Papst fordert Umdenken in Acerra: „Das Gemeinwohl vor Profit stellen“
Mario Galgano - Vatikanstadt
Am Samstagvormittag ist Papst Leo XIV. im Rahmen seines Pastoralbesuchs in Acerra mit den Bürgermeistern und Gläubigen der Gemeinden der sogenannten „Terra dei fuochi“ (Feuerland) zusammengetroffen. Auf der Piazza Calipari würdigte er zu Beginn seiner Ansprache die Bemühungen der Anwesenden und betonte die Notwendigkeit, der Bedrohung des Lebens durch Umweltzerstörung mit Würde und Verantwortung zu begegnen.
Zuvor hatte das Kirchenoberhaupt im Dom von Acerra Angehörige von Opfern der Umweltverschmutzung getroffen. Er erklärte, dass der Begriff „Terra dei fuochi“ zwar das Ausmaß der Kriminalität und der Gleichgültigkeit der vergangenen Jahrzehnte verdeutlicht habe, jedoch dem verbliebenen Guten in der Region nicht gerecht werde. In diesem Zusammenhang dankte er den kirchlichen Vertretern sowie den Laien, die den synodalen Prozess und die Botschaft der Enzyklika Laudato si’ aufgegriffen haben.
Absage an Fatalismus und Gewinnmaximierung
Der Papst rief die Bevölkerung und die Verantwortlichen dazu auf, sich von Resignation, Kompromissen und Fatalismus zu befreien. „Das Gemeinwohl kommt vor den Geschäften der Wenigen und vor den Parteiinteressen, seien sie klein oder groß“, betonte er. Die Region habe bereits einen hohen Tribut an menschlichem Leid gezahlt, weshalb nun die Zeit für ein neues Bündnis, ethisches Handeln und ein aktives Erinnern gekommen sei.
Dabei kritisierte das Kirchenoberhaupt das Fortbestehen des technokratischen Paradigmas. Dieses sei die Ursache für globale Konflikte und die Jagd nach Ressourcen. Es zeige sich dort, wo politische Institutionen gegenüber den Starken zu schwach agieren und technologischer Fortschritt ausschließlich auf die Gewinnmaximierung weniger abzielt, ohne Rücksicht auf den Menschen und dessen Arbeit.
Priorität für Bildung und gesellschaftlichen Zusammenhalt
Als eine wesentliche Aufgabe für die Zukunft benannte der Papst die Bildung, die sich an alle Generationen und gesellschaftlichen Schichten richten müsse. Ziel sei ein Wandel der wirtschaftlichen, zivilen und religiösen Mentalität. Er dankte den Umweltverbänden, die als Pioniere die Missstände frühzeitig angezeigt hatten, und forderte eine kontinuierliche Wachsamkeit gegenüber Praktiken, die Erde, Wasser und Luft vergiften. Ein weniger individualistisches und konsumorientiertes Wachstumsmodell sei notwendig, um stattdessen soziale Beziehungen und das Gemeinwohl zu stärken.
Zum Abschluss seiner Rede verknüpfte der Papst den Umweltschutz mit der Bekämpfung sozialer Ausgrenzung. Am Beispiel der Brände am Stadtrand erläuterte er, dass Marginalisierung stets Unsicherheit erzeuge. Der richtige Weg bestehe darin, „der Ausgrenzung entgegenzuwirken, nicht den Ausgegrenzten, und die gesamte Kette zu durchbrechen, anstatt nur das letzte Glied zu treffen“.
Mit einem Verweis auf das diesjährige Jubiläumsjahr des heiligen Franziskus erinnerte er daran, dass der Frieden auf der Sorge für den Nächsten und der Geschwisterlichkeit in einem gemeinsamen Haus berreht.
(vatican news)
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