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Papst Leo: Ältere bewahren die Weisheit eines Volkes

Von Angolas Hauptstadt Luanda hat Papst Leo diesen Montag per Flugzeug rund 1000 Kilometer zurückgelegt, um in der Bergbauregion Lunda-Sul ein Seniorenheim zu besuchen. Mit seiner Präsenz lenkte der Papst den Blick auf die oft vernachlässigten älteren Menschen, denen Dankbarkeit gebühre, hätten sie doch „zum Wohl der Gemeinschaft große Schwierigkeiten auf sich genommen“.

Christine Seuss und Stefanie Stahlhofen - Vatikanstadt

In einer fröhlichen, festlichen und fast familiären Atmosphäre wurde Leo XIV. in Saurimo im staatlich getragenen Seniorenheim empfangen. Lar de acolhimento wird die Einrichtung für ältere Menschen übrigens auf Portugiesisch genannt - das Wort „Lar“ bedeutet Haus, Heim und steht für familiäre Atmosphäre.  Darauf ging auch der Papst in seinem Grußwort auf Portugiesisch ein, der Amtssprache Angolas:

„Es hat mich beeindruckt zu hören, dass ihr diesen Ort „lar“ nennt, was so viel wie Familie bedeutet. Ich danke Gott dafür und hoffe, dass ihr alle hier wirklich so weit wie möglich in einer familiären Atmosphäre leben könnt.“

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Schlimme Misshandlungen

Die 62 Bewohner sind zwischen 60 und 93 Jahre alt, einige von ihnen befinden sich in einem prekären Gesundheitszustand und manche haben Schlimmes durchgemacht, weil sie von ihren Familienangehörigen misshandelt wurden, die sie unter dem Vorwurf der Hexerei im Stich gelassen haben. Teils wird dies auch als Vorwand herangezogen, um ältere Menschen zu quälen oder abzuschieben.

„alte Menschen schützen, die sich in Situationen sozialen Risikos befinden“

Die Direktorin des Seniorenheims, Georgina Mwandumba sagte in ihrer Rede, dieses Haus sei gegründet worden, „um alte Menschen zu schützen, die sich in Situationen sozialen Risikos befinden" und etwa häusliche Gewalt erlitten hätten „und die familiäre Aufmerksamkeit in der Gesellschaft brauchen." Die Einrichtung, die von der Regierung getragen wird, bezeichnete sie als einen Ort, „der so viel mehr ist als ein einfaches Seniorenheim, viel mehr, weil es ein Ort ist, der Pflege, der Sicherheit und Hoffnung gibt. Hier treffen die Menschen auf Bedingungen, um in Würde zu leben", erklärte die Direktorin. 

Papstappell für Dankbarkeit und Fürsorge Älterer

Den älteren Menschen gebühre „Dankbarkeit, denn sie haben zum Wohl der Gemeinschaft große Schwierigkeiten auf sich genommen“, so der Appell des Papstes in einem Land, in dem es leider immer wieder vorkommt, dass ältere Menschen von ihren Familien verstoßen werden.

Den Behörden sprach Leo XIV. seine Anerkennung aus „für ihre Initiativen zugunsten bedürftiger älterer Menschen“ aus und gedachte dabei auch dankbar der Mitarbeiter und Freiwilligen, die sich um die Senioren kümmern: „Die Fürsorge für gebrechliche Menschen ist ein sehr wichtiges Zeichen für die Qualität des sozialen Lebens eines Landes. Und vergessen wir nicht: Ältere Menschen müssen nicht nur betreut, sondern vor allem angehört werden, denn sie bewahren die Weisheit eines Volkes.”

„Die Fürsorge für gebrechliche Menschen ist ein sehr wichtiges Zeichen für die Qualität des sozialen Lebens eines Landes“

Auch in den kurzen Grüßen zweier Bewohner stach die Freude über den Besuch des Kirchenoberhauptes hervor. Besonders bewegend und gleichzeitig erschreckend ob der Brutalität, mit der sich ältere Menschen teils konfrontiert sehen, war allerdings das Zeugnis einer Bewohnerin, die sichtlich aufgewühlt berichtete, dass ihre eigene Familie sie in einen Sack gesteckt habe, um sie zu ertränken. Papst Leo verfolgte diese Schilderung sichtlich bewegt.

Ihm gefalle der Gedanke, dass Jesus auch hier, in diesem Haus wohne, so die einfühlsamen Worte des Papstes an die anwesenden Senioren und Mitarbeiter:

„Ja, er wohnt unter euch, wann immer ihr versucht, einander zu lieben und euch als Brüder und Schwestern gegenseitig zu helfen; wann immer ihr nach einem Missverständnis oder einer kleinen Kränkung fähig seid, einander zu vergeben und euch zu versöhnen; wann immer ihr – einige von euch oder ihr alle zusammen – in Einfachheit und Demut betet.“

Bei der Begegnung im Seniorenheim in Saurimo
Bei der Begegnung im Seniorenheim in Saurimo   (@Vatican Media)

„Vergessen wir nicht: Ältere Menschen müssen nicht nur betreut, sondern vor allem angehört werden, denn sie bewahren die Weisheit eines Volkes“

Es beteten dann auch noch alle gemeinsam ein Vaterunser auf Portugiesisch mit Papst Leo XIV., der dann allen seinen Segen spendete. 

Spürbare Verbesserungen

Der Besuch von Papst Leo hatte auch ganz konkrete Früchte für das Heim: Zahlreiche Verbesserungen, wie der Anschluss ans reguläre Stromnetz und fließendes Wasser, sind wohl vor allem aufgrund dieses außergewöhnlichen Ereignisses nach zuvor jahrelangem vergeblichem Warten pünktlich fertiggestellt worden.

Direktorin Georgina Mwandumba sagte im Namen aller, man „danke Gott dafür, dass der Besuch des Heiligen Vaters möglich wurde" und dass er in direktem Kontakt mit den Ältesten sei und hier, um von ihrem Alltag zu hören. „Mögen solche Besuche hier noch öfter vorkommen."

Bei der Begegnung mit den Senioren und ihren Betreuern in Saurimo
Bei der Begegnung mit den Senioren und ihren Betreuern in Saurimo   (@Vatican Media)

Papst Leo machte sich dann vom Seniorenheim auf den Weg zur Heiligen Messe auf der Esplanade von Saurimo.

* Redaktioneller Hinweis: Die Rede der Direktorin beim Besuch des Papstes wurde aufgrund frei gesprochener Änderungen nachträglich angepasst. 

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20. April 2026, 12:17