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Leo XIV. in Bamenda: Jetzt ist der Moment, um etwas zu verändern

Trotz der vielen „herzzerreißenden“ Situationen kann man „das Mosaik der Einheit" neu zusammenfügen, indem man die Verschiedenheiten vereint – und der richtige Zeitpunkt dafür ist gerade jetzt. Diese Botschaft hatte Leo XIV. in der Predigt während der Messe für Frieden und Gerechtigkeit am Flughafen von Bamenda. Dabei warnte der Papst vor denen, die Afrika ausbeuten wollen, und mahnte zur Wachsamkeit gegenüber esoterischen oder gnostischen Strömungen.

Christine Seuss– Vatikanstadt

In freudiger Atmosphäre feierte Papst Leo vor seinem Rückflug nach Yaoundé die Messe in Bamenda, einem Gebiet, das seit Jahren wegen der Zusammenstöße von Separatisten und Regierungstruppen von Konflikt und Unsicherheit geprägt ist. Doch davon war kaum etwas zu spüren, auch wenn der Papst schon bei verschiedenen Gelegenheiten – so auch hier - darauf eingegangen war, dass die Menschen zwar auf einem wunderschönen Kontinent lebten, aber mit großen Schwierigkeiten konfrontiert, gar verwundet, seien.

Der Messe ging eine lange Fahrt im Papamobil voraus, begleitet von der Begeisterung der Gläubigen, die typische Gesänge anstimmten, während kamerunische und vatikanische Fähnchen sowie grüne Zweige geschwenkt wurden - nach der Tradition des Landes ein Zeichen der Begrüßung, der Wiedergeburt und des Lebens. Auf dem Rollfeld wartete unterdessen gut sichtbar das Flugzeug, das den Papst nach der Messe dann wieder nach Youndé bringen sollte.

Papst Leo XIV. bei der Messe in Bamenda
Papst Leo XIV. bei der Messe in Bamenda   (@Vatican Media)

Die Feier begann mit einer langen Prozession von Kardinälen, Bischöfen und Priestern, die weiße Gewändern mit typischen afrikanischen Stickereien trugen - eine Prozession, die schließlich bis zum Altar führte, der in den Vatikanfarben Weiß und Gelb umrahmt war; im Hintergrund stach das Grün der Hügel von Bamenda hervor.

Pilger des Friedens und der Einheit

Schon im Eröffnungsgebet wurde darum gebeten, dass „unermüdlich daran gearbeitet wird, jene Gerechtigkeit zu schaffen, die allein einen wahren und dauerhaften Frieden garantiert“. Er komme als „Pilger des Friedens und der Einheit“, betonte auch Papst Leo in seiner Predigt – ein Signal an die Menschen von Bamenda und dafür, ihren Weg, ihre Mühen und Hoffnungen zu teilen. Ein komplexes Szenario, das dem Papst, der die gravierenden Schwierigkeiten der Menschen aufzählte, durchaus bewusst war:

„Die zahlreichen Formen der Armut, von denen auch in jüngster Zeit sehr viele Menschen wegen der anhaltenden Nahrungsmittelkrise betroffen sind; moralische, soziale und politische Verfallserscheinungen, die vor allem mit einem Umgang mit Reichtum zu tun haben, der die Entwicklung von Institutionen und Strukturen verhindert; die gravierenden Folgeprobleme im Bildungs- und Gesundheitswesen sowie die massive Abwanderung ins Ausland, insbesondere von jungen Menschen. Und zu den inneren Problemen, die oft von Hass und Gewalt genährt werden, kommen dann noch von außen verursachte Übel hinzu, vonseiten derer, die den afrikanischen Kontinent um des Profits willen weiterhin ausbeuten und plündern“, so der Papst angesichts von Situationen, „die uns das Herz brechen und uns Kummer bereiten“. Doch es gelte, aktiv dagegen anzusteuern, so die energische Aufforderung des Papstes. Denn trotz allem sei

„Heute und nicht morgen, jetzt und nicht in der Zukunft ist der rechte Zeitpunkt, um wiederaufzubauen, um das Mosaik der Einheit aus der Vielfalt und dem Reichtum des Landes und des Kontinents neu zusammenzufügen und eine Gesellschaft zu bilden, in der Friede und Versöhnung herrschen“

„..dies der Augenblick, um etwas zu verändern, um die Geschichte dieses Landes neu zu gestalten. Heute und nicht morgen, jetzt und nicht in der Zukunft ist der rechte Zeitpunkt, um wiederaufzubauen, um das Mosaik der Einheit aus der Vielfalt und dem Reichtum des Landes und des Kontinents neu zusammenzufügen und eine Gesellschaft zu bilden, in der Friede und Versöhnung herrschen.”

