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Papst verurteilt in Angola die Ausbeutung Afrikas

Mit einem deutlichen Appell gegen die Ausbeutung Afrikas hat Leo XIV. die dritte Etappe seiner Reise über den Kontinent begonnen. In Angolas Hauptstadt Luanda rief der Papst am Samstagabend alle, die die Entwicklung des Landes behindern, zur „Umkehr“ auf.

Stefan von Kempis – Luanda

„Sie wissen nur zu gut, dass man allzu oft auf Ihre Regionen geschaut hat und schaut, um etwas zu geben oder – häufiger noch – um etwas zu nehmen. Es gilt, diese Kette von Interessen zu durchbrechen, die die Wirklichkeit und das Leben selbst auf eine Tauschware reduziert.“

Leo äußerte sich in seiner ersten Rede nach der Ankunft, im Präsidentenpalast von Luanda, bei einer Begegnung mit Vertretern von Behörden, Zivilgesellschaft und Diplomaten. Er rühmte, dass das angolanische Volk Schätze besitze, „die weder verkäuflich noch raubbar sind“, und nannte als erstes eine im Land weitverbreitete Freude, „die selbst die widrigsten Umstände nicht auslöschen konnten“. Ganz Afrika sei für die Welt „ein Reservoir der Freude und der Hoffnung“.

„Afrikas junge Menschen und seine Armen träumen noch immer, hoffen noch immer, geben sich nicht mit dem Bestehenden zufrieden“


„Seine jungen Menschen und seine Armen träumen noch immer, hoffen noch immer, geben sich nicht mit dem Bestehenden zufrieden, wollen sich wieder aufrichten, sich auf große Verantwortung vorbereiten und sich persönlich engagieren. Die Weisheit eines Volkes lässt sich nämlich von keiner Ideologie auslöschen, und tatsächlich ist der Wunsch nach Unendlichkeit, der im menschlichen Herzen wohnt, ein Prinzip des sozialen Wandels, das tiefer geht als jedes politische oder kulturelle Programm.“

Papst Leo XIV. bei seiner 1. Rede in Angola - beim Treffen mit Vertretern aus Politik und Zivilgesellschaft und mit dem Diplomatischen Korps in der Hauptstadt Luanda am 18. April 2026
Papst Leo XIV. bei seiner 1. Rede in Angola - beim Treffen mit Vertretern aus Politik und Zivilgesellschaft und mit dem Diplomatischen Korps in der Hauptstadt Luanda am 18. April 2026

„Mächtige Interessen“ streckten die Finger nach den materiellen Reichtümern Angolas aus, rügte Papst Leo. „Wie viel Leid, wie viele Tote, wie viele soziale und ökologische Katastrophen bringt diese ausbeuterische Logik mit sich! Wir sehen mittlerweile überall, wie sie ein Entwicklungsmodell nährt, das diskriminiert und ausgrenzt, aber dennoch vorgibt, sich als einzig mögliche Lösung durchzusetzen.“

Hier der Beitrag zum Nachhören

Afrika – vor allem seine jungen Leute – hätten Besseres verdient, so der Papst, der sich direkt an die Verantwortlichen Angolas wandte. Sie sollten keine Angst vor Dialog haben, sondern alles für die Entwicklung des Landes tun.

„Stellen Sie das Gemeinwohl über das Partikularinteresse!“


„Fürchten Sie sich nicht vor Meinungsverschiedenheiten, ersticken Sie nicht die Visionen der Jugend und die Träume der Älteren, seien Sie in der Lage, Konflikte zu bewältigen und sie in Wege der Erneuerung zu verwandeln. Stellen Sie das Gemeinwohl über das Partikularinteresse und verwechseln Sie niemals Ihren Teil mit dem Ganzen. Die Geschichte wird Ihnen dann Recht geben, auch wenn Ihnen im Moment jemand feindlich gesinnt sein mag.“

Freude und Hoffnung, wie man sie in Angola vor allem bei jungen Leuten finde, seien nicht nur private Gefühle, sondern hätten auch soziale und politische Kraft. „Despoten und Tyrannen des Körpers und des Geistes wollen die Seelen passiv machen und die Leidenschaften öde, zur Trägheit neigend, fügsam und der Macht unterworfen. … Die beste Methode, zu herrschen und uneingeschränkt voranzuschreiten, besteht darin, Hoffnungslosigkeit auszusäen und ständiges Misstrauen zu wecken.“ Gegen diese „Entfremdung“ sollten sich die Angolaner wehren, indem sie auf „die wahre Freude“ setzen.

