Papst Leo beendet Pfarreibesuche in seinem Bistum
Silvia Kritzenberger - Vatikanstadt
Mit seinen am 22. Februar begonnenen Pfarreibesuchen wollte Papst Leo eine schon von seinen Vorgängern gepflegte Tradition fortsetzen und den Blick auf die sozialen Herausforderungen in den oft übersehenen Peripherievierteln Roms richten.
Die Nähe der Päpste zu Menschen in Not
Die Pfarrkirche „Sacro Cuore di Gesù“ im römischen Stadtteil Ponte Mammolo liegt nur wenige hundert Meter von einer der größten Strafvollzugsanstalten Italiens entfernt: Dem Gefängnis Rebibbia, in dem Leos Vorgänger Papst Franziskus zum Auftakt des Heiligen Jahres der Hoffnung noch selbst eine eigens eingerichtete Heilige Pforte geöffnet hat.
Der Besuch des hl. Johannes Paul II.
Archäologische Spuren wie römische Bauten und Steinbrüche belegen die historische Bedeutung der Region als Transit- und Kontrollpunkt an der antiken Konsularstraße Via Tiburtina, die Rom mit dem heutigen Tivoli verband.
Die Pfarrei „Sacro Cuore di Gesù“ wurde am 4. September 1936 – im Pontifikat von Papst Pius XI. – errichtet, noch bevor sich hier ein Kirchengebäude befand. Eine Gedenktafel erinnert an den Besuch Johannes Pauls II., der am 9. November 1986, zum 50. Gründungsjubiläum der Pfarrei, hierherkam.
Frauenhäuser, Schulen für Migranten und Hilfsprojekte für Gefangene
Heute ist Ponte Mammolo ein von sozialer Prekarität und schwierigen Wohnverhältnissen geprägtes Arbeiterviertel, in dem viele Migranten leben – vor allem aus Asien und Peru, der früheren „zweiten Heimat“ von Papst Leo. In diesem multikulturellen Unmfeld versteht sich die Pfarrei als Ort der Integration und der kreativen pastoralen Arbeit. Auch Hilfe für Frauen, die Opfer von Gewalt geworden sind, wird hier großgeschrieben: In zwei, von italienischen Ordensfrauen geführten Häusern finden sie Schutz und die Möglichkeit, ihr Selbstwertgefühl und ihre Autonomie zurückzugewinnen.
Zum Pfarrgebiet gehört auch das Gefängnis Rebibbia, zu dessen Insassen die Gemeinde eine besondere Nähe pflegt. Die Begleitung der Gefangenen versteht die Pfarrei als Teil ihres pastoralen Auftrags; zu den konkreten Hilfsangeboten gehört beispielsweise die Zuverfügungstellung von Unterkünften während eines Hafturlaubs.
Papstbesuch in der Peripherie: Zeichen der Hoffnung und der Nähe
Bei seiner Ankunft kurz vor 16 Uhr bereiteten die im Hof des Oratoriums wartenden Kinder, Jugendlichen und deren Familien dem Gast aus dem Vatikan einen begeisterten Empfang.
Die Grüße, die einige Kinder an ihn richten durften, beantwortete der Papst mit einer kurzen Ansprache. Er erinnerte daran, dass das Heilige Herz Jesu, das dieser Pfarrei ihren Namen gegeben hat, für Gottes unendliche Liebe, Gnade und Barmherzigkeit stehe. Der Pontifex dankte der Gemeinde für ihre „Hilfe für Menschen in Not, wie Migranten und Kranke“ und würdigte die Pfarrei als „lebendiges Zeichen der Hoffnung in einer oft leidenden Welt“.
Das Phänomen Einsamkeit
Im Anschluss daran nahm sich der Papst auch noch Zeit für ein Gespräch mit alten und kranken Menschen, sowie einer Gruppe von Armen und Obdachlosen, die von den Freiwilligen der Caritas und der Sant’Egidio-Gemeinschaft betreut werden. Mit Blick auf das weitverbreitete Phänomen der Einsamkeit erinnerte das Kirchenoberhaupt daran, dass „viele Menschen leiden; sie sind allein, finden niemanden, mit dem sie sprechen können, niemanden, der helfen kann, niemanden, der sie auf ihrem Lebensweg begleitet.“ Und hier sei „diese Pfarrei, die das Herz Jesu repräsentiert, wirklich ein von Gott gesegneter Ort, der dazu berufen ist, dieses Haus der Gastfreundschaft, der Geschwisterlichkeit und der Nächstenliebe zu sein, in dem Menschen, die Hilfe brauchen, wirklich eine Familie finden können.“
Die Messfeier mit Papst Leo
Im Mittelpunkt stand auch bei diesem Besuch die Messfeier mit Papst Leo in der Pfarrkirche.
In seiner Predigt zum „Laetare“-Sonntag – dem Sonntag der Freude mitten in der Bußzeit – erinnerte der Pontifex daran, dass Freude und Licht auch in schwierigen Zeiten möglich sind.
„Weltweit leiden derzeit viele unserer Brüder und Schwestern unter gewaltsamen Konflikten, die durch den absurden Anspruch ausgelöst werden, Probleme und Meinungsverschiedenheiten durch Kriege lösen zu können, statt im Namen des Friedens unermüdlich den Dialog zu suchen. Manche versuchen sogar, den Namen Gottes in diese Entscheidungen, die Tod bringen, hineinzuziehen – doch Gott lässt sich nicht von der Finsternis vereinnahmen. Er kommt vielmehr immer, um der Menschheit Licht, Hoffnung und Frieden zu schenken.“
Im Leidenden einen Menschen sehen, der Hilfe braucht
Mit Blick auf das Tagesevangelium von der Heilung des Blindgeborenen (Joh 9,1–41), verdeutlichte der Papst, wie wichtig es sei, unsere Mitmenschen mit den Augen Gottes zu sehen. Während wir oft dazu neigten, „in leidenden Menschen Ausgestoßene zu sehen, für die man nur Verachtung übrighat – oder ein Problem, dem man besser aus dem Weg geht“, habe Jesus in dem Blinden „einen geliebten Menschen, der Hilfe braucht“ gesehen, und ihm so seine Würde zurückgegeben.
Diese Begegnung stehe als Symbol für das Wirken Gottes in unserer Welt und fordere die Gläubigen auf, selbst Zeugnis des Lichts zu sein.
„Ich weiß, dass ihr vielen Brüdern und Schwestern aus anderen Ländern helft, hier Fuß zu fassen: die Sprache zu lernen, eine würdige Unterkunft zu finden und einer ehrlichen und sicheren Arbeit nachzugehen,“ würdigte der Papst die in der Pfarrei geleistete Arbeit. „Es mangelt nicht an Schwierigkeiten, die leider manchmal von jenen verschärft werden, die die Notlage der Schwächsten skrupellos für ihre eigenen Interessen ausnutzen. Ich weiß aber auch, wie sehr ihr euch alle bemüht, diesen Herausforderungen Herr zu werden: durch die Dienste der Caritas, die Familienhäuser zur Aufnahme von Frauen und Müttern in Not – und viele andere Initiativen. Und mir ist auch bekannt, wie aktiv und großzügig ihr euch für die Erziehung der Jugendlichen und Kinder einsetzt – durch das Oratorium und andere Bildungsangebote.“
Abschließend forderte der Papst die Gemeinde auf, diesen Weg des Lichts und der Nächstenliebe unbeirrt fortzusetzen und „mit Freude und Hingabe Zeugnis abzulegen für den Schatz der Gnade, den sie empfangen“ haben.
(vaticannews – skr)
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