Papst Leo an Italiens Bischöfe: „Mut zum Wesentlichen“

Leo XIV. rät der italienischen Kirche zu mutigen Reformen. Dabei solle sie sich auf „das Wesentliche konzentrieren“, sagte er am Donnerstag bei einem Treffen mit der Vollversammlung der italienischen Bischöfe im Vatikan.



„Lasst uns den Mut zum Wesentlichen haben! Den Mut zu Gemeinschaften, denen es weniger um die Bewahrung von allem geht, sondern die freier darin sind, Christus zu verkünden… Den Mut zu einladenden und missionarischen Pfarreien, in denen Familien zusammenkommen und durch das Lebenselixier des Evangeliums erneuert werden. Den Mut zu lebendigen, partizipativen Gremien. Den Mut, den jungen Menschen zuzuhören, ohne ihre Fragen zu dämpfen. Den Mut, uns von den Armen evangelisieren zu lassen.”

Viele Zeichen deuteten derzeit auch in der italienischen Kirche auf „Müdigkeit, Zersplitterung und Einsamkeit“ hin, so der Papst. Den Verantwortlichen gelinge es kaum, die neuen Generationen zu erreichen. „Doch das Evangelium rüttelt uns auf. Jesus sieht, wenn er auf die Menschenmengen blickt, kein Problem, das es zu lösen gilt; er sieht eine Ernte – er sieht Gottes Feld!“ Diesen Blick Jesu sollten sich die Bischöfe zu eigen machen. Im Übrigen werde die Fruchtbarkeit einer Ortskirche „nicht mit den Kriterien der Zahl, der Sichtbarkeit oder des Einflusses gemessen“.

  (@Vatican Media)


Das Evangelium wieder in den Mittelpunkt stellen

Leo XIV. appellierte an die Besucher in der vatikanischen Synodenaula, „das Evangelium wieder in den Mittelpunkt“ zu stellen. „Wir sind aufgerufen, uns zu fragen: Welches Antlitz Gottes lassen wir in unserer Predigt, unserer Katechese, unserer Liturgie, unserer Caritas und im Leben unserer Gemeinschaften aufleuchten? Auf welche Weise fördern wir die Begegnung mit Christus, und was bedeutet es heute – für uns und für unsere Kirchen –, andere in das christliche Leben einzuführen? Dies sind Fragen, die wir uns als Hirten stets stellen müssen, ohne sie jemals als selbstverständlich vorauszusetzen.“

Teilhabe-Organismen müssen auch funktionieren

Katholische Pfarreien und Gemeinschaften sollten sich „nicht in sich selbst verschließen“, sondern zu Orten geistlicher Unterscheidung und Mission werden. Voraussetzung dafür sei eine Erneuerung. Die Kirche müsse synodal werden, so dass in ihr jeder Glaubende, seiner je eigenen Berufung gemäß, etwas beitragen könne. Teilhabe sei nicht etwas, das gnadenhalber gewährt werde, sondern ergebe sich als Imperativ aus dem Willen zur Gemeinschaft und zum Evangelisieren. Teilhabe-Organismen seien von hohem Wert: Es reiche allerdings nicht, dass es sie gebe, man müsse auch dafür sorgen, dass sie funktionieren. Überhaupt müssten alle Strukturen unter dem Gesichtspunkt, ob sie zum Erfordernis der Mission und zu den veränderten historischen Rahmenbedingungen passen, neu gedacht werden. Eine dementsprechende Prüfung schwäche nicht die Gemeinschaft, sondern reinige sie.

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„Der Glaube wird weitergegeben und wächst dort, wo es lebendige und einladende Gemeinschaften gibt – Gemeinschaften, die fähig sind zum Gebet und zum Zuhören; Gemeinschaften, in denen das Wort Gottes nicht am Rande bleibt, sondern Entscheidungen erhellt; wo die Eucharistie wahrhaft Quelle und Höhepunkt ist; wo die Armen nicht bloß äußere Empfänger einer Dienstleistung sind, sondern Brüder und Schwestern, durch die der Herr zu uns spricht; wo junge Menschen Gesichter, Stimmen und Geschichten sind, mit denen man in den Dialog tritt; wo Familien nicht allein gelassen werden und Wunden nicht verborgen, sondern in Demut vor den Herrn gebracht werden; wo der Glaube zu konkretem Engagement in Gesellschaft, Politik und Kultur wird.“

Die italienische Bischofskonferenz ist die zahlenmäßig stärkste in Europa. Ihr Vorsitzender – derzeit Kardinal Matteo Zuppi von Bologna – wird, anders als in anderen Bischofskonferenzen, nicht gewählt, sondern vom Papst aus einer Rose von Kandidaten ernannt. Nach seiner Ansprache ließ sich der Papst noch hinter verschlossenen Türen auf ein Gespräch mit den Bischöfen ein.

(vatican news – sk)
 

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28. Mai 2026, 12:33