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Bei der Begegnung an diesem Montag im Vatikan Bei der Begegnung an diesem Montag im Vatikan  (@Vatican Media)

Papst an Kinderschutz-Kommission: Lernen aus Zusammenarbeit

Leo XIV. hat die Päpstliche Kinderschutzkommission dazu ermutigt, im Bereich der Missbrauchsprävention noch stärker mit den vatikanischen Dikasterien zusammenzuarbeiten. Kirchliche Umkehr und Erneuerung führe über das Anhören von Opfern und Überlebenden, erinnerte er am Montag bei einer Audienz für das Gremium.

Anne Preckel – Vatikanstadt

Dass sein Vorgänger Franziskus die Kinderschutzkommission im zentralen Kurienorgan des Glaubens-Dikasteriums angesiedelt habe, zeige, dass Missbrauchsprävention „konstitutiver Bestandteil der Sendung der Kirche sei“, betonte Leo XIV. bei der Begegnung mit der Päpstlichen Kinderschutzkommission im Vatikan. Das Gremium kommt in diesen Tagen zu seiner Plenarsitzung zusammen.

„Prävention ist niemals nur ein Paket von Vorschriften und Verfahren. Es geht darum, in der gesamten Kirche eine Kultur der Fürsorge zu schaffen, in der der Schutz von Minderjährigen und vulnerablen Erwachsenen nicht als eine von außen auferlegte Verpflichtung angesehen wird, sondern als natürlicher Ausdruck des Glaubens.“

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Prävention sei keine „Option“ oder auferlegte Aufgabe, sondern ein „natürlicher Ausdruck des Glaubens“, so der Papst. In der ganzen Kirche gelte es eine „Kultur der Fürsorge“ zu schaffen, um Minderjährige und vulnerable Erwachsene zu schützen. Der Schutz dieser Personen sei kein „isolierter Bereich“, sondern müsse Seelsorge, Ausbildung, Leitung und Disziplin durchdringen.  

Betroffene im Zentrum

„Demut, während wir bemüht sind, den Opfern und Überlebenden zu helfen.“

Als zentral stellte der Papst in seiner Ansprache das Anhören Betroffener heraus, das Teil eines Prozesses der kirchlichen Umkehr sei und „uns zum Handeln bewegt“, wie er formulierte. Er selbst hat seit Amtsantritt als Papst bereits mehrfach Missbrauchsüberlebende getroffen, darunter auch öffentlich sichtbar Betroffenenverbände – im Vatikan eine Neuheit.

„In dieser Hinsicht sind die Erfahrungen der Opfer und Überlebenden wichtige Bezugspunkte. Auch wenn es sicher schmerzhaft und belastend ist, sie anzuhören, bringen diese Erfahrungen die Wahrheit eindringlich ans Licht und lehren uns Demut, während wir bemüht sind, den Opfern und Überlebenden zu helfen. Zugleich eröffnet gerade die Anerkennung des erlittenen Leids einen glaubwürdigen Weg der Hoffnung und Erneuerung.“

Leo XIV. dankte der Kinderschutzkommission für ihren Dienst, der „anspruchsvoll“, „manchmal still“ und „oftmals beschwerlich“, aber „für den Aufbau einer authentischen Kultur der Fürsorge ganz wesentlich“ sei. Den Dialog des Gremiums mit der Disziplinarabteilung des Glaubens-Dikasteriums bezeichnete der Papst als ermutigend. Dadurch kämen Prävention und „wachsame Disziplin“ synergetisch und wirksam zusammen.

Bitte um mehr Zusammenarbeit

„Ich erwarte von euch, dass ihr die Zusammenarbeit mit ihnen noch stärker intensiviert, damit sie eure Arbeit mit ihrem Wissen bereichern können.“

Wichtig sei auch die Zusammenarbeit mit anderen Dikasterien und Safeguarding-Institutionen, erinnerte er weiter. Dieser interdisziplinäre Austausch mit anderen Institutionen sei jedoch ausbaufähig, wie Papst Leo verdeutlichte.

„Ich erwarte von euch, dass ihr die Zusammenarbeit mit ihnen noch stärker intensiviert, damit sie eure Arbeit mit ihrem Wissen bereichern können. Gleichzeitig können auch sie von den Erfahrungen profitieren, die die Kinderschutz-Kommission in diesen elf Jahren ihrer Tätigkeit gesammelt hat, insbesondere durch das aufmerksame und aufrichtige Zuhören, das ihr den Opfern, Überlebenden und ihren Familien entgegenbringt.“

Zuhören und Begleiten der Opfer müssten in jeder kirchlichen Gemeinschaft und Institution konkret umgesetzt werden, bekräftigte der Papst. Die Kinderschutz-Kommission solle diesen Prozess unterstützen und dafür als Anlaufstelle zur Verfügung stehen. Ordinarien und höhere Ordensobere rief er auf, sich ihrer Verantwortung  zu stellen, „die nicht delegiert werden kann“.

Verletzlichkeit und Cyber-Missbrauch

Die Unterstützung von Ortskirchen des globalen Südens mit Ressourcen und Fachwissen im Bereich der Missbrauchsprävention, die die Kinderschutz-Kommission mit der so genannten „Memorare“-Initiative umsetzt, lobte der Papst. Er wolle weiter über Fortschritte und Entwicklungsbedarf informiert werden, merkte er an und verwies auf die Jahresberichte der Kinderschutz-Kommission, die dazu unter anderem Rechenschaft ablegen.

Gut informiert über die Arbeit seiner Kinderschutz-Kommission zeigte sich der Papst auch in einem anderen Bereich: Positiv äußerte er sich dazu, dass das Gremium das Konzept der Vulnerabilität, der Verletzlichkeit, in Bezug auf Missbrauch vertieft. Verletzlich können etwa nicht nur per se Kinder sein, sondern auch Erwachsene mit Behinderung oder in bestimmten, missbräuchlichen Kontexten.

Zweitens erwähnte der Papst die Absicht der Kommission, den Bereich des Missbrauchs von Minderjährigen im digitalen Raum stärker in den Blick zu nehmen. Dieser Missbrauch hat mit der technischen Verfügbarkeit und der fehlenden Kontrolle im Bereich des Internet in den letzten Jahren weltweit massiv zugenommen.

Universelle Richtlinien in Arbeit

„Indem ihr diese ,Zeichen der Zeit‘ deutet, helft ihr der Kirche, Safeguarding-Herausforderungen mutig anzugehen und mit pastoraler Klarheit und struktureller Erneuerung darauf zu antworten“, so Papst Leo. Dies nehme in der Entwicklung einer „Rahmenordnung weltweiter Leitlinien (Universal Guidelines Framework)“ bereits konkrete Gestalt an, ging Leo XIV. auf eine weitere Baustelle der Kinderschutz-Kommission ein.

„Gern erwarte ich den endgültigen Entwurf, damit er nach angemessener Prüfung und Unterscheidung veröffentlicht werden kann.“

Die Rahmenordnung umfasst laut Angaben der Kinderschutz-Kommission Safeguarding-Grundsätze, Anwendungsverfahren sowie Indikatoren, die über die Wirksamkeit der Maßnahmen in den einzelnen Ortskirchen Aufschluss geben sollen. An Instrumenten der Evaluation werde derzeit gearbeitet, heißt es auf der Internetseite des Gremiums.

(vatican news – pr)

 

 

 

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16. März 2026, 12:20