Papst Leo XIV. in Bamenda
Papst Leo XIV. in Bamenda   (@Vatican Media)

Hoffnung auf Frieden

Die festliche Gestaltung der Liturgien, ebenso wie die Freude, mit der sie zu Gott beteten, sei ein Zeichen ihres „tiefen Gottvertrauens“, ebenso wie ihrer unerschüttlichen Hoffnung, so Papst Leo an die rund 20.000 Menschen, die für die feierliche Messe und den anschließenden Abschied des Papstes zum Flughafen von Bamenda gekommen waren. Bereits bei seiner Ankunft am Vormittag hatten viele Tausende Menschen die Straßen gesäumt, die Papst Leo bis zum Ort des Friedenstreffens in der Kathedrale des heiligen Josef in der Stadt zurückzulegen hatte.

„Gott macht uns zu mutigen Menschen, die dem Bösen trotzen und Gutes bewirken“

Der Papst räumte in seiner Predigt am Donnerstagnachmittag ein, dass man angesichts all der zu bewältigenden Probleme leicht der „Resignation“ und der „Ohnmacht verfallen könnte, erinnerte aber zugleich an die Quelle des Wortes Gottes, das Wort, das „neue Räume eröffnet und Verwandlung und Heilung bewirkt, weil es das Herz in Bewegung setzen kann“, den Menschen zum aktiven Gestalter seiner Zukunft macht: „Erinnern wir uns daran: Gott ist Neuheit, Gott erschafft Neues, Gott macht uns zu mutigen Menschen, die dem Bösen trotzen und Gutes bewirken“, rief der Pontifex den Menschen zu.

Baumeister des Friedens und der Geschwisterlichkeit

„Der Gehorsam gegenüber Gott“, so betonte der Papst weiter, mache uns „frei“, weil dies bedeute, „dass wir ihm unser Leben anvertrauen und zulassen, dass sein Wort unser Denken und Handeln inspiriert“. Es gelte letztlich, Gott mehr zu gehorchen als den Menschen und deren beschränktem irdischen Denken – denn dies bedeute, den Wert des Guten zu entdecken und vor dem Bösen nicht zu resignieren, den Weg des Lebens neu zu finden und zum Stifter von Frieden und Geschwisterlichkeit zu werden; ein Beispiel, das die Apostel gegeben hätten, als bei der Anhörung des Hohen Rates mutig Rede und Antwort standen und auf den Gehorsam gegenüber Gott verwiesen hatten:

„Der Mut der Apostel wird zum kritischen Gewissen, zu einer prophetischen Stimme, zu einer Anklage gegen das Böse, und dies ist der erste Schritt, um Veränderungen herbeizuführen. Gott zu gehorchen ist nämlich kein Akt der Unterwerfung, der uns belastet oder uns die Freiheit nimmt.“

Die Rundfahrt im Papamobil
Die Rundfahrt im Papamobil   (@Vatican Media)

Absage an esoterische Glaubensvorstellungen

Auf dieses Konzept des Gehorsams gegenüber Gott, insbesondere bei der Weitergabe des Glaubens, kam Papst Leo am Ende seiner Predigt nochmals zu sprechen – wobei es gewisse Fallstricke zu vermeiden gelte, so die Mahnung des Kirchenoberhauptes.

„Wir müssen ihm gehorchen, weil er allein Gott ist. Und so sind wir eingeladen, die Inkulturation des Evangeliums zu fördern und wachsam zu sein, auch hinsichtlich unserer Religiosität, um nicht irrtümlich auf Wege zu geraten, die den katholischen Glauben mit anderen Glaubensüberzeugungen und Traditionen esoterischer oder gnostischer Art vermischen, die in Wirklichkeit oft politische und wirtschaftliche Zwecke verfolgen. Gott allein befreit, nur sein Wort eröffnet Wege der Freiheit, nur sein Geist macht uns zu neuen Menschen, die dieses Land verändern können.“

Sein abschließender Dank galt den vielen Priestern, Missionaren, Ordensleuten und Laien, die daran arbeiteten, „eine Quelle des Trostes und der Hoffnung zu sein“, ein Balsam für die Wunden eines Volkes, das nicht aufhört, nach vorne zu blicken und sich – wie Papst Leo in seiner Predigt eingangs betonte – „mit aller Kraft an die Liebe des Vaters klammert“.

Anschließend begab er sich zum im Hintergrund wartenden Flugzeug, um wieder in die Hauptstadt Yaoundé zurückzufliegen – von dort aus ist am Freitag erneut ein Inlandsflug geplant, und zwar nach Douala, wo er eine Heilige Messe im „Japoma Stadion“ feiern und ein Katholisches Krankenhaus besuchen wird.

Beim Abschied in Bamenda
Beim Abschied in Bamenda   (@Vatican Media)

(vatican news)

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16. April 2026, 18:02