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Wortlaut: Papst Leo beim österlichen Mittagsgebet

Hier finden Sie die Ansprache, die Leo XIV. an diesem Sonntag bei seinem österlichen Mittagsgebet „Regina Coeli“ gehalten hat, in deutscher Übersetzung.

Sämtliche Wortmeldungen des Papstes in ihrer amtlichen Fassung werden auf der Internetseite des Heiligen Stuhls publiziert.

Brüder und Schwestern, guten Tag und einen schönen Sonntag!

Während wir unseren Weg durch die Osterzeit fortsetzen, überliefert uns das Evangelium heute die Worte Jesu, der sich selbst mit einem Hirten und anschließend mit der Tür zum Schafstall vergleicht (vgl. Joh 10,1–10).

Jesus stellt den Hirten und den Dieb einander gegenüber. Er sagt nämlich: »Wer in den Schafstall nicht durch die Tür hineingeht, sondern anderswo einsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber« (V. 1). Und etwas später sagt er noch deutlicher: »Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben« (V. 10). Der Unterschied ist klar: Der Hirte hat eine besondere Bindung zu seinen Schafen und kann daher durch die Tür des Schafstalls eintreten; wenn jemand hingegen über den Zaun klettern muss, dann ist er sicher ein Dieb, der die Schafe stehlen will.

„Wer sich Jesus anvertraut, hat nichts zu befürchten:“

Jesus sagt uns, dass er durch eine Freundschaftsbeziehung mit uns verbunden ist: Er kennt uns, ruft uns beim Namen und leitet uns; er sucht uns, wie ein Hirte seine Schafe, wenn wir uns verirren und er verbindet unsere Wunden, wenn wir verletzt sind (vgl. Ez 34,16). Jesus kommt nicht wie ein Dieb, um uns unser Leben und unsere Freiheit zu rauben, sondern um uns auf die rechten Wege zu führen. Er kommt nicht, um unser Gewissen zu vereinnahmen oder zu täuschen, sondern um es mit dem Licht seiner Weisheit zu erleuchten. Er kommt nicht, um unsere irdischen Freuden zu trüben, sondern um sie für ein erfüllteres und dauerhaftes Glück zu öffnen. Wer sich ihm anvertraut, hat nichts zu befürchten: Er tötet unser Leben nicht ab, sondern kommt, um es uns in Fülle zu schenken (vgl. V. 10).

„Welches sind die „Diebe“, die versucht haben, in unsere Umfriedung einzudringen?“

Brüder und Schwestern, wir sind aufgerufen, uns zu besinnen und vor allem auf die Umfriedung unseres Herzens und unseres Lebens zu achten, denn wer dort Einlass findet, kann die Freude vervielfachen oder sie uns – wie ein Dieb – rauben. Die „Diebe“ können viele Gesichter haben: Es sind jene, die ungeachtet des äußeren Anscheins unsere Freiheit ersticken oder unsere Würde nicht achten; es sind Überzeugungen und Vorurteile, die uns daran hindern, einen heiteren Blick auf andere und auf das Leben zu werfen; es sind falsche Vorstellungen, die uns dazu verleiten können, schlechte Entscheidungen zu treffen; es sind oberflächliche oder von Konsumdenken geprägte Lebensweisen, die uns innerlich aushöhlen und uns dazu treiben, nur noch außerhalb unserer selbst zu leben. Und vergessen wir auch jene „Diebe“ nicht, die durch die Plünderung der Ressourcen der Erde, durch das Führen blutiger Kriege oder durch das Nähren des Bösen in jeglicher Form nichts anderes tun, als uns allen die Möglichkeit einer Zukunft in Frieden und Unbeschwertheit zu rauben.

Wir können uns fragen: Von wem wollen wir uns in unserem Leben leiten lassen? Welches sind die „Diebe“, die versucht haben, in unsere Umfriedung einzudringen? Ist es ihnen gelungen, oder konnten wir sie zurückdrängen?

Das heutige Evangelium lädt uns ein, auf den Herrn zu vertrauen: Er kommt nicht, um uns etwas zu rauben, er ist vielmehr der gute Hirte, der das Leben mehrt und es uns in Fülle schenkt. Möge uns die Jungfrau Maria stets auf unserem Weg begleiten und für uns und die ganze Welt Fürsprache halten.

(vatican news)

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26. April 2026, 12:07