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Papst in Malabo: Rechte des Einzelnen fördern, für Gemeinwohl arbeiten

An diesem Dienstagnachmittag ist Papst Leo XIV. im Rahmen seiner apostolischen Reise in Äquatorialguinea mit dem Präsidenten sowie Vertretern der Autoritäten und des Diplomatischen Korps zusammengetroffen. In seiner Ansprache befasste sich das Kirchenoberhaupt mit der gesellschaftlichen Entwicklung des Landes und der Verantwortung der politisch Verantwortlichen gegenüber der Bevölkerung.

Mario Galgano - Vatikanstadt

Papst Leo XIV. knüpfte in seiner 1. Rede in Äquatorialguinea an die Visite von Papst Johannes Paul II. im Februar 1982 an, der das Land als erster Papst besucht hatte. Leo zitierte dessen Worte, wonach die staatliche Führung die Aufgabe habe, ein „soziales Klima echter Freiheit, Gerechtigkeit, Achtung und Förderung der Rechte jedes Einzelnen und jeder Gruppe sowie bessere Lebensbedingungen zu schaffen“. Der Papst unterstrich die fortdauernde Relevanz dieser Forderung und betonte, dass solche Bedingungen es allen Menschen ermöglichen müssten, „sich als Menschen und als Kinder Gottes zu verwirklichen“.

First Lady, Constancia Mangue Nsue Obiang, Papst Leo XIV. und Staatspräsident Teodoro Obiang Nguema Mbasogo
First Lady, Constancia Mangue Nsue Obiang, Papst Leo XIV. und Staatspräsident Teodoro Obiang Nguema Mbasogo   (AFP or licensors)
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„Soziales Klima echter Freiheit, Gerechtigkeit, Achtung und Förderung der Rechte jedes Einzelnen und jeder Gruppe sowie bessere Lebensbedingungen schaffen“

An die anwesenden Amtsträger gewandt, bezeichnete Leo XIV. diese Aussagen als Mahnung für alle, denen öffentliche Verantwortung übertragen ist. Der mit umfangreichen Machtbefugnissen ausgestattete Staatspräsident Teodoro Obiang Nguema Mbasogo ist nach einem Militärputsch seit 1979 im Amt. Presse-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit in Äquatorialguinea sind stark eingeschränkt, wiederholt wurden schwere Menschenrechtsverletzungen angeprangert.

Die Bedeutung der Katholischen Soziallehre

Papst Leo XIV. betonte zudem die Relevanz der kirchlichen Soziallehre als Orientierungshilfe für die Bewältigung gegenwärtiger Krisen. Er bezeichnete Ausgrenzung als das „neue Gesicht der sozialen Ungerechtigkeit“ und verwies auf die dramatisch gewachsene Kluft zwischen einer kleinen Minderheit und der Mehrheit der Weltbevölkerung. Dabei thematisierte er ein technologisches Paradoxon: Während vielen Menschen der Zugang zu Land, Nahrung und menschenwürdiger Arbeit fehle, seien Mobiltelefone und künstliche Intelligenz weit verbreitet. Der Pontifex mahnte, dass der technologische Wandel eine Rohstoff-Spekulation beschleunigt habe, welche die „Bewahrung der Schöpfung, die Rechte lokaler Gemeinschaften, die Würde der Arbeit und den Schutz der öffentlichen Gesundheit in den Hintergrund zu drängen scheint“. Vor diesem Hintergrund rief er die staatlichen Verantwortungsträger dazu auf, Hindernisse für eine ganzheitliche menschliche Entwicklung zu beseitigen und die Grundprinzipien der Solidarität sowie der allgemeinen Bestimmung der Güter zu wahren.

Papst Leo XIV.  im Präsidentenpalast von Äquatorialguinea in der früheren Hauptstadt Malabo bei seiner Begegnung mit Vertretern aus Politik, Zivilgesellschaft und mit dem Diplomatischen Korps
Papst Leo XIV. im Präsidentenpalast von Äquatorialguinea in der früheren Hauptstadt Malabo bei seiner Begegnung mit Vertretern aus Politik, Zivilgesellschaft und mit dem Diplomatischen Korps   (ANSA)

Erinnerung an Papst Franziskus - Diese Wirtschaft tötet

 

Papst Leo fügte an:

„Diese Wirtschaft tötet. Tatsächlich ist es heute noch offensichtlicher als vor einigen Jahren, dass die Ausbreitung bewaffneter Konflikte eine ihrer Hauptursachen in der Kolonisierung von Öl- und Mineralvorkommen hat, ohne Rücksicht auf das Völkerrecht und das Selbstbestimmungsrecht der Völker.“

