Papst betont Würde der Laien und Unfehlbarkeit der Kirche
Stefan von Kempis – Vatikanstadt
Es war ein dichter theologischer Text, mit dem Leo XIV. die Pilger und Touristen auf dem römischen Petersplatz begrüßte. Der Papst ging von der Konzilskonstitution „Lumen gentium“ (LG) aus, um über die Kirche als „Volk Gottes“ nachzudenken.
„Das ‚messianische Volk‘ (LG, 9) erhält von Christus die Teilhabe am priesterlichen, prophetischen und königlichen Wirken, in dem sich sein Heilsauftrag verwirklicht. Die Konzilsväter lehren, dass der Herr Jesus durch den neuen und ewigen Bund ein Königreich von Priestern errichtet hat, indem er seine Jünger zu einem ‚königlichen Priestertum‘ (1 Petr 2,9; vgl. 1 Petr 2,5; Offb 1,6) eingesetzt hat. Dieses allgemeine Priestertum der Gläubigen wird durch die Taufe geschenkt…“
Gemeinsame Sendung von Laien und Geweihten
Und durch die Firmung werde es, so fuhr Leo fort, bekräftigt. Der Papst sprach von einer „gemeinsamen Sendung, die die geweihten Amtsträger und die gläubigen Laien verbindet“. Und er zitierte seinen Vorgänger Franziskus mit der Bemerkung, man solle sich doch bitte daran erinnern, „dass wir alle als Laien in die Kirche eintreten“.
„Die Konzilsväter lehren ferner, dass das heilige Volk Gottes auch an dem prophetischen Amt Christi teilhat (vgl. LG, 12). In diesem Zusammenhang wird das wichtige Thema des Glaubenssinns und der Übereinstimmung der Glaubenden eingeführt. Die Lehrkommission des Konzils präzisierte, dass dieser sensus fidei ‚wie eine Fähigkeit der ganzen Kirche ist, dank derer sie in ihrem Glauben die überlieferte Offenbarung erkennt, in Glaubensfragen zwischen Wahrem und Falschem unterscheidet und gleichzeitig tiefer in sie eindringt und sie vollständiger im Leben anwendet‘ (vgl. Acta Synodalia, III/1, 199). Der Glaubenssinn gehört also den einzelnen Glaubenden nicht aus eigenem Recht, sondern als Glieder des Volkes Gottes in seiner Gesamtheit.“
„Gesamtheit der Gläubigen kann im Glauben nicht irren“
Das war eine wichtige Präzisierung zum Thema Unfehlbarkeit der Kirche: eine Unfehlbarkeit, der „diejenige des Papstes innewohnt und der sie dient“, so Leo XIV. auf einer Linie mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Der Papst zitierte den entsprechenden Absatz aus „Lumen Gentium“: „Die Gesamtheit der Gläubigen, welche die Salbung von dem Heiligen haben (vgl. 1 Joh 2,20.27), kann im Glauben nicht irren. Und diese ihre besondere Eigenschaft macht sie durch den übernatürlichen Glaubenssinn des ganzen Volkes dann kund, wenn sie von den Bischöfen bis zu den letzten gläubigen Laien ihre allgemeine Übereinstimmung in Sachen des Glaubens und der Sitten äußert“ (LG, 12).
„Die Kirche als Gemeinschaft der Gläubigen, zu der natürlich auch die Hirten gehören, kann sich also im Glauben nicht irren: Das Organ dieser Eigenschaft, gegründet auf die Salbung durch den Heiligen Geist, ist der übernatürliche Glaubenssinn des ganzen Volkes Gottes, der sich in der Übereinstimmung der Glaubenden manifestiert. Aus dieser Einheit, die das kirchliche Lehramt bewahrt, folgt, dass jeder Getaufte ein aktives Subjekt der Evangelisierung ist, dazu berufen, ein kohärentes Zeugnis für Christus zu geben, entsprechend der prophetischen Gabe, die der Herr seiner ganzen Kirche schenkt.“
Friedensgedanken in arabischem Grußwort
Leo XIV. referierte noch kurz die unterschiedlichen Gaben, die der Heilige Geist unter Glaubenden jeglichen Standes ausstreue: Das führe zu einer „charismatischen Lebendigkeit“ der Kirche.
Auf die aktuelle Weltlage ging der Papst bei seiner Generalaudienz nicht ein. Nur in den Grüßen an Audienzteilnehmer aus dem arabischen Sprachgebiet streifte er das Thema Krieg und Frieden. „Christen sind dazu aufgerufen, Werkzeuge von Frieden, Liebe und Versöhnung zu sein, damit der wahre Friede unter allen Völkern herrschen kann.“
(vatican news)
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