Papst ermutigt Kirche im Amazonasgebiet zu missionarischem Wirken
In seiner Botschaft an die VI. Versammlung der „Conferencia Eclesial de la Amazonía“ (CEAMA) grüßte der Papst die Priester, Laien und Ordensleute, die sich in Bogotá über Wege und Herausforderungen der lokalen Kirche austauschen – darunter etwa akute Umweltprobleme, die den Bewohnern des Amazonasgebietes zusetzen. Ihnen zeigte sich der Papst in seiner Botschaft nahe: „Ich möchte allen Menschen, die unter dieser Situation leiden, meine Verbundenheit aussprechen.“
Einheit in Vielfalt, ein Zufluchtsort
Ein Schwerpunkt der Kirchenversammlung (16.-20. März) sind neue Wege der Mission; dafür wählte sie das Bibelwort „Siehe, nun mache ich etwas Neues. / Schon sprießt es, merkt ihr es nicht?“ (Jes 43,19), eine zentrale Verheißung im Alten Testament, die dem Volk Israel in der Zeit des babylonischen Exiles neuen Mut zusprach. Daran knüpfte der Papst in seiner Botschaft an – und er wählte das Bild eines riesigen Urwaldbaumes als Sinnbild für die Kirche der Region.
„Es stimmt, etwas Neues entsteht, es ist noch zerbrechlich, aber es ist bereits im Gange, vielleicht kaum wahrnehmbar, doch wie der Keim des Shihuahuaco-Baums, des ,Riesen des Waldes‘, der sehr langsam wächst, aber mehr als tausend Jahre alt werden kann, ein mehrere Dutzend Meter hoher Koloss mit dichtem Laubwerk, der zu einem sicheren Zufluchtsort für Adler, Tukane, Aras, Marmosetten, Saki und Eichhörnchen und sich so in ein eigenständiges Ökosystem verwandelt. Das kann helfen zu verstehen, liebe Brüder, was die Kirche sich wünscht: ein Zeichen der Einheit in der Vielfalt und ein sicherer Zufluchtsort zu sein, der Leben hervorbringt und schützt.“
„Prophetische“ Rolle der Kirche
Das Amazonasgebiet sei von Missbrauch und Ausbeutung bedroht, so Leo XIV., es brauche „eine angemessene Antwort auf die zahlreichen sozialen, ökologischen, kulturellen und kirchlichen Herausforderungen“. Die Rolle der Kirche, die das Evangelium verkünde, die Leidenden begleite, die Schöpfung bewahre und das Leben in all seinen Formen achte, sei „prophetisch“, betonte er weiter. Der Papst ermutigte die Ortskirche dazu, bei ihrem missionarischen Wirken vom „Vertrauen eines in Christus verwurzelten Glaubens“ auszugehen. Christus sei „der wahre Riese des Waldes“, formulierte er, und die Kirche sei gerufen, an Seite der Kleinen und Armen zu sein.
Kirche mit „amazonischem Gesicht“ und Inkulturation
Weiteres Anliegen der Kirchenkonferenz in Bogotá ist das Bemühen, eine Kirche mit „amazonischem Gesicht“ zu fördern, die lokale Kulturen integriert. Dahinter stehe die Überzeugung, dass die Kirche durch neue Ausdrucksformen und Werte bereichert werde, erinnerte der Papst. Der Glauben werde enger mit dem Leben verbunden und letztlich eine umfassendere Katholizität erreicht. Leo XIV. nutzte hier Formulierungen aus dem Dokument von Aparecida, das die Bischöfe Lateinamerikas und der Karibik 2007 veröffentlicht hatten und das damals wichtige Weichenstellungen für die katholische Kirche des Kontinentes formulierte.
Mit Blick auf Evangelisierung im Amazonasgebiet bekräftigte der Papst, dass „Inkulturation“, also die Aufnahme und Beheimatung des Christentums in den lokalen Kulturen, „ein schwieriger, aber notwendiger Weg“ sei. „Man muss mutig die Neuheit des Geistes annehmen, der fähig ist, mit dem unerschöpflichen Schatz Jesu Christi immer etwas Neues zu schaffen“, machte Leo XIV. Mut und zitierte hier aus dem nachsynodalen Schreiben „Querida Amazonia“ (Nr. 69) zur Amazonien-Synode, die 2019 unter der Leitung von Papst Franziskus im Vatikan stattfand.
Missionarischer Auftrag
Papst Leo ermutigte die Kirche der Amazonas-Region, sich von Herausforderungen nicht entmutigen zu lassen und die kirchliche Mission weiterzutragen. „Deshalb ermutige ich euch, gemeinsam, Hirten und Gläubige, die Identität der missionarischen Jünger im Amazonasgebiet weiter zu stärken. Sät weiter in der Furche, die auch mit dem Blut so vieler Männer und Frauen bewässert wurde, die euch vorausgegangen sind und die, vereint mit dem Leiden Christi, zur Wurzel eines ,riesigen Baumes‘ geworden sind, der im Amazonasgebiet wächst.“
In einem Telegramm an die Kirche im Amazonas-Gebiet hatte Papst Leo im August 2025 bekräftigt: „Es ist von wesentlicher Bedeutung, dass Jesus Christus den Bewohnern des Amazonasgebiets mit Klarheit und großer Liebe verkündet wird. In dieser Mission werden wir von der Gewissheit angetrieben, die durch die Geschichte der Kirche bestätigt wird, dass dort, wo der Name Christi verkündet wird, die Ungerechtigkeit proportional zurückgeht“. Evangelisierung und soziales Engagement hängen also für Papst Leo miteinander zusammen.
Synodalität und Kirchenversammlung in Rom 2028
Bei der laufenden VI. Versammlung der „Conferencia Eclesial de la Amazonía“ (CEAMA) in Bogotá steht unter anderem die Wahl eines neuen Präsidiums für den Zeitraum 2026-2030 an. Seine Aufgabe ist es unter anderem, die Ergebnisse der Amazonien-Synode von 2019 weiter umzusetzen und gleichzeitig einen Beitrag für die „Kirchliche Versammlung“ in Rom im Jahr 2028 vorzubereiten, die den Abschluss des synodalen Weltprozesses bildet (2021-24).
„Seid versichert, dass ich euch bei diesem wichtigen Schritt mit meinem Gebet begleite“, versicherte der Papst dazu in seiner Video-Botschaft. Leo XIV. führt das unter seinem Vorgänger Franziskus begonnene Projekt der Synodalität fort und wird die Kirchliche Versammlung 2028 in Rom leiten.
Die CEAMA-Kirchenversammlung ist das regionale kirchliche Gremium, das auf Antrag der Bischöfe der Amazonasr-Synode von 2019 eingerichtet und am 9. Oktober 2021 von Papst Franziskus kanonisch errichtet wurde.
(vatican news – pr)
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