Papst Leo XIV. und Angolas Präsident Joao Lourenco in der Hauptstadt Luanda am 18. April 2026
Papst Leo XIV. und Angolas Präsident Joao Lourenco in der Hauptstadt Luanda am 18. April 2026   (ANSA)

„Die Freude versteht es, auch in den dunkelsten Bereichen der Stagnation und der Bedrängnis Wege zu bahnen. Prüfen wir also unser Herz, meine Lieben, denn ohne Freude gibt es keine Erneuerung; ohne Innerlichkeit gibt es keine Befreiung; ohne Begegnung gibt es keine Politik; ohne den anderen gibt es keine Gerechtigkeit. Gemeinsam können Sie Angola zu einem Projekt der Hoffnung machen.“ Daran wirke die Kirche gerne mit. „Beseitigen wir die Hindernisse für die ganzheitliche menschliche Entwicklung, indem wir gemeinsam mit jenen kämpfen und hoffen, die die Welt verworfen, Gott aber erwählt hat.“

„Gemeinsam können Sie Angola zu einem Projekt der Hoffnung machen“


Leo XIV. ging in seiner Rede in Luanda auch auf die starken Regenfälle und Überschwemmungen ein, die die Provinz Benguela vor kurzem heimgesucht haben. Er bete für die Opfer und sei den Familien, die ihre Häuser verloren haben, nahe. „Ich weiß auch, dass Sie, liebe Angolaner, in einer großen Kette der Solidarität mit den Betroffenen zusammenstehen.“

Präsident João Manuel Gonçalves Lourenço hob in seiner Begrüßungsrede an den Papst hervor, dass der erste offizielle Kontakt zwischen dem Heiligen Stuhl und dem heutigen Angola bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht. Der angolanische Staat sei der Kirche vor allem im sozialen Engagement eng verbunden. „Wir würden uns wünschen, dass sich die katholische Kirche als Sozialpartnerin des Staates konstruktiver einbringt, damit wir gemeinsam auf den Fortschritt sowie die wirtschaftliche und soziale Entwicklung unseres Landes hinarbeiten können.“

Präsident fordert Leo auf, international weiter als Friedensstifter zu wirken

Der Präsident bekannte sich auch zum friedlichen Zusammenleben von Menschen und Nationen verschiedener Kultur und Religion; Dialog sei das einzige Werkzeug zur Lösung von Konflikten. „Nur in Frieden und Harmonie können wir alle die Ressourcen genießen, die uns die Natur zur Verfügung stellt. Bedauerlicherweise erleben wir zunehmend einen ungezügelten Wettlauf um Rohstoffe, Energieressourcen, Bodenschätze und andere Ressourcen, die von den mächtigsten Armeen der Welt mit Waffengewalt von souveränen Staaten erobert werden. Der internationale Handel unterliegt festgelegten Regeln, die, sobald sie eingehalten werden, es Unternehmen und Staaten ermöglichen, durch Verträge und Abkommen Zugang zu den Ressourcen zu erhalten, die sie zur Deckung ihres Bedarfs benötigen, ohne auf Krieg zurückgreifen zu müssen.“

Lourenço ging auch ausdrücklich auf die Konflike im Nahen Osten ein, namentlich auf den Iran. „Wir rufen zu einem endgültigen Ende des Krieges, zur Öffnung der Straße von Hormus auf dem Verhandlungsweg und zur Herstellung eines dauerhaften Friedens in der Region auf. Angesichts der Wahrscheinlichkeit einer Verschärfung des Konflikts, der uns immer näher an den Abgrund bringt, appelliert die Welt an Eure Heiligkeit, dass Sie von der Höhe Ihrer moralischen Autorität aus weiterhin eine Rolle als Brückenbauer und Friedensstifter spielen möge.“

(vatican news)

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18. April 2026, 17:04