Papst Leo beim Besuch einer römischen Universität im November 2025 Papst Leo beim Besuch einer römischen Universität im November 2025  (ANSA)

Universität in Rom: Vorbereitungen auf den Papstbesuch am Donnerstag

An der römischen Uni ,„La Sapienza“ laufen Vorbereitungen für den Papstbesuch am Donnerstag. Vatican News sprach mit Studierenden über den Besuch, den die Vatikanmedien ab zehn Uhr live übertragen - auch mit deutschsprachiger Begleitung.

Papst Leo XIV. besucht am Donnerstag, dem 14. Mai, um 10:20 Uhr die größte italienische Universität „La Sapienza“ in Rom. Die Universität wird von mehr als 100.000 Studierenden besucht und ist damit eine der größten Universitäten in ganz Europa.

Gebet, Ausstellung und Ansprache

Der Bischof von Rom wird zunächst einen Moment des Gebets einlegen, bevor er sich zu einem Treffen mit dem Rektorat begibt. Später besichtigt er eine Ausstellung über die Sapienza und das Papsttum und hält dann eine Ansprache in der Aula Magna. 

Auf dem Hauptcampus der Universität wird studiert, geforscht und es werden Tagungen, Ausstellungen und Konzerte organisiert. „Dies ist ein Laboratorium der menschlichen Herzen“, beschreibt der Kaplan Pater Gabriele Vecchione die Lehreinrichtung - mit Studierenden aus aller Welt, „die die Zukunft von morgen gestalten werden. Hier wollen wir den Glauben mit einem rationalen Ansatz leben, der dem 21. Jahrhundert gerecht wird“.

Zuhause im Glauben

Auch eine Universitätskapelle gibt es. Für viele der jungen Männer und Frauen aus aller Welt, die an der Uni studieren, ist sie ein Zufluchtsort im Glauben, auch ein Zuhause in einem fremden Land. 

„Andere Studierende zu finden, die sich wie ich nach mehr sehnen, ist wirklich schön“, erzählt eine Studentin. „Dieser Papst ist für mich etwas Besonderes, da ich den Moment seiner Wahl miterlebt habe. Ich war auf dem Petersplatz und habe den weißen Rauch aus der Sixtinischen Kapelle aufsteigen sehen. Es ist ein historisches Ereignis, dass er an die Sapienza kommt und es gibt mir Hoffnung – große Hoffnung für uns junge Menschen.“

Ein Ort zum Lernen

Am späten Nachmittag versammeln sich Studierende in der Kapelle zur Anbetung vor dem Hauptaltar. Dahinter befindet sich eine kleine Kapelle für Gruppentreffen. Das Licht ist gedämpft, die Einrichtung schlicht. Eine Etage tiefer befindet sich ein großer, runder Lesesaal zum Lernen.

Beatrice, eine Studentin der Wirtschafts- und Finanzwissenschaften, hat sich aufgrund von vielen Umzügen oft wie „eine ewige Fremde“ gefühlt. Jetzt bedeutet dieser Ort alles für sie. „Ich komme hierher, wenn ich traurig, ängstlich oder glücklich bin, wenn ich Gesellschaft suche oder lieber allein sein möchte. Durch die vielen Umzüge fiel es mir schwer, mich wie eine Tochter zu fühlen. In meinem ersten Jahr fühlte ich mich unendlich einsam. Ich war verloren, in einer dunklen Gasse. Aber nach und nach habe ich hier meinen Weg gefunden und fühle ich mich als Teil dieses Wunders“, erklärt Beatrice.

Andere Studierende beschreiben die Kapelle als einen Ort der Zuflucht in Momenten der Schwäche und der Besinnung. Ein Ort der Begegnung, in dem man sich selbst hinterfragen kann. Ein junger Mann, der Filmdesign studiert hat, erzählt: „Mit 16 habe ich komplett aufgehört, in die Kirche zu gehen. Vor zwei Jahren habe ich dann den Kurs über die zehn Gebote bei Pater Fabio Rosini begonnen. Ich halte mich noch nicht für einen vollwertigen Christen, aber ich bin auf dem Weg dahin. Jesus ist sowohl Mensch als auch Gott und diese Nähe spricht mich an“.

Studierende an der Sapienza Universität
Studierende an der Sapienza Universität

Sich der jungen Sprache anpassen

Zwei Priester wohnen in den Räumen im Untergeschoss der Kapelle. Einer der Vikare, Pater Claudio Tagliapietra, erläutert, wie wertvoll es ist, in das Universitätsleben eingebunden zu sein: „Wir fragen uns nie, wie wir junge Menschen anziehen können. Stattdessen fragen wir uns, wie wir ihnen begegnen und mit ihnen über ihre Sorgen sprechen können. Oft suchen sie einen Vater, einen Bruder. Manchmal führen beiläufige Gespräche zu etwas Tieferem.“

Der bevorstehende Besuch von Papst Leo verdeutliche die Herausforderung, eine Synthese von zwei Formen der Weisheit zu vereinen: die von Gott und die der Menschheit. „Beide stammen aus derselben Quelle; wir müssen nur mit den Herzen zuhören“, erklärt Tagliapietra. Er verweist auf Schlüsselfiguren der Kirchengeschichte: „Für den heiligen Thomas von Aquin gibt es nur eine einzige Weisheit, der heilige Augustinus war ein Lehrer mit glühendem und weisem Herzen, und John Henry Newman hat ein hohes Ideal des Universitätsleben vertreten“. Das Ziel sei es, Wissen zu vereinen und über den unmittelbaren Kreis hinauszuschauen.

Vertrauen schaffen

Junge Menschen würden in der heutigen Welt oft von einer Form der Rhetorik mitgerissen, die versuche, sie zu definieren, so der zweite Priester, Pater Vecchione. Er geht sogar so weit, dass Erwachsene die Welt ruiniert haben, „und dann von den jungen Menschen erwarten, dass sie nicht untätig sind. Sie haben es sich nicht ausgesucht, geboren zu werden. Sie sind nun einmal hier, und wir schulden ihnen Erklärungen.“

Zudem spricht der Seelsorger von einer zunehmenden Bevormundung gegenüber jungen Menschen. Er betont: „Wir projizieren bestimmte Erwartungen auf sie … Wer junge Menschen unterrichtet, sollte sie fragen, was sie sich wirklich wünschen. Stattdessen werden sie zu Objekten. Alle auf dem Weg zu Berufen, die sie vielleicht irgendwann hassen werden.“

Die Jugend muss neu erzogen werden - wie sie ihre wahren Ziele erreichen können. „Das ist extrem schwierig, denn das Verlangen ist immer etwas Fremdes. Ein Kind wünscht sich in der Regel etwas anderes als das, was seine Eltern wollen. Daher ist es sehr schwer, diese Andersartigkeit zu leben.“

An der Universität La Sapienza wollen die Priester Vertrauen schaffen und zu gesunden Beziehungen ermutigen. Wenn jemand an die Tür der Kapelle klopft, sucht er meist Rat, ein fünfminütiges Gespräch oder eine Beichte. „Aber im Grunde sucht jeder nach Väterlichkeit – nach jemandem, der an sie glaubt.“

(vatican news - nm)

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13. Mai 2026, 14:03