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Osternacht: „Öffnen wir die Gräber unserer Zeit!“

Papst Leo hat alle Gläubigen zu einem erneuerten, österlichen Schwung bei der Verkündigung des Evangeliums aufgerufen. In der Osternacht warb er im Petersdom um „Engagement, damit überall und immer auf der Welt die österlichen Gaben der Eintracht und des Friedens wachsen und gedeihen“.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

Es war Leos erste Osternacht als Papst. Feierlich entzündete er zu Beginn der Liturgie die Osterkerze, deren Licht überall in der Basilika weitergegeben wurde. Dann lauschten er und etwa 6.000 Menschen, die das Gotteshaus füllten, dem altkirchlichen Festgesang des Exsultet und den in mehreren Sprachen vorgetragenen, sieben Lesungen aus dem Alten Testament, die die verschiedenen Etappen der Heilsgeschichte illustrierten. „Heiliger Vater, ich verkünde Ihnen eine große Freude, das Halleluja“, verkündete ein Diakon: Eine ganz ähnliche Formel („Annuntio vobis gaudium magnum“) wie bei der Wahl eines Papstes. Anschließend erklang das Osterevangelium nach Matthäus. Auf dem Petersplatz verfolgten etwa 4.000 Menschen das Geschehen über Videoleinwände mit.

„Schwestern und Brüder, auch in unserer Zeit fehlt es nicht an Gräbern, die geöffnet werden müssen“, sagte Papst Leo in seiner Predigt. „Und oft sind die Steine, die sie verschließen, so schwer und gut bewacht, dass es unmöglich erscheint, sie zu bewegen. Manche bedrücken den Menschen im Herzen, wie etwa Misstrauen, Angst, Egoismus, Groll; andere zerbrechen als Folge dieser inneren Belastungen die Bande zwischen uns, wie etwa der Krieg, die Ungerechtigkeit, die Abschottung von Völkern und Nationen. Lassen wir uns dadurch nicht lähmen!“

Lumen Christi: Das Osterlicht verbreitet sich im dunklen Petersdom
Lumen Christi: Das Osterlicht verbreitet sich im dunklen Petersdom   (@Vatican Media)

Eine ähnliche Formel wie bei der Papstwahl

Viele Männer und Frauen hätten im Laufe der Jahrhunderte mit Gottes Hilfe diese Steine weggerollt, fuhr der Papst fort. Das habe oft große Mühe gekostet, manchmal auch den Einsatz des eigenen Lebens. „Aber sie haben Früchte des Guten hervorgebracht, die uns noch heute zugutekommen. Das sind keine unerreichbaren Persönlichkeiten, sondern Menschen wie wir, die, gestärkt durch die Gnade des Auferstandenen, in Liebe und Wahrheit den Mut hatten, mit, wie der Apostel Petrus sagt, ‚den Worten, die Gott ihnen gibt‘ (vgl. 1 Petr 4,11) zu sprechen und ‚aus der Kraft, die Gott verleiht‘, zu handeln, ‚damit in allem Gott verherrlicht‘ werde (ebd.). Nehmen wir uns ein Beispiel an ihnen…“

Das Hörstück zur Osternacht

Der Papst erinnerte daran, welches Leiden Jesus auf sich genommen habe, um zu fragen: „Gibt es eine größere Liebe? Eine vollkommenere Selbstlosigkeit?“ Der Auferstandene sei „der Schöpfer des Universums, der uns, so wie er uns am Anfang der Geschichte aus dem Nichts ins Dasein gerufen hat, auch am Kreuz das Leben geschenkt hat, um uns seine grenzenlose Liebe zu zeigen“.

  (@Vatican Media)

Aufbrechen, um allen die frohe Botschaft zu bringen

Die Heilsgeschichte, die in den verschiedenen Lesungen ausgebreitet worden sei, kennzeichnete der Papst als einen Weg der Gnade und der Befreiung. „In all diesen Momenten der Heilsgeschichte haben wir gesehen, wie Gott auf die Unerbittlichkeit der Sünde, die spaltet und tötet, mit der Kraft der Liebe antwortet, die verbindet und wieder Leben schenkt.“ Dementsprechend spreche auch der Bericht von der Auferweckung Jesu Christi von der „Kraft der Liebe Gottes, die stärker ist als alle Macht des Bösen, fähig, den Hass zu vertreiben und die Gewalten zu beugen“. Der Mensch könne den Körper töten, „aber das Leben des Gottes der Liebe ist ewiges Leben, das über den Tod hinausgeht und das kein Grab gefangen halten kann“

„Das, meine Lieben, ist heute auch unsere Botschaft an die Welt, die Begegnung, von der wir Zeugnis geben wollen mit den Worten des Glaubens und Werken der Liebe, indem wir mit unserem Leben das Halleluja singen, das wir mit unserem Mund verkünden“. Das war ein Zitat aus einer Predigt des hl. Augustinus; der Papst gehört dem Augustinerorden an, der sich auf den spätantiken Kirchenvater beruft. „So wie die Frauen, die eilten, um den Brüdern die Botschaft zu verkünden, wollen auch wir heute Nacht von dieser Basilika aus aufbrechen, um allen die frohe Botschaft zu bringen, dass Jesus auferstanden ist und dass wir mit seiner Kraft, auferstanden mit ihm, ebenfalls eine neue Welt des Friedens und der Einheit gestalten können…“

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Zum Schluss das feierliche „Regina Coeli“


Nach der Predigt spendete Papst Leo zehn Menschen das Sakrament der Taufe; fünf von ihnen stammten aus dem Bistum Rom, die übrigen aus europäischen Ländern sowie aus Korea. Zuvor fragte er sie, dem Ritus entsprechend, ob sie Satan und seinen Werken widersagen und sich zum Glauben an Christus bekennen. Aus diesem alten Dialog vor der Spendung der Taufe ist – darauf hat der verstorbene Papst Benedikt XVI. immer wieder hingewiesen – mit der Zeit das offiziell formulierte Glaubensbekenntnis hervorgegangen. Zum Schluss der langen Liturgie erklang in St. Peter die österliche Variante des Mariengebets, das „Regina Coeli, laetare“ (Freu dich, du Himmelskönigin).

(vatican news)

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04. April 2026, 23:22