Papst in Monaco: Wohlstand im Dienst an Recht und Gerechtigkeit
Monaco zeichne sich durch eine „tiefe Verbundenheit mit der Kirche von Rom und den katholischen Glauben“ aus, hob der Papst in seiner ersten Ansprache hervor. Auf dem Platz vor dem Fürstenpalast hatten sich zahlreiche Gläubge versammelt, die ihm zujubelten. Er freue sich, als erster Papst in der Neuzeit das Fürstentum besuchen zu können, wandte er sich vom Balkon des Fürstenpalastes aus an seine Zuhörer. Neben ihm stand das Fürstenpaar, auch beide Kinder der Eheleute waren zeitweise zu sehen.
Berufung zu Begegnung und sozialer Freundschaft
Leo XIV. verwies in seinem Grußwort auf Monacos besondere Stellung als unabhängiger Staat auf dem europäischen Kontinent. „Eingebettet zwischen Gründungsländern der europäischen Einheit“ habe das Land „eine Berufung zur Begegnung und zur Pflege der sozialen Freundschaft“, hob er hervor – diese Werte seien „heute durch ein weit verbreitetes Klima der Abschottung und Selbstgenügsamkeit bedroht“, zeigte er sich besorgt.
Kritik an Machtmissbrauch in der Welt
Monaco könne hier auch weltweit ein Zeichen setzen, so der Papst: „Das Geschenk der Kleinheit und ein lebendiges geistliches Erbe verpflichten Ihren Wohlstand zum Dienst an Recht und Gerechtigkeit, besonders in einem Moment der Geschichte, in dem die Zurschaustellung von Macht und die Logik des Machtmissbrauchs der Welt Schaden zufügen und den Frieden gefährden.“
Mitnichten nur Reiche
Monacos vielfältige Gesellschaft sei ein „Mikrokosmos“, so der Papst, neben einflussreichen Persönlichkeiten im Bereich der Wirtschaft und Finanzen gebe es Touristen und Menschen aus vielen verschiedenen Ländern, die Dienstleistungsberufe ausübten. Neben den Monegassen, den Franzosen und Italienern, die jeweils ein Fünftel der Bevölkerung ausmachen, sind in Monaco rund 150 Nationalitäten vertreten, darunter Portugiesen und Filipinos, die stark im kirchlichen Leben engagiert sind. Monacos Gesellschaft ist also international und sozial vielfältig, wenn der Kleinstaat an der französischen Riviera heute auch vor allem als steuergünstiges Umfeld für Wohlhabende bezeichnet wird - etwa jeder Dritte der rund 38.500 Einwohner ist Millionär. „Für einige“ sei das Leben in dem Land ein Privileg, formulierte Papst Leo in seiner Ansprache, und „für alle eine besondere Aufforderung, sich nach dem eigenen Platz in der Welt zu fragen“. Leo XIV. betonte: „In Gottes Augen empfängt man nichts ohne Grund."
Wandel aus dem Glauben heraus
Leo XIV. verwies auf die Besonderheit Monacos als einem der wenigen Länder der Welt, in der der katholische Glaube Staatsreligion ist. Der christliche Glaube zeichne sich durch Geschwisterlichkeit, Hoffnung, Begegnung, Teilen und Inklusion aus, erinnerte der Papst. Dazu gehöre auch, „bereit zu sein, alles menschliche Leben liebevoll zu schützen, zu jeder Zeit und unter allen Umständen, damit niemand jemals vom Tisch der Geschwisterlichkeit ausgeschlossen wird“, so der Papst. Das Reich Gottes erschüttere ungerechte Machtverhältnisse und Strukturen der Sünde, „welche Abgründe zwischen Arm und Reich, zwischen Privilegierten und Ausgeschlossenen, zwischen Freunden und Feinden aufreißen“.
Neues und Hoffnung - auch im säkularen Kontext
Der Papst ermutigte seine Zuhörer dazu, in der Perspektive einer „ganzheitlichen Ökologie“ und des christlichen Glaubens neue Wege der Problemlösung zu suchen und zu „Experten für Neues“ zu werden. Es gelte „die Soziallehre der Kirche zu vertiefen und gute lokale und internationale Praktiken zu entwickeln, die ihre verwandelnde Kraft zeigen“, formulierte Leo XIV. Die Säkularisierung sei dabei kein Hindernis, zeigte er sich überzeugt: „Auch in einer wenig religiösen, stark säkularisierten Kultur kann die für die Soziallehre typische Herangehensweise bei der Problemlösung das große Licht offenbaren, das vom Evangelium her in unsere Zeit hineinstrahlt – eine Zeit, in der es vielen Menschen so schwerfällt, zu hoffen.“
Nicht „vergänglichen Gütern“ nachjagen
Statt „vergänglichen Gütern“ nachzujagen gelte es „mit freiem Herzen und erleuchtetem Verstand“ auf „nie dagewesene Herausforderungen“ zu reagieren, so der Papst. Um sozialen Fortschritt zu fördern, brauche es „Licht“, eine „Lehre“, zitierte Papst Leo den heiligen Paul VI. zum 75. Jahrestag der Sozialenzyklika „Rerum Novarum“: „Es ist das Denken, das das Leben leitet; und wenn das Denken die Wahrheit widerspiegelt – die Wahrheit über den Menschen, über die Welt, über die Geschichte, über die Dinge –, dann kann der Weg offen und zügig weitergehen“ (vgl. Predigt vom 22. Mai 1966).
„Das sind sehr aktuelle Worte!“, kommentierte der Papst: „Deshalb wollen wir Maria, Sitz der Weisheit und Ursache unserer Freude, bitten, sie möge uns stets mit unserem Verstand, unserem Herzen und unseren Entscheidungen zu Christus, dem Friedensfürsten, führen: Der Friede sei mit euch!“
Fürst Albert II. betont Gemeinsamkeiten und christliche Tradition
Fürst Albert II. hob in seinem Grußwort hervor, dass im Fürstentum Monaco christliche Werte tief verwurzelt seien und dass es viele Gemeinsamkeiten mit den Anliegen des Heiligen Stuhles gebe, darunter der Einsatz für das Leben und den Frieden.
„In einer Zeit, in der bewaffnete Konflikte ausbrechen, in der Gewalt zu triumphieren scheint, wissen wir wie Sie, dass Frieden nur dann von Dauer sein kann, wenn er auf Gerechtigkeit gründet und auf Versöhnung ausgerichtet ist. Wenn er durch ,Dialog, der wirklich eine Lösung für alle sucht‘, und nicht durch Waffen erreicht wird“, wandte er sich an den Papst. „Denn wir wissen, genau wie Sie, dass auch kleine Staaten zur Verbesserung der Welt beitragen können, vorausgesetzt, sie bleiben ihren Werten treu und sind in ihrer Entschlossenheit standhaft“, versicherte er.
Der Papstbesuch sei ein historischer Moment, so der Fürst, der sich erfreut darüber zeigte, dass Papst Leo das Fürstentum in seinem ersten Pontifikatsjahr besucht.
Wie es weitergeht
Nächster Programmpunkt ist ein Treffen des Papstes mit der katholischen Gemeinschaft und der Jugend. Am Nachmittag feiert er eine Messe im Fußballstadion des AS Monaco. Nach etwa neunstündigem Programm wird Leo XIV. gegen 19.45 Uhr im Vatikan zurückerwartet.
(vatican news – pr)
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