Papst Leo XIV. fordert Ende der medizinischen Ungleichheit
Mario Galgano - Vatikanstadt
Anlass der Audienz am Vormittag, noch vor der Generalaudienz, war die Fachtagung „Wer ist heute mein Nächster?“, bei der der zweite europäische Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur gesundheitlichen Chancengleichheit vorgestellt wurde. Der Papst zeigte sich besorgt über die wachsenden Kluften innerhalb Europas: Immer weniger Menschen könnten sich die notwendigen Behandlungen leisten, während Armut und Einsamkeit die Krankheitslast erhöhten.
Fokus auf die „unsichtbaren Wunden“
Besonders hob der Pontifex die Bedeutung der psychischen Gesundheit hervor, insbesondere bei jungen Menschen. „Die unsichtbaren Wunden der Psyche sind nicht weniger schwerwiegend als die sichtbaren“, mahnte Leo XIV. Eine gerechte Gesellschaft müsse sich daran messen lassen, wie sie mit ihren verletzlichsten Mitgliedern umgeht. Eine allgemeine Gesundheitsversorgung sei daher kein rein technisches Ziel, sondern ein „moralischer Imperativ“.
Wer ist mein Nächster?
Der Papst griff die biblische Frage des Gesetzeslehrers aus dem Lukasevangelium auf: „Wer ist mein Nächster?“. Er warnte davor, diese Frage zur Selbstrechtfertigung zu nutzen. Vielmehr müsse jeder Einzelne sich fragen: „Wer ist für mich, in diesem Moment meines Lebens, der Nächste?“ Unter Bezugnahme auf das Gleichnis vom barmherzigen Samariter betonte er, dass jeder Mensch dazu berufen sei, der „Hüter der Menschlichkeit“ seines Bruders und seiner Schwester zu sein.
Warnung vor der „Kultur der Gleichgültigkeit“
Leo XIV. zitierte zudem seinen Vorgänger Papst Franziskus und dessen Enzyklika Fratelli tutti, um vor der Gleichgültigkeit zu warnen. Diejenigen, die „wegschauen“, machten sich zu heimlichen Verbündeten der „Räuber“, die die Schwachen verletzen. „Das Heilen der Menschlichkeit anderer hilft dabei, die eigene zu leben“, so die zentrale Botschaft des Papstes. Er forderte die Kirchen in Europa auf, in Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen wie der WHO mutig gegen Ungleichheit vorzugehen und einen „samaritanischen“ Lebensstil zu pflegen.
(vatican news)
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