Die Audienz im Vatikan Die Audienz im Vatikan  (@Vatican Media)

Papst an Fokolar-Bewegung: Einheit ist keine Uniformität

Papst Leo XIV. hat an diesem Samstag die Teilnehmer der Generalversammlung des „Werkes Mariens“, besser bekannt als Fokolar-Bewegung, in Audienz empfangen. Nach einer herzlichen Begrüßung, bei der er sich für seine Verspätung entschuldigte, würdigte das Kirchenoberhaupt das Wirken der Bewegung, sparte jedoch nicht mit Hinweisen zu strukturellen Reformen und zum Schutz der persönlichen Freiheit der Mitglieder.

Mario Galgano - Vatikanstadt

In seiner Ansprache betonte der Papst, dass sich die Bewegung in einer entscheidenden „Post-Gründerphase“ befinde. Es gelte nun zu unterscheiden, welche Praktiken wesentlich für das Charisma seien und welche – obwohl lange in Gebrauch – aufgegeben werden müssten, da sie problematische Aspekte aufwiesen.

Leo XIV. forderte ein „starkes Engagement für Transparenz“ auf allen Ebenen der Verantwortlichkeit. Transparenz sei zum einen eine Bedingung für die Glaubwürdigkeit der Organisation und zum anderen ein Recht der Mitglieder, die als Mitverantwortliche des gemeinsamen Werkes wahrgenommen werden müssten. Eine stärkere Einbeziehung aller Mitglieder fördere das Wachstum und mache verborgene Potenziale nutzbar.

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Einheit versus Uniformität

Ein zentraler Punkt der päpstlichen Mahnung betraf den Umgang mit der Individualität. Der Papst warnte davor, Einheit als „Uniformität des Denkens, der Meinung oder des Lebensstils“ misszuverstehen. Eine solche Auslegung könne dazu führen, die eigenen Überzeugungen abzuwerten und die persönliche Freiheit sowie das Hören auf das eigene Gewissen zu beeinträchtigen.

„Die Einheit, die ihr zu leben und zu bezeugen versucht, verwirklicht sich primär ‚in Gott‘“, erklärte der Papst. Das gemeinsame Handeln müsse stets die Freiheit und das Gewissen des Einzelnen respektieren. Er zitierte die Gründerin Chiara Lubich mit dem Satz, dass die „Voraussetzung jeder Norm die Liebe“ sei. Diese Liebe fordere Großmut, Wohlwollen und Respekt und dürfe nicht den eigenen Vorteil suchen.

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Dank für weltweites Engagement

Trotz der mahnenden Worte drückte Leo XIV. seine Dankbarkeit für die Früchte der Bewegung aus. Er hob den Einsatz von Jugendlichen, Familien sowie Priestern und Bischöfen hervor, die durch die Spiritualität der Bewegung eine Erneuerung erfahren hätten. Insbesondere würdigte er jene Mitglieder, die weltweit unter oft schwierigen Bedingungen ein Leben des Gebets, des Dialogs und der Evangelisierung führen.

Abschließend ermutigte der Papst die Anwesenden, ihren Weg fortzusetzen, und erteilte den apostolischen Segen, bevor er die Versammlung einlud, gemeinsam das „Vaterunser“ zu singen.

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Hintergrund: Die Fokolar-Bewegung

Die Fokolar-Bewegung ist eine 1943 von Chiara Lubich in Trient gegründete geistliche Gemeinschaft innerhalb der katholischen Kirche, die heute weltweit in über 180 Ländern vertreten ist. Ihr zentrales Anliegen ist die Verwirklichung des biblischen Satzes „Alle sollen eins sein“ (Joh 17,21). Die Bewegung zeichnet sich durch ein starkes Engagement im ökumenischen und interreligiösen Dialog sowie in gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Projekten aus. Neben Laien gehören ihr auch Priester und Ordensleute an.

(vatican news)

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21. März 2026, 13:40