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Wortlaut: Leo XIV. beim Angelus am 22. März

Hier finden Sie die Ansprache, die Papst Leo XIV. an diesem Sonntag beim Gebet des „Engel des Herrn“ auf dem Petersplatz gehalten hat, im vollen Wortlaut.

Sämtliche Wortmeldungen des Papstes in ihrer amtlichen deutschen Fassung werden auf der Internetseite des Heiligen Stuhls publiziert.

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

An diesem fünften Fastensonntag wird in der Liturgie das Evangelium von der Auferweckung des Lazarus verkündet (vgl. Joh 11,1-45).

Auf dem Weg durch die Fastenzeit ist dies ein Zeichen, das vom Sieg Christi über den Tod und vom Geschenk des ewigen Lebens spricht, das wir durch die Taufe empfangen (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, 1265). Jesus sagt heute auch zu uns, wie zu Marta, der Schwester des Lazarus: »Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben« (Joh 11,25-26).

„Liturgie lädt ein, uns für das Geschenk der Gnade zu öffnen“

So lädt uns die Liturgie ein, in der unmittelbar bevorstehenden Karwoche die Ereignisse der Passion des Herrn – den Einzug in Jerusalem, das Letzte Abendmahl, den Prozess, die Kreuzigung, die Grablegung – in diesem Licht neu zu erleben, um ihren wahrhaftigen Sinn zu erfassen und uns für das Geschenk der Gnade zu öffnen, das sie in sich bergen.

Denn im auferstandenen Christus, dem Sieger über den Tod, der durch die Gnade der Taufe in uns lebt, finden diese Ereignisse ihre Erfüllung – zu unserem Heil und zur Fülle des Lebens.

Seine Gnade erleuchtet diese Welt, die ständig auf der Suche nach Neuem und nach Veränderung zu sein scheint, selbst wenn dies bedeutet, wichtige Dinge – Zeit, Energie, Werte, Zuneigung – zu opfern, als ob Ruhm, materieller Besitz, Vergnügungen und flüchtige Beziehungen unser Herz erfüllen oder uns unsterblich machen könnten. Dies ist ein Zeichen für das Verlangen nach Unendlichkeit, das jeder von uns in sich trägt, dessen Erfüllung jedoch nicht dem Vergänglichen anvertraut werden kann. Nichts Endliches kann unseren inneren Durst stillen, denn wir sind auf Gott hin geschaffen, und wir finden keinen Frieden, solange wir nicht in ihm ruhen (vgl. Confessiones, I, 1.1).

Grab des Egoismus 

Die Erzählung von der Auferweckung des Lazarus lädt uns also dazu ein, auf dieses tiefe Bedürfnis zu hören und mit der Kraft des Heiligen Geistes unsere Herzen von Gewohnheiten, Bedingtheiten und Denkweisen zu befreien, die uns wie Felsbrocken im Grab des Egoismus, des Materialismus, der Gewalt und der Oberflächlichkeit einschließen. An diesen Orten gibt es kein Leben, sondern nur Verwirrung, Unzufriedenheit und Einsamkeit.

Auch uns ruft Jesus zu: »Komm heraus!« (Joh 11,43) und spornt uns damit an, durch seine Gnade erneuert aus diesen engen Räumen herauszutreten, um im Licht der Liebe zu wandeln – als neue Frauen und Männer, die nach dem Vorbild seiner unendlichen Liebe fähig sind, ohne Berechnung und ohne Maß zu hoffen und zu lieben.

Die Jungfrau Maria möge uns helfen, diese heiligen Tage so zu leben: mit ihrem Glauben, mit ihrem Vertrauen, mit ihrer Treue, damit sich auch für uns jeden Tag die erleuchtende Erfahrung der Begegnung mit ihrem auferstandenen Sohn erneuert.

(vatican news - bp)

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22. März 2026, 12:14