Papst Leo: Evangelisierung bleibt oberste Priorität

Die Verbreitung des Evangeliums muss in der Kirche weiter an erster Stelle stehen. Das hat Leo XIV. an diesem Donnerstag betont.

Bei einer Audienz nahm der Papst damit den wichtigsten Impuls aus dem Pontifikat seines Vorgängers Franziskus (2013-25) auf. Leo bezog sich in seiner Rede auch ausdrücklich auf die Programmschrift „Evangelii gaudium“, in der Franziskus 2013 für eine „Kirche im Aufbruch“ warb und die der jetzige Papst als weiterhin gültigen Routenplan ansieht.

„Die Evangelisierung muss weiterhin die grundlegende Motivation für jedes Handeln der Weltkirche wie auch der Ortsgemeinden sein; nur auf diese Weise wird der Glaube selbst in seiner Schönheit immer wieder neu entdeckt und bringt seine Glaubwürdigkeit am besten zum Ausdruck. Eine Verkündigung des Evangeliums, die Hoffnung schenkt, ist kein utopischer Entwurf: Sie ist ein Zeugnis, das anzieht, insofern es die Berufung zur Liebe und zur Wahrheit offenbart.“

Man dürfe nicht ausblenden, dass „die Glaubenskrise vor allem in westlichen Ländern, zusammen mit weiteren sozio-kulturellen Faktoren, zu einer weit verbreiteten religiösen Gleichgültigkeit geführt hat“, so Papst Leo.

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Der Atemzug des Menschlichen

„Vielen erscheint der Glaube für ihr Leben nicht mehr relevant. Die dahinterliegende Gefahr – die nicht immer in ihrer vollen Tragweite wahrgenommen wird – besteht darin, dass gerade jener Atemzug des zutiefst Menschlichen erstickt wird: die Suche nach Sinn. Die großen existenziellen Fragen bleiben unbeantwortet, während sich eine technologische Kultur ungebremst ausbreitet, die vorgibt, jedes Bedürfnis stillen zu können.“

Doch auch in einem solchen Kontext sei die Begegnung von Menschen mit Christus weiterhin dazu angetan, dem Leben „Sinn und Wert zu geben“. Umso aktueller sei der Missionsbefehl, den der auferstandene Christus seinen Jüngern erteilt habe. Da gehe es um nicht weniger als „das Sichern der Fundamente für die Zukunft der Menschheit“.

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„Die Evangelisierung gründet weder auf der Effizienz von Strukturen noch auf gesellschaftlichem Ansehen“

Als Hoffnungszeichen vermerkte Papst Leo bei der Audienz, die Mitarbeitern des vatikanischen Dikasteriums für Evangelisierung galt, „die starke Sehnsucht nach Spiritualität“ vor allem unter jungen Menschen.

„Die neue Generation hegt keinerlei Vorurteile gegen das Evangelium; im Gegenteil: Viele wünschen sich, es besser kennenzulernen, denn sie erkennen, dass in ihm das Geheimnis des wahren Glücks verborgen liegt. Ich bin gewiss, dass Ihr Dikasterium dieser Suche, die unsere Zeitgenossen mit stetig wachsender Eindringlichkeit artikulieren, besondere Aufmerksamkeit widmet. Es ist eine Suche, die eine glaubwürdige und stimmige Antwort erfordert. Die Evangelisierung gründet weder auf der Effizienz von Strukturen noch auf gesellschaftlichem Ansehen, ja nicht einmal auf jenem öffentlichen Zuspruch, der sich womöglich zu einem bestimmten Zeitpunkt gewinnen lässt. Entscheidend bleibt vielmehr, sein Vertrauen in die Führung des Heiligen Geistes zu setzen und jenen Wegen zu folgen, die Er weist…“

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„Sicherlich lässt sich das Christentum nicht dadurch attraktiv machen, dass man seine Inhalte verwässert“


Leo räumte ein, dass die Evangelisierung heute auf vielerlei Hindernisse trifft. Das kulturelle Klima in einer Konsumgesellschaft lade nicht gerade dazu ein, sich auf einen „geduldigen und mühsamen Weg persönlicher Suche nach Wahrheit“ zu machen. Der Königsweg der Evangelisierung bestehe auch künftig in der persönlichen Begegnung und in der Bildung glaubwürdiger Gemeinschaften.

„Sicherlich lässt sich das Christentum nicht dadurch attraktiv machen, dass man seine Inhalte verwässert und seine Forderungen abschwächt, sondern vielmehr dadurch, dass man – mit Demut und Mut – Zeugnis ablegt für den Weg, die Wahrheit und das Leben, das so viele Menschen zur Umkehr bewegt und geheiligt hat.“

Der Papst bat darum, Menschen, die um die Taufe bitten, auch nach der erfolgten Spendung des Sakraments weiter in der Gemeinschaft zu begleiten. Dasselbe gelte für junge Menschen, die gefirmt werden. Mit Dankbarkeit blickte Leo auf das vergangene Heilige Jahr 2025 zurück. Sein Thema „Pilger der Hoffnung“ habe tatsächlich vielen Menschen weltweit neue Hoffnung eingeflößt.

(vatican news - sk)
 

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28. Mai 2026, 11:12