„Diesbezüglich schließe ich mich dem Appell von Papst Franziskus an, der vor genau einem Jahr verstorben ist: Wir »müssen […] heute ein Nein zu einer Wirtschaft der Ausschließung und der Disparität der Einkommen sagen. Diese Wirtschaft tötet«. Tatsächlich ist es heute noch offensichtlicher als vor einigen Jahren, dass die Ausbreitung bewaffneter Konflikte eine ihrer Hauptursachen in der Kolonisierung von Öl- und Mineralvorkommen hat, ohne Rücksicht auf das Völkerrecht und das Selbstbestimmungsrecht der Völker.“

Kurswechsel nötig 

Ohne einen Kurswechsel bei der Übernahme politischer Verantwortung und ohne Achtung vor den internationalen Institutionen und Abkommen drohe eine tragische Beeinträchtigung der Zukunft der Menschheit, so Leo XIV. Gott wolle dies nicht und fügte an: „Sein heiliger Name darf nicht durch den Willen, andere zu beherrschen, durch Anmaßung und Diskriminierung entweiht werden; vor allem darf er niemals zur Rechtfertigung todbringender Entscheidungen und Handlungen herangezogen werden. Ihr Land zögere nicht, die Richtung seiner Entwicklung zu überprüfen und die sich bietenden Gelegenheiten zu nutzen, um sich auf der internationalen Bühne für Recht und Gerechtigkeit einzusetzen.“

 Papst Leo XIV. bei seiner 1. Rede in Äquatorialguinea
Papst Leo XIV. bei seiner 1. Rede in Äquatorialguinea   (ANSA)

„Sein heiliger Name darf nicht durch den Willen, andere zu beherrschen, durch Anmaßung und Diskriminierung entweiht werden...“

Aufruf zur Förderung der menschlichen Würde

In einem weiteren zentralen Abschnitt seiner Rede wandte sich das Kirchenoberhaupt direkt an die Vertreter der Zivilgesellschaft und mahnte die Achtung der menschlichen Würde an. Er betonte, dass jeder Fortschritt an seinem Nutzen für die schwächsten Mitglieder der Gesellschaft gemessen werden müsse.

Papst Leo XIV. schloss diesen Teil seiner Ansprache mit der Feststellung, dass die Kirche in Äquatorialguinea auch weiterhin eine aktive Rolle beim Aufbau einer gerechten Gesellschaft spielen wolle. Er ermutigte die Anwesenden, den Weg des Dialogs und der gegenseitigen Achtung fortzusetzen, um die Zukunft des Landes auf einem soliden Fundament der Rechte und der Solidarität zu gestalten und sagte:

„Ihr Land ist ein junges Land! Ich bin daher überzeugt, dass Sie in der Kirche Unterstützung finden, um freie und verantwortungsbewusste Menschen heranzubilden, mit denen Sie gemeinsam in die Zukunft gehen können. In einer von Machtmissbrauch verwundeten Welt hungern und dürsten die Völker nach Gerechtigkeit. Es gilt, diejenigen wertzuschätzen, die an den Frieden glauben, und es zu wagen, unkonventionelle politische Maßnahmen zu ergreifen, bei denen das Gemeinwohl im Mittelpunkt steht.“

Zum Ende der Begegnung im Präsidentenpalast schrieb sich Leo XIV. ins goldene Buch ein
Zum Ende der Begegnung im Präsidentenpalast schrieb sich Leo XIV. ins goldene Buch ein   (ANSA)

„In einer von Machtmissbrauch verwundeten Welt hungern und dürsten die Völker nach Gerechtigkeit.“

Kirchliche Solidarität und der gesellschaftliche Wandel

Ein weiterer Schwerpunkt der Rede lag auf der Rolle der Kirche in einem Land, das sich in einem raschen Wandel befindet und in dem knapp 90 Prozent katholisch sind. Unter Verweis auf die Pastoralkonstitution Gaudium et spes des Zweiten Vatikanischen Konzils betonte Leo XIV. die Verbundenheit der Kirche mit den Schicksalen der Menschen. Er zitierte: „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, [...] auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi. Und es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihren Herzen seinen Widerhall fände.“

Diese Worte drückten nach Aussage des Papstes am besten den Grund für seinen Besuch aus, um das Volk im Glauben zu stärken und aufzubauen. Was im Leben der Millionen Männer und Frauen auf Erden geschehe, finde im Herzen der Kirche ein Echo.

Papst Leo XIV. in Äquatorialguinea
Papst Leo XIV. in Äquatorialguinea   (@Vatican Media)

Die Perspektive des heiligen Augustinus

Papst Leo XIV., der selbst dem Augustinerorden angehört, verwies auf ein Modell des heiligen Augustinus, welches zwischen der „Stadt Gottes“ und der „irdischen Stadt“ unterscheidet. Erstere sei durch die bedingungslose Liebe zu Gott sowie die Liebe zum Nächsten, insbesondere zu den Armen, gekennzeichnet, erklärte der Papst. In dieser Perspektive müsse die Geschichte und das menschliche Zusammenleben betrachtet werden. Papst Leo XIV. führte seine Überlegungen zum Modell des heiligen Augustinus weiter aus und betonte, dass diese beiden Dimensionen – die göttliche und die irdische – nicht isoliert voneinander existieren. Er unterstrich, dass eine Gesellschaft nur dann Bestand haben könne, wenn sie sich an ethischen Grundsätzen orientiere, die über den rein materiellen Fortschritt hinausgehen. Ähnlich hatte sich der Papst bereits zu Jahresbeginn in seiner Rede an die Diplomaten, die beim Heiligen Stuhl akkreditiert sind, geäußert. 

Der Besuch in Äquatorialguinea
Der Besuch in Äquatorialguinea   (@Vatican Media)

Die Symbolik der „Stadt des Friedens“

Mit Blick auf das Projekt der neuen Hauptstadt Äquatorialguineas sagte Papst Leo XIV.: „Ich weiß, dass Sie das beeindruckende Projekt in Angriff genommen haben, eine Stadt zu errichten, die seit wenigen Monaten die neue Hauptstadt Ihres Landes ist. Sie haben ihr einen Namen gegeben, in dem der Name des biblischen Jerusalem anzuklingen scheint: Ciudad de la Paz.“ Dieses gesamte Bauvorhaben nahm der Papst zum Anlass, die Anwesenden zur Gewissenserforschung aufzurufen. Er ergänzte: „Möge diese Entscheidung einen jeden zum Nachdenken anregen, welcher Stadt er dienen will!“ Der Papst bezog sich auf die von Augustinus erläuterten Städte.

Seit über einem Jahrzehnt verfolgt das zentralafrikanische Land das Ziel, seine Hauptstadt von Malabo, das auf einer Insel an der Westküste Afrikas am Atlantik liegt, in die neu errichtete „Ciudad de la Paz“ auf dem Festland zu verlegen. Während die geografische Isolation Malabos durch die zentrale Lage der neuen Metropole auf dem Hochplateau des Río Muni überwunden werden soll, ist das Mammutprojekt mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert. Finanziert primär durch  Erdöleinnahmen, die zeitweise fast die Hälfte des Staatshaushalts beanspruchten, umfasst die neue Stadt bereits repräsentative Bauten wie einen Campus der Afro-Amerikanischen Universität und ein Konferenzzentrum. Dennoch bleibt die Entwicklung widersprüchlich: Verzögerungen im Wohnungsbau, Berichte über mangelnde Transparenz sowie die Kritik der Opposition an der Priorisierung von Großprojekten gegenüber der ländlichen Entwicklung prägen das Bild der entstehenden Hauptstadt, die bis zum Ende des Jahrzehnts zu einem dynamischen Zentrum Zentralafrikas heranwachsen soll.

Staatspräsident betont Katholizität des Landes

Staatspräsident Teodoro Obiang Nguema Mbasogo dankte Papst Leo mit den Worten: „Dieser Besuch bedeutet für unser Volk die Anerkennung seines Glaubens und seiner christlichen Hingabe als Herde Christi in einer Zeit, in der politische und wirtschaftliche Krisen, Unsicherheit und Instabilität die Nationen in einer globalisierten Welt durchziehen." Er erinnerte zudem daran, dass die aktuelle Reise von Leo XIV. zum 170-Jahr-Jubiläum der Ankunft der ersten christlichen Missionare im Land erfolgt: 

„Aus diesem Grund ist der Besuch Seiner Heiligkeit in der Republik Äquatorialguinea, einem überwiegend katholischen Land, das seit mehr als 170 Jahren seinen christlichen Glauben pflegt und zu mehr als 90 Prozent aus katholischen Gläubigen besteht, ein günstiger Ort für das Christentum in Zentralafrika."

(vatican news)

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21. April 2026, 16:53