Papst: „Theologie - Eine Reise auf hoher See“
Stefan von Kempis – Vatikanstadt
„Die theologische Ausbildung ist daher nicht die Bestimmung für einige wenige Spezialisten, sondern eine Berufung für alle, damit jeder das Geheimnis des Glaubens vertiefen und die nötigen Werkzeuge erhalten kann.“ Das sagte er bei einer Audienz für Theologen aus Süditalien. Leo unterstrich auch, dass es beim Nachdenken über Gott nicht um das Anhäufen von Wissen gehe, „sondern darum, eine mutige Fahrt zu beginnen, eine Fahrt auf hoher See“. Eine Metapher, die schon Leos Vorgänger Franziskus (2013-25) einmal gebraucht hat.
Eine Reise in doppelte Richtung
„Diese Reise bewegt sich in eine doppelte Richtung: Einerseits ist sie ein Weg in die Tiefe, um die Abgründe des Geheimnisses Gottes und die verschiedenen Dimensionen des christlichen Glaubens zu ergründen. Andererseits ist sie ein Aufbruch ins Weite, um über das Bekannte hinauszugehen, neue Horizonte zu erkunden und so neue Formen und neue Sprachen zu finden, um das Evangelium in den unterschiedlichen Situationen der Geschichte zu verkünden.“
Ausdrücklich lobte der Papst die Schaffung von Synergien im Bereich der akademischen Theologie. Zwar ist die Zusammenlegung etwa von theologischen Fakultäten in verschiedenen Bistümern zu einer einzigen in der Regel Effizienz- und Finanzerwägungen geschuldet. Doch ein solcher Schritt hat auch sein Gutes, findet Leo: „Er fördert die Gemeinschaft zwischen den Diözesen, begünstigt die Überwindung alter Partikularismen und ermutigt vor allem zu einem kirchlichen Weg im Zeichen von Einheit und Geschwisterlichkeit… Hier also die Einladung: Theologie gemeinsam betreiben!“
„Labor für einen synodalen Stil“
Dadurch lasse sich über den eigenen binnenkirchlichen Tellerrand hinausblicken und der Horizont erweitern – intellektuell, aber auch spirituell und pastoral. „Dadurch entstehen gemeinsame Perspektiven, und das kirchliche Engagement ist stärker im konkreten Lebensraum verwurzelt. Das gibt euch die Möglichkeit, Stile und Sprachen des Glaubens zu erneuern – im realen Kontext, in dem ihr steht.“ Nicht zuletzt sei das auch ein „Labor“ für einen „synodalen Stil, in dem sich die verschiedenen Subjekte, Dienste und Charismen der Kirche gegenseitig ergänzen und jede Form von Abschottung überwinden“.
Ein Zusammenrücken der Theologinnen und Theologen ist nach Überzeugung Leos XIV. auch wichtig, um angesichts von Schwierigkeiten und Herausforderungen in sozialer und kultureller Hinsicht zu einer „kritischen und prophetischen“ Stimme zu finden, die dazu angetan ist, „die Logiken der Resignation und Gleichgültigkeit zu entschärfen“. Das war natürlich in Richtung Süditalien gesprochen, passt aber auch zu Kontexten im deutschen Sprachraum.
„Ich lade euch ein, von einer akademischen Gemeinschaft zu träumen, in der Kandidaten für das Weiheamt, Ordensmänner und Ordensfrauen sowie Laien – Männer und Frauen – gemeinsam ausgebildet werden und den christlichen Gemeinschaften helfen, Zeichen des Evangeliums und Werkstätten der Hoffnung zu werden.“
(vatican news)
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