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Urbi et Orbi: „Wer Waffen in der Hand hält, lege sie nieder!“

Ein eindringlicher Appell für Frieden weltweit kommt von Papst Leo bei seiner Ansprache vor dem Ostersegen Urbi et Orbi. Außerdem lädt er dazu ein, sich einem Friedensgebet anzuschließen, das für den kommenden Samstag, 11. April, im Petersdom geplant ist.

Christine Seuss - Vatikanstadt

Um Punkt 12 Uhr trat Papst Leo auf die Mittelloggia des Petersdoms, um nach dem Erklingen der Hymnen Italiens und des Staates der Vatikansstadt den Segen zu spenden. Anders als gewohnt, nannte Papst Leo in seiner ersten Ansprache vor dem Ostersegen Urbi et Orbi keine konkreten Krisenherde, sondern lud zu einer Gewissenserforschung ein, wie jeder einzelne sich der „Globalisierung der Gleichgültigkeit“ – ein Ausdruck, den sein Vorgänger Franziskus gepägt hatte – entgegenstemmen könne.

Hier der Beitrag zum Nachhören

„Lassen wir am heutigen Festtag alle Streitlust, jeden Wunsch nach Dominanz und Macht hinter uns und bitten wir den Herrn, er möge der Welt seinen Frieden schenken – einer Welt, die von Kriegen heimgesucht und von Hass und Gleichgültigkeit gezeichnet ist, die uns dem Bösen gegenüber machtlos erscheinen lassen“, griff Papst Leo XIV. auch beim Urbi et Orbi seinen Appell aus der zuvor gefeierten Ostermesse wieder auf. Über 60.000 Menschen hatten sich auf dem Platz und an den Zufahrtswegen eingefunden, um den traditionellen Ostersegen persönlich zu erhalten. Der weltlichen Resignation und Schicksalsergebenheit stellte Papst Leo die zentrale Botschaft des Osterfestes entgegen:

„Lassen wir uns im Licht des Osterereignisses von Christus überraschen! Lassen wir unser Herz von seiner unermesslichen Liebe zu uns verwandeln!“, so der Appell des Papstes von der zentralen Loggia des Petersdoms.

„Wer Waffen in der Hand hält, lege sie nieder! Wer die Macht hat, Kriege zu beginnen, entscheide sich für den Frieden!“

„Wer Waffen in der Hand hält, lege sie nieder! Wer die Macht hat, Kriege zu beginnen, entscheide sich für den Frieden! Nicht für einen Frieden, der mit Gewalt erzwungen wird, sondern durch Dialog! Nicht mit dem Willen, den anderen zu beherrschen, sondern ihm zu begegnen!“, forderte das Kirchenoberhaupt eindringlich.

Papst Leo spricht die Osterbotschaft
Papst Leo spricht die Osterbotschaft   (@Vatican Media)

Die Menschheit sei gerade dabei, sich „an die Gewalt zu gewöhnen“, sich damit abzufinden und gleichgültig zu werden, klagte der Papst: „Gleichgültig gegenüber dem Tod Tausender Menschen. Gleichgültig gegenüber den Folgen von Hass und Spaltung, welche die Konflikte nach sich ziehen. Gleichgültig gegenüber den wirtschaftlichen und sozialen Folgen, die sie verursachen und die wir doch alle spüren.“

Es gebe tatsächlich eine immer ausgeprägtere „Globalisierung der Gleichgültigkeit“ zu beobachten, zitierte Papst Leo XIV. seinen Vorgänger Franziskus, ebenso wie dessen letzte Worte an die Weltöffentlichkeit am vergangenen Ostersonntag, dem Tag vor seinem Tod: „Wie viel Todeswillen sehen wir jeden Tag in den vielen Konflikten in verschiedenen Teilen der Welt!“ (aus der Botschaft zum Urbi et orbi am 20. April 2025).

„Wir dürfen nicht länger gleichgültig bleiben! Und wir dürfen uns nicht mit dem Bösen abfinden!“

Doch das Kreuz Christi erinnere stets an das Leid und den Schmerz, die mit dem Tod einhergehen, ebenso wie an die Qualen, die er mit sich bringe, so Papst Leo weiter: „Wir alle fürchten uns vor dem Tod, und aus Angst wenden wir uns ab; wir ziehen es vor, nicht hinzuschauen. Wir dürfen nicht länger gleichgültig bleiben! Und wir dürfen uns nicht mit dem Bösen abfinden!“

Jesus sei durch den Tod hindurchgegangen, um uns Leben und Frieden zu schenken, ein Friede, der sich nicht darauf beschränke, die Waffen zum Schweigen zu bringen, sondern der „das Herz eines jeden von uns“ berühre und verwandele.

In diesem Zusammenhang lud Papst Leo alle ein, an einer Gebetsvigil für den Frieden teilzunehmen. Diese wolle er gemeinsam mit den Gläubigen am kommenden Samstag, 11. April, im Petersdom feiern, kündigte das Kirchenoberhaupt an. Eine ähnliche Initiative gab es bereits im vergangenen Oktober: Da hatte Papst Leo im Rahmen der Heilig-Jahr-Feier der Marianischen Spiritualität zu einer Gebetsvigil für den Frieden mit Rosenkranzgebet geladen – tausende Menschen aus aller Welt waren gekommen.

„Nur er macht alles neu! Frohe Ostern!“

„Dem Herrn empfehlen wir alle Herzen, die leiden und auf den wahren Frieden warten, den nur er geben kann. Vertrauen wir uns ihm an und öffnen wir ihm unser Herz! Nur er macht alles neu (vgl. Offb 21,5)! Frohe Ostern!”, so die abschließenden Worte des Papstes, der vor dem Segen auch noch einige Grüße in verschiedenen Sprachen – darunter auch Deutsch – verlas.

Kardinal Ernest Simoni neben Papst Leo XIV.
Kardinal Ernest Simoni neben Papst Leo XIV.   (AFP or licensors)

Ein Zeuge der Verfolgung

Auf dem Balkon wurde Papst Leo begleitet durch den 97-jährigen albanischen Kardinal Ernest Simoni, der während der Zeit des Kommunismus schwerer Verfolgung ausgesetzt war, und Kardinal Dominique Mamberti, den dienstältesten Kardinal aus dem Rang der Kardinaldiakone (Kardinalprotodiakon). Letzterer spricht neben dem Habemus Papam nach einer Papstwahl die einleitenden Worte vor dem Ostersegen, der allen, die ihn persönlich oder über die modernen Kommunikationsmittel empfangen, bei Erfüllung der nötigen Voraussetzungen einen vollkommenen Ablass gewährt. Feierliches und ausdauerndes Glockengeläute erklang nach dem Segen und begleitete die Gläubigen, die unter dem erneuten Klang der Hymnen auf dem sonnenbestrahlten Platz darauf warteten, dass der Papst - wieder ganz in Weiß -  in seinem Papamobil eine ausgbiebige Runde über den Platz - und weit darüber hinaus - drehen würde.

Hinweis: Wie der Vatikan im Nachhinein bekannt gegeben hat, wird die Gebetswache am Samstag, 11. April 2026, um 18 Uhr im Petersdom stattfinden. Gläubige, die gerne am Gebet unter Vorsitz des Papstes teilnehmen wollen, haben freien Zutritt, Karten werden nicht benötigt.

(vatican news)

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05. April 2026, 12:30