügsamkeit, Effizienz, Leistung belohnt. Doch das Evangelium zeigt uns, dass unsere Menschlichkeit nicht daran gemessen wird, was wir erreichen können, sondern an der Fähigkeit, uns lieben und, wenn nötig, auch helfen zu lassen. Jesus rettet uns, indem er uns zeigt, dass Bitten nicht unwürdig, sondern befreiend ist.“

Und damit ist der Durst Jesu am Kreuz auch unser Durst: Der Schrei der verletzten Menschheit, die immer noch das lebendige Wasser sucht. Und dieser Durst entfernt uns nicht von Gott, sondern vereint uns vielmehr mit ihm. Unsere Schwäche ist geradezu eine Brücke zum Himmel. Gerade im Bitten – nicht im Besitzen – öffnet sich ein Weg zur Freiheit. Weil wir aufhören, den Anspruch zu erheben, dass wir uns selbst genügen und keinen anderen brauchen.

Papst Leo bei einer Generalaudienz
Papst Leo bei einer Generalaudienz   (@Vatican Media)

„Eine Freude, die die Welt nicht kennt“

„In der Geschwisterlichkeit, im einfachen Leben, in der Kunst, ohne Scham zu bitten und ohne Berechnung zu geben, verbirgt sich eine Freude, die die Welt nicht kennt. Eine Freude, die uns zur ursprünglichen Wahrheit unseres Seins zurückführt: Wir sind Geschöpfe, die dazu geschaffen sind, Liebe zu schenken und zu empfangen… Fürchten wir nicht zu bitten, vor allem, wenn uns scheint, dass wir es nicht verdient haben. Schämen wir uns nicht, die Hand auszustrecken. Gerade dort, in jener demütigen Geste, liegt das Heil verborgen.“

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Falls Sie die ganze Sendereihe in dieser Fastenzeit in Ruhe nachhören möchten: Wir schicken Ihnen gerne eine entsprechende CD zu, Ihre Spende kommt dem kirchlichen Dienst von Radio Vatikan zugute. Bestellen können Sie die CD per Mail an: cd@vaticannews.de - unser Freundeskreis versendet aus Deutschland.

(vatican news)
 

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08. März 2026, 